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Die Zwölftonreihe ist eine beliebige Anordnung der zwölf verschiedenen Tonhöhen der chromatischen Tonleiter in einem gleichschwebend temperierten Tonsystem. Sie bildet den kompositionstechnischen Kern von Werken der Zwölftonmusik, die ihren Ausgangspunkt in der Zweiten Wiener Schule nahm.

Bereits 1896 verwendete Richard Strauss in seiner Sinfonischen Dichtung Also sprach Zarathustra im zentralen Kompositionsabschnitt „Der Genesende“ eine Zwölftonreihe. Für den Komponisten Arnold Schönberg, der für sich in Anspruch nahm, die Zwölftonreihen „entdeckt“ zu haben, gelten für die Zwölftonreihe als neues Ordnungsprinzip der Neuen Musik zwei Prämissen:

  • In einer Zwölftonreihe müssen alle zwölf Tonhöhen der chromatischen Scala enthalten sein, wobei enharmonische Verwechslungen und Oktavierungen keine Bedeutung haben.
  • In einer Zwölftonkomposition darf ein Ton erst dann ein zweites Mal verwendet werden, wenn alle anderen Töne der Reihe bereits aufgetreten sind.

Für Schönberg konstituierte sich daraus die Totalität des Komponierens mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen, die dann die Emanzipation der Dissonanz als Merkmal der „Neuen Musik“ herstellt.

Allerdings bestimmt die Zwölftonreihe nur die Tonhöhenfolge einer Zwölftonkomposition. Die anderen Parameter des Tones (Tondauer, Lautstärke und Klangfarbe) bleiben in der klassischen Dodekaphonie unberührt.

Inhaltsverzeichnis

Eine Zwölftonreihe ist eine beliebige, aber vollständige Anordnung der Halbtöne der chromatischen Tonleiter. Welche Anordnung ein Komponist aus den 479.001.600(=12!) möglichen Permutationen der chromatischen Scala für seine Komposition wählt, ist eine künstlerisch weitreichende Vorentscheidung. Die Zwölftonreihe ist aber weder eine Komposition noch ein Thema. Schönberg nennt sie eine Themaform und versteht sie als ein abstraktes Gebilde, aus dem Themen abgeleitet werden können.

Ein Beispiel für eine vertikale, akkordische Verarbeitung einer Zwölftonreihe sind die ersten Takte von Schönbergs Klavierstück op. 33a →Notenbeispiel.

In der traditionellen Dodekaphonie gelten zwei Transformationen (Umformungen) einer Zwölftonreihe als regelrecht.

  • Krebsbildung: Der Krebs einer Zwölftonreihe entsteht durch Anwendung der Ursprungsreihe von ihrem letzten Ton aus rückwärts. Diese Transformation wird auch vertikale Spiegelung genannt.
  • Umkehrung: Die Intervalle der Ursprungsreihe werden durch ihre Komplementärintervalle ersetzt, was zur Folge hat, dass jedes Intervall, das in der Ursprungsreihe aufwärts gerichtet war, in der Umkehrung abwärts gerichtet ist, und umgekehrt. Deshalb wird diese Transformation auch als horizontale Spiegelung bezeichnet.

Mit diesen beiden Transformationen lassen sich aus einer Ursprungsreihe insgesamt vier Reihen bilden: die Ursprungsreihe und ihre Umkehrung und der Krebs dieser beiden. Darauf bezogen spricht die Dodekaphonie von den „vier Modi“, in denen eine Zwölftonreihe auftreten kann.

Als weitere regelrechte Transformation kann eine Transposition der Ursprungsreihe und ihrer Modifikationen angesehen werden, die die vier Modi der Zwölftonreihe auf die zwölf verschiedenen Tonhöhen der chromatischen Scala transponiert.

Damit lassen sich aus den meisten Zwölftonreihen insgesamt 48 (= 4 × 12) Reihen (die ursprüngliche mit einbezogen) ableiten, die dem Komponisten für eine Zwölfton-Komposition zur Verfügung stehen.

Die Transformationen Krebs und Umkehrung sind der Kontrapunktlehre entlehnt. Schönberg suchte damit seine Zwölftonlehre an die strengen Regeln dieser Kompositionstechnik anzuschließen.

Unter den rund zehn Millionen verbleibenden Zwölftonreihen – die 48 Ableitungen jeder Reihe herausgerechnet – lassen sich eine Vielzahl von Reihenbildungen entdecken, die besondere Merkmale aufweisen.

  • Symmetrien (Schoenberg, Klavierstück op. 33a);
  • Binnenbeziehungen von Reihenteilen (Anton Webern, Konzert für 9 Instrumente op. 24);
  • Anklänge an tonale Elemente (Dur- und Moll-Dreiklänge in Alban Bergs Violinkonzert);
  • bestimmte Intervallstrukturen (Terzfortschreitungen in Anton Weberns 1. Kantate op. 29);
  • außermusikalische Metaphern (das B-A-C-H Motiv am Beginn der Krebsform der oben dargestellten Reihe aus Schoenberg op. 25).

Von Bedeutung wurden sogenannte Allintervallreihen, in denen neben allen zwölf Halbtönen auch alle elf bildbaren Intervalle vorhanden sind. Sie treten auch in der Form von symmetrischen Allintervallreihen auf. → Hauptartikel Allintervallreihe

  1. Till Eulenspiegels lustige Serie / Also sprach Zarathustra – Wikibooks, Sammlung freier Lehr-, Sach- und Fachbücher. Abgerufen am 29. Mai 2021.
  2. Arnold Schönberg: Stil und Gedanke (= Fischer 3616). Herausgegeben von Ivan Vojtech. (Die im Original englischen Texte übersetzte Gudrun Budde.) 5.–6. Tausend. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-23616-9, S. 75.
Normdaten (Sachbegriff): GND:4368335-6(OGND, AKS)

Zwolftonreihe kompositionstechnischer Kern von Werken der Zwolftonmusik Sprache Beobachten Bearbeiten Die Zwolftonreihe ist eine beliebige Anordnung der zwolf verschiedenen Tonhohen der chromatischen Tonleiter in einem gleichschwebend temperierten Tonsystem Sie bildet den kompositionstechnischen Kern von Werken der Zwolftonmusik die ihren Ausgangspunkt in der Zweiten Wiener Schule nahm Bereits 1896 verwendete Richard Strauss in seiner Sinfonischen Dichtung Also sprach Zarathustra im zentralen Kompositionsabschnitt Der Genesende eine Zwolftonreihe 1 Fur den Komponisten Arnold Schonberg der fur sich in Anspruch nahm die Zwolftonreihen entdeckt zu haben gelten fur die Zwolftonreihe als neues Ordnungsprinzip der Neuen Musik zwei Pramissen 2 In einer Zwolftonreihe mussen alle zwolf Tonhohen der chromatischen Scala enthalten sein wobei enharmonische Verwechslungen und Oktavierungen keine Bedeutung haben In einer Zwolftonkomposition darf ein Ton erst dann ein zweites Mal verwendet werden wenn alle anderen Tone der Reihe bereits aufgetreten sind Fur Schonberg konstituierte sich daraus die Totalitat des Komponierens mit zwolf nur aufeinander bezogenen Tonen die dann die Emanzipation der Dissonanz als Merkmal der Neuen Musik herstellt Allerdings bestimmt die Zwolftonreihe nur die Tonhohenfolge einer Zwolftonkomposition Die anderen Parameter des Tones Tondauer Lautstarke und Klangfarbe bleiben in der klassischen Dodekaphonie unberuhrt Inhaltsverzeichnis 1 Reihenbildung 2 Die vier Modi der Zwolftonreihe 3 Sonderformen der Zwolftonreihe 4 Siehe auch 5 Einzelnachweise 6 Literatur 7 WeblinksReihenbildung BearbeitenEine Zwolftonreihe ist eine beliebige aber vollstandige Anordnung der Halbtone der chromatischen Tonleiter Welche Anordnung ein Komponist aus den 479 001 600 12 moglichen Permutationen der chromatischen Scala fur seine Komposition wahlt ist eine kunstlerisch weitreichende Vorentscheidung Die Zwolftonreihe ist aber weder eine Komposition noch ein Thema Schonberg nennt sie eine Themaform und versteht sie als ein abstraktes Gebilde aus dem Themen abgeleitet werden konnen Ein Beispiel fur eine vertikale akkordische Verarbeitung einer Zwolftonreihe sind die ersten Takte von Schonbergs Klavierstuck op 33a Notenbeispiel Die vier Modi der Zwolftonreihe BearbeitenIn der traditionellen Dodekaphonie gelten zwei Transformationen Umformungen einer Zwolftonreihe als regelrecht Krebsbildung Der Krebs einer Zwolftonreihe entsteht durch Anwendung der Ursprungsreihe von ihrem letzten Ton aus ruckwarts Diese Transformation wird auch vertikale Spiegelung genannt Umkehrung Die Intervalle der Ursprungsreihe werden durch ihre Komplementarintervalle ersetzt was zur Folge hat dass jedes Intervall das in der Ursprungsreihe aufwarts gerichtet war in der Umkehrung abwarts gerichtet ist und umgekehrt Deshalb wird diese Transformation auch als horizontale Spiegelung bezeichnet Mit diesen beiden Transformationen lassen sich aus einer Ursprungsreihe insgesamt vier Reihen bilden die Ursprungsreihe und ihre Umkehrung und der Krebs dieser beiden Darauf bezogen spricht die Dodekaphonie von den vier Modi in denen eine Zwolftonreihe auftreten kann Als weitere regelrechte Transformation kann eine Transposition der Ursprungsreihe und ihrer Modifikationen angesehen werden die die vier Modi der Zwolftonreihe auf die zwolf verschiedenen Tonhohen der chromatischen Scala transponiert Damit lassen sich aus den meisten Zwolftonreihen insgesamt 48 4 12 Reihen die ursprungliche mit einbezogen ableiten die dem Komponisten fur eine Zwolfton Komposition zur Verfugung stehen Die Transformationen Krebs und Umkehrung sind der Kontrapunktlehre entlehnt Schonberg suchte damit seine Zwolftonlehre an die strengen Regeln dieser Kompositionstechnik anzuschliessen Sonderformen der Zwolftonreihe BearbeitenUnter den rund zehn Millionen verbleibenden Zwolftonreihen die 48 Ableitungen jeder Reihe herausgerechnet lassen sich eine Vielzahl von Reihenbildungen entdecken die besondere Merkmale aufweisen Symmetrien Schoenberg Klavierstuck op 33a Binnenbeziehungen von Reihenteilen Anton Webern Konzert fur 9 Instrumente op 24 Anklange an tonale Elemente Dur und Moll Dreiklange in Alban Bergs Violinkonzert bestimmte Intervallstrukturen Terzfortschreitungen in Anton Weberns 1 Kantate op 29 aussermusikalische Metaphern das B A C H Motiv am Beginn der Krebsform der oben dargestellten Reihe aus Schoenberg op 25 Von Bedeutung wurden sogenannte Allintervallreihen in denen neben allen zwolf Halbtonen auch alle elf bildbaren Intervalle vorhanden sind Sie treten auch in der Form von symmetrischen Allintervallreihen auf Hauptartikel AllintervallreiheSiehe auch BearbeitenArnold Schonberg Zwolftontechnik Serielle MusikEinzelnachweise Bearbeiten Till Eulenspiegels lustige Serie Also sprach Zarathustra Wikibooks Sammlung freier Lehr Sach und Fachbucher Abgerufen am 29 Mai 2021 Arnold Schonberg Stil und Gedanke Fischer 3616 Herausgegeben von Ivan Vojtech Die im Original englischen Texte ubersetzte Gudrun Budde 5 6 Tausend Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 1995 ISBN 3 596 23616 9 S 75 Literatur BearbeitenCarl Dahlhaus Was ist eine Zwolftonreihe In Neue Zeitschrift fur Musik Bd 131 H 10 1970 S 506 507 Herbert Eimert Grundlagen der musikalischen Reihentechnik Universal Edition Nr 13960 ZDB ID 2237343 3 Universal Edition Wien 1964 Herbert Eimert Lehrbuch der Zwolftontechnik Breitkopf amp Hartel Wiesbaden 1950 Matthias Schmidt Reihe Reihentechnik In Oesterreichisches Musiklexikon Online Ausgabe Wien 2002 ff ISBN 3 7001 3077 5 Druckausgabe Band 4 Verlag der Osterreichischen Akademie der Wissenschaften Wien 2005 ISBN 3 7001 3046 5 Weblinks BearbeitenDie 48 Modi der Zwolftonreihe Analyse der Klaviersuite op 25 von A Schoenberg Datenbank von Tonreihen und TropenNormdaten Sachbegriff GND 4368335 6 OGND AKS Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Zwolftonreihe amp oldid 212539727, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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