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Xavier Joseph Vallat (* 23. Dezember 1891 in Villedieu, Vaucluse; † 6. Januar 1972 in Annonay, Ardèche) war ein französischer Anwalt, Journalist und Politiker der extremen Rechten, der unter dem Vichy-Regime vom März 1941 bis zum Mai 1942 das Commissariat Général aux Questions Juives („Generalkommissariat für Judenfragen“) leitete und nach dem Zweiten Weltkrieg dafür zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

Jugend und Erster Weltkrieg

Vallat wurde als zehntes von elf Kindern der Eheleute Jean Auguste Cyprien Vallat und Thérèse Victorine, geborene Morlat, geboren und streng katholisch erzogen. Der Vater stammte aus Pailharès im Département Ardèche, wo Vallat später zeitweilig Bürgermeister war. Er gehörte in seiner Jugend der Association catholique de la jeunesse française an und wandte sich später der radikalnationalistischen Action française zu. Vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete er für zwei Jahre als Lehrer am katholischen Kolleg in Aix-en-Provence, bevor er 1913 zum Militärdienst beim 61e régiment d’infanterie einberufen wurde.

Als Unteroffizier eingesetzt, wurde er bereits im August 1914 erstmals schwer verwundet und im Juni 1915 zum Offizier ernannt. Sein Bruder Alphonse war im Januar 1915 in den Argonnen gefallen. Nach weiteren Verwundungen und einer Tätigkeit als Rekrutenausbilder zog sich Vallat 1916 eine Keratitis zu, die das Augenlicht seines rechten Auges stark einschränkte. Im selben Jahr erreichte er seine Versetzung zum 114e bataillon de chasseurs alpins, das im Bereich der Somme und 1917 am Chemin des Dames kämpfte. Ende März 1918 verlor Vallat in den Kämpfen während der deutschen Michael-Offensive sein linkes Bein. Er erreichte den Rang eines Oberleutnants und wurde als Ritter der Ehrenlegion und mit dem Croix de guerre mit Palmenzweig ausgezeichnet. 1921 wurde er ehrenhaft aus der Armee entlassen.

Politische Karriere in der Dritten Republik

In den Wahlen vom November 1919 wurde Vallat auf der Liste der Union républicaine nationale et sociale (Teil des Bloc national) im Département Ardèche in die Abgeordnetenkammer gewählt. Er gehörte zudem dem Generalrat des Départements Ardèche an. Seit 1923 als Anwalt tätig, betätigte sich Vallat auch als Journalist. Nach dem Verlust seines Sitzes 1924 schloss er sich der von General Noël de Castelnau gegründeten Fédération nationale catholique (FNC) an und wurde 1928 wieder in die Nationalversammlung gewählt, der er dann bis zu ihrer Suspendierung 1940 angehörte.

Er betätigte sich in den 1920er Jahren auch für die als Veteranenverbände gegründeten rechtsextremen Organisationen Faisceau des Combattants und Croix de Feu. Aus letzterer zog er sich wieder zurück, nachdem Colonel François de La Rocque begann, daraus eine politische Massenbewegung aufzubauen. Seine Sympathien für die Action française gab er nie auf, auch als Papst Pius XI. diese ab 1926 als kirchenfeindlich verurteilte, und blieb befreundet mit Charles Maurras.

In den 1930er etablierte sich Vallat als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der politischen Rechten in der Abgeordnetenkammer, die sich in der Fédération républicaine sammelten. Sein Rednertalent wurde auch von politischen Gegnern anerkannt. Vallat fungierte ab Februar 1936 als Vizepräsident der Parlamentariergruppe der Fédération républicaine und trat im Juni 1936 gegen Édouard Herriot als Kandidat der Opposition für den Posten des Präsidenten der Abgeordnetenkammer an. Den neuen Ministerpräsidenten der Front populaire, Léon Blum, griff er in der Kammer scharf an – zum ersten Mal werde „das alte gallo-romanische Land von einem Juden regiert“, stellte er am 6. Juni fest. Seit der Stavisky-Affäre von 1934 war Vallat zunehmend mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen. Er engagierte sich ab 1933 zudem mit seinem Kollegen René Dommange für die Auflösung der Freimaurerlogen. Vallats Antisemitismus ging auf eine ältere Verschwörungstheorie zurück, nach der Juden, Freimaurer und (preußisch-deutsche) Protestanten gemeinsam an der Zersetzung der katholischen französischen Nation arbeiteten, und griff Stereotype von einem Judäo-Bolschewismus auf. Während des Spanischen Bürgerkriegs ergriff er Partei für die Franquisten und war ein Bewunderer Salazars.

Unter dem Vichy-Regime

Nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 setzte sich Vallat enthusiastisch für die Machtübernahme Marschall Pétains ein. Am 10. Juli votierte er für die Übertragung der verfassungsgebenden Vollmachten an den Marschall und wurde in dessen Regierung am 16. Juli zum Generalsekretär für die ehemaligen Frontkämpfer ernannt. Auf seinen Vorschlag hin wurde am 29. August die Légion française des combattants gegründet.

Im März 1941 gab die französische Regierung unter François Darlan dem Druck der deutschen Besatzungsmacht nach und richtete ein eigenes Judenkommissariat ein, zu dessen erstem Generalkommissar Vallat am 29. März 1941 ernannt wurde. Er begann umgehend mit der Ausarbeitung eines neuen „Judenstatuts“, das das vom 3. Oktober 1940 datierende erste Statut am 2. Juni 1941 ablöste und die Lebensbedingungen der in Frankreich lebenden Juden deutlich verschärfte. Das Vichy-Regime erweiterte damit unter anderem die Definition, wer als Jude zu gelten habe, verschärfte Berufsverbote und zwang die Juden in der unbesetzten Zone Frankreichs zur Registrierung bei den Behörden. Im Juli begann das Regime, auch hier Arisierungen vorzunehmen. Im November 1941 unterzeichnete Vallat die Verordnung zur Gründung der Zwangsvereinigung Union générale des israélites de France. Da sowohl die deutschen Besatzer (wegen seiner mangelnden Entschlossenheit) als auch seine eigene Regierung (wegen seines Aktionismus) mit seiner Arbeit unzufrieden waren, musste Vallat Anfang Mai 1942 seinen Posten räumen. Ihm folgte der rabiatere Antisemit Louis Darquier de Pellepoix nach, der die späteren Massendeportationen der französischen Juden mitorganisierte.

Vallat bekleidete in der Folge untergeordnete Positionen in den Ministerien für Äußeres und Landwirtschaft. Nach dem Attentat der Résistance auf seinen langjährigen Weggefährten Philippe Henriot Ende Juni 1944 wurde er zu dessen Nachfolger als Propagandist beim Radiosender Radio Nationale in Vichy gemacht. Er wurde am 27. August 1944 in Vichy von den Alliierten verhaftet.

Nach dem Krieg

Vallat musste sich 1947 für seine Kollaboration, nämlich 1) seine Tätigkeit in hohen Positionen in der Vichy-Regierung und 2) seine Tätigkeit als Radiopropagandist 1944 vor dem Obersten Gerichtshof verantworten. Er bekräftigte in seiner Verteidigung seine Judenfeindschaft und seine Treue zu Marschall Pétain. Mit 14:13 Stimmen wurde er zu einer zehnjährigen Haftstrafe und Ehrverlust (indignité nationale) verurteilt, die Alternative wäre die Todesstrafe gewesen. 1949 aus der Haft entlassen, wurde er 1954 amnestiert.

Er fungierte später als Herausgeber der Wochenzeitschrift Aspects de la France, einer Publikation der Action française. Er blieb seinen klerikalfaschistischen Ansichten bis zu seinem Tod 1972 treu, bezeichnete sich aber später als „Zionisten“ und Anhänger des Staates Israel. Er wurde in Pailharès beerdigt.

  • Laurent Joly: Xavier Vallat. Du nationalisme chrétien à l’antisémitisme d’État, 1891–1972. Vorwort von Philippe Burrin, Grasset, Paris 2001.
  • Stephane Boiron: Antisémites sans remords : les « bons motifs » des juristes de Vichy. In: Cités, No. 36, 2008/4, S. 37–50, doi:10.3917/cite.036.0037.
Commons: Xavier Vallat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Personendaten
NAME Vallat, Xavier
ALTERNATIVNAMEN Vallat, Xavier Joseph
KURZBESCHREIBUNG französischer Anwalt, Journalist und Politiker der extremen Rechten, Mitglied der Nationalversammlung
GEBURTSDATUM 23. Dezember 1891
GEBURTSORT Villedieu, Vaucluse
STERBEDATUM 6. Januar 1972
STERBEORT Annonay, Ardèche

Xavier Vallat franzosischer Politiker Mitglied der Nationalversammlung Sprache Beobachten Bearbeiten Xavier Joseph Vallat 23 Dezember 1891 in Villedieu Vaucluse 6 Januar 1972 in Annonay Ardeche war ein franzosischer Anwalt Journalist und Politiker der extremen Rechten der unter dem Vichy Regime vom Marz 1941 bis zum Mai 1942 das Commissariat General aux Questions Juives Generalkommissariat fur Judenfragen leitete und nach dem Zweiten Weltkrieg dafur zu einer zehnjahrigen Haftstrafe verurteilt wurde Vallat im Jahre 1929 Inhaltsverzeichnis 1 Leben 1 1 Jugend und Erster Weltkrieg 1 2 Politische Karriere in der Dritten Republik 1 3 Unter dem Vichy Regime 1 4 Nach dem Krieg 2 Literatur 3 WeblinksLeben BearbeitenJugend und Erster Weltkrieg Bearbeiten Vallat wurde als zehntes von elf Kindern der Eheleute Jean Auguste Cyprien Vallat und Therese Victorine geborene Morlat geboren und streng katholisch erzogen Der Vater stammte aus Pailhares im Departement Ardeche wo Vallat spater zeitweilig Burgermeister war Er gehorte in seiner Jugend der Association catholique de la jeunesse francaise an und wandte sich spater der radikalnationalistischen Action francaise zu Vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete er fur zwei Jahre als Lehrer am katholischen Kolleg in Aix en Provence bevor er 1913 zum Militardienst beim 61e regiment d infanterie einberufen wurde Als Unteroffizier eingesetzt wurde er bereits im August 1914 erstmals schwer verwundet und im Juni 1915 zum Offizier ernannt Sein Bruder Alphonse war im Januar 1915 in den Argonnen gefallen Nach weiteren Verwundungen und einer Tatigkeit als Rekrutenausbilder zog sich Vallat 1916 eine Keratitis zu die das Augenlicht seines rechten Auges stark einschrankte Im selben Jahr erreichte er seine Versetzung zum 114e bataillon de chasseurs alpins das im Bereich der Somme und 1917 am Chemin des Dames kampfte Ende Marz 1918 verlor Vallat in den Kampfen wahrend der deutschen Michael Offensive sein linkes Bein Er erreichte den Rang eines Oberleutnants und wurde als Ritter der Ehrenlegion und mit dem Croix de guerre mit Palmenzweig ausgezeichnet 1921 wurde er ehrenhaft aus der Armee entlassen Politische Karriere in der Dritten Republik Bearbeiten In den Wahlen vom November 1919 wurde Vallat auf der Liste der Union republicaine nationale et sociale Teil des Bloc national im Departement Ardeche in die Abgeordnetenkammer gewahlt Er gehorte zudem dem Generalrat des Departements Ardeche an Seit 1923 als Anwalt tatig betatigte sich Vallat auch als Journalist Nach dem Verlust seines Sitzes 1924 schloss er sich der von General Noel de Castelnau gegrundeten Federation nationale catholique FNC an und wurde 1928 wieder in die Nationalversammlung gewahlt der er dann bis zu ihrer Suspendierung 1940 angehorte Er betatigte sich in den 1920er Jahren auch fur die als Veteranenverbande gegrundeten rechtsextremen Organisationen Faisceau des Combattants und Croix de Feu Aus letzterer zog er sich wieder zuruck nachdem Colonel Francois de La Rocque begann daraus eine politische Massenbewegung aufzubauen Seine Sympathien fur die Action francaise gab er nie auf auch als Papst Pius XI diese ab 1926 als kirchenfeindlich verurteilte und blieb befreundet mit Charles Maurras In den 1930er etablierte sich Vallat als eine der wichtigsten Personlichkeiten der politischen Rechten in der Abgeordnetenkammer die sich in der Federation republicaine sammelten Sein Rednertalent wurde auch von politischen Gegnern anerkannt Vallat fungierte ab Februar 1936 als Vizeprasident der Parlamentariergruppe der Federation republicaine und trat im Juni 1936 gegen Edouard Herriot als Kandidat der Opposition fur den Posten des Prasidenten der Abgeordnetenkammer an Den neuen Ministerprasidenten der Front populaire Leon Blum griff er in der Kammer scharf an zum ersten Mal werde das alte gallo romanische Land von einem Juden regiert stellte er am 6 Juni fest Seit der Stavisky Affare von 1934 war Vallat zunehmend mit antisemitischen Ausserungen aufgefallen Er engagierte sich ab 1933 zudem mit seinem Kollegen Rene Dommange fur die Auflosung der Freimaurerlogen Vallats Antisemitismus ging auf eine altere Verschworungstheorie zuruck nach der Juden Freimaurer und preussisch deutsche Protestanten gemeinsam an der Zersetzung der katholischen franzosischen Nation arbeiteten und griff Stereotype von einem Judao Bolschewismus auf Wahrend des Spanischen Burgerkriegs ergriff er Partei fur die Franquisten und war ein Bewunderer Salazars Unter dem Vichy Regime Bearbeiten Nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 setzte sich Vallat enthusiastisch fur die Machtubernahme Marschall Petains ein Am 10 Juli votierte er fur die Ubertragung der verfassungsgebenden Vollmachten an den Marschall und wurde in dessen Regierung am 16 Juli zum Generalsekretar fur die ehemaligen Frontkampfer ernannt Auf seinen Vorschlag hin wurde am 29 August die Legion francaise des combattants gegrundet Im Marz 1941 gab die franzosische Regierung unter Francois Darlan dem Druck der deutschen Besatzungsmacht nach und richtete ein eigenes Judenkommissariat ein zu dessen erstem Generalkommissar Vallat am 29 Marz 1941 ernannt wurde Er begann umgehend mit der Ausarbeitung eines neuen Judenstatuts das das vom 3 Oktober 1940 datierende erste Statut am 2 Juni 1941 abloste und die Lebensbedingungen der in Frankreich lebenden Juden deutlich verscharfte Das Vichy Regime erweiterte damit unter anderem die Definition wer als Jude zu gelten habe verscharfte Berufsverbote und zwang die Juden in der unbesetzten Zone Frankreichs zur Registrierung bei den Behorden Im Juli begann das Regime auch hier Arisierungen vorzunehmen Im November 1941 unterzeichnete Vallat die Verordnung zur Grundung der Zwangsvereinigung Union generale des israelites de France Da sowohl die deutschen Besatzer wegen seiner mangelnden Entschlossenheit als auch seine eigene Regierung wegen seines Aktionismus mit seiner Arbeit unzufrieden waren musste Vallat Anfang Mai 1942 seinen Posten raumen Ihm folgte der rabiatere Antisemit Louis Darquier de Pellepoix nach der die spateren Massendeportationen der franzosischen Juden mitorganisierte Vallat bekleidete in der Folge untergeordnete Positionen in den Ministerien fur Ausseres und Landwirtschaft Nach dem Attentat der Resistance auf seinen langjahrigen Weggefahrten Philippe Henriot Ende Juni 1944 wurde er zu dessen Nachfolger als Propagandist beim Radiosender Radio Nationale in Vichy gemacht Er wurde am 27 August 1944 in Vichy von den Alliierten verhaftet Nach dem Krieg Bearbeiten Vallat musste sich 1947 fur seine Kollaboration namlich 1 seine Tatigkeit in hohen Positionen in der Vichy Regierung und 2 seine Tatigkeit als Radiopropagandist 1944 vor dem Obersten Gerichtshof verantworten Er bekraftigte in seiner Verteidigung seine Judenfeindschaft und seine Treue zu Marschall Petain Mit 14 13 Stimmen wurde er zu einer zehnjahrigen Haftstrafe und Ehrverlust indignite nationale verurteilt die Alternative ware die Todesstrafe gewesen 1949 aus der Haft entlassen wurde er 1954 amnestiert Er fungierte spater als Herausgeber der Wochenzeitschrift Aspects de la France einer Publikation der Action francaise Er blieb seinen klerikalfaschistischen Ansichten bis zu seinem Tod 1972 treu bezeichnete sich aber spater als Zionisten und Anhanger des Staates Israel Er wurde in Pailhares beerdigt Literatur BearbeitenLaurent Joly Xavier Vallat Du nationalisme chretien a l antisemitisme d Etat 1891 1972 Vorwort von Philippe Burrin Grasset Paris 2001 Stephane Boiron Antisemites sans remords les bons motifs des juristes de Vichy In Cites No 36 2008 4 S 37 50 doi 10 3917 cite 036 0037 Weblinks Bearbeiten Commons Xavier Vallat Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Normdaten Person GND 119505592 OGND AKS LCCN n87152995 VIAF 49232517 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Vallat XavierALTERNATIVNAMEN Vallat Xavier JosephKURZBESCHREIBUNG franzosischer Anwalt Journalist und Politiker der extremen Rechten Mitglied der NationalversammlungGEBURTSDATUM 23 Dezember 1891GEBURTSORT Villedieu VaucluseSTERBEDATUM 6 Januar 1972STERBEORT Annonay Ardeche Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Xavier Vallat amp oldid 220942701, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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