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Der Vorwärts ist eine 1876 als „Central-Organ der Sozialdemokratie Deutschlands“ gegründete Zeitung. Bis in die Gegenwart ist der vorwärts (Kleinschreibung seit 1994) Parteizeitung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Vorwärts: Die Zeitung der Deutschen Sozialdemokratie
Beschreibung Parteizeitung
Sprache Deutsch
Verlag Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft (Deutschland)
Hauptsitz Berlin
Erstausgabe 1. Oktober 1876
Gründer Wilhelm Liebknecht und Wilhelm Hasenclever
Erscheinungsweise zweimonatlich
Verbreitete Auflage 361.966 Exemplare
(Mediadaten Vorwärts)
Reichweite 0,8 Mio. Leser
(Mediadaten Vorwärts)
Chefredakteure Karin Nink, siehe Abschnitt Chefredakteure
Herausgeber Lars Klingbeil
Weblink vorwaerts.de
ISSN (Print) 0042-8949

Inhaltsverzeichnis

Die erste Ausgabe der in Leipzig als Zentralorgan der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands gegründeten Zeitung erschien am 1. Oktober 1876 und ersetzte die bisherigen Parteizeitungen Der Volksstaat und Neuer Social-Demokrat. Der Vorwärts (Untertitel Central-Organ der Sozialdemokratie Deutschlands) erschien unter der Leitung von Wilhelm Liebknecht und Wilhelm Hasenclever zunächst dreimal in der Woche.

Vom 3. Januar 1877 bis 7. Juli 1878 publizierte die Zeitung eine Reihe von Artikeln Friedrich Engels’, die später gesammelt als der Anti-Dühring veröffentlicht wurden und als eines der bedeutendsten und bekanntesten Werke des Marxismus gelten.

Als Folge des Sozialistengesetzes musste der Vorwärts am 26. Oktober 1878 sein Erscheinen einstellen; er erschien 1879 illegal in Zürich unter dem Titel Der Sozialdemokrat weiter.

Am 1. Januar 1891, im Jahr nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes, wurde die Zeitung unter dem Titel Vorwärts – Berliner Volkszeitung, Central-Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Berlin erneut gegründet und diente jetzt als Zentralorgan der SPD, in die die Sozialistische Arbeiterpartei 1890 umbenannt worden war. Chefredakteur war erneut, und bis zu seinem Tod 1900, Wilhelm Liebknecht. Der Vorwärts erschien nun als Tageszeitung. 1895 wurde im Vorwärts der private, sogenannte Scheiterhaufenbrief (vom 14. August 1888) des Hofpredigers Adolf Stoecker an den Chefredakteur der Kreuzzeitung Wilhelm Joachim von Hammerstein veröffentlicht, in welchem gezielte Intrigen unterbreitet wurden, um Bismarck zu stürzen. 1902 denunzierte der Vorwärts Friedrich Alfred Krupp als homosexuell, „da der Fall auch vielleicht den Anstoß giebt, endlich seinen § 175 aus dem deutschen Strafgesetzbuch zu entfernen, (...) der das Laster nicht ausrottet, aber das Unglück zur furchtbaren Qual verschärft“. Krupp wurde in dem Artikel vom 15. November 1902 als „pervers veranlagt“ bezeichnet. Diese Veröffentlichung trug der Redaktion um Kurt Eisner heftige Kritik auch aus den eigenen Reihen der Partei ein.

Eisner war ab 1900 – zuvor von Liebknecht selbst angeworben – dessen Nachfolger, bis er und andere Redakteure 1905 wegen ihrer Positionen im Revisionismusstreit in Konflikt mit der offiziellen Linie des Parteivorstandes und seiner Presskommission gerieten und den Vorwärts verließen.

Im Oktober 1902 zog die Redaktion und der Verlag in das Gebäude Lindenstraße 3, wo die Zentrale des Vorwärts bis 1933 ansässig war.

Ab ungefähr 1910 leitete Rudolf Hilferding die Redaktion. Er lehnte die seit Kriegsbeginn betriebene Burgfriedenspolitik des Parteivorstandes ab. Der Vorwärts unternahm jetzt „eine Gratwanderung zwischen unabhängiger Berichterstattung und Anpassung an die Zensurvorschriften“. Als sich 20 Reichstagsabgeordnete der SPD im Dezember 1915 in einer Erklärung von der Kriegspolitik distanzierten, machte sich das Parteiorgan diese Position zu eigen. Damit stand es, ähnlich wie zu Eisners Zeit, in diesem Punkt in Opposition gegen die Mehrheit des Parteivorstands und der Reichstagsfraktion. Dieser Zustand endete 1916, als der Parteivorstand Friedrich Stampfer der Redaktion als Kontrolleur zuordnete. Stampfer wurde kurz darauf, am 9. November 1916, Chefredakteur. Hilferding war 1915 zur österreichisch-ungarischen Armee eingezogen worden. Diese direkte Einflussnahme des Parteivorstandes auf die inhaltliche Ausrichtung und personelle Zusammensetzung der Redaktion sorgte als „Vorwärts-Raub“ für großes Aufsehen weit über Berlin hinaus. Brisant war nicht nur, dass eine Reihe von kritischen Redakteuren wie Ernst Däumig, Ernst Meyer und Heinrich Ströbel nun entlassen wurde. Hinzu kam noch, dass der Militärbefehlshaber von Berlin ebenfalls mitgewirkt hatte. In der Folge verlor die Zeitung einen erheblichen Teil ihrer Berliner Leser.

Am 7. November 1918 gab es sechs Extra-Ausgaben.

Nach Kriegsende vertrat Stampfer einen kämpferisch pro-parlamentarischen Kurs; der Vorwärts unterstützte die Wahl der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung und bekämpfte die Ziele und Methoden des Spartakusbundes, dessen Januaraufstand im Jahr 1919 auch die Redaktions- und Verlagsgebäude in der Lindenstraße drei der jetzt mehrmals täglich erscheinenden Zeitung als Schauplatz hatte. Am 10. Januar beschoss das Freikorps Potsdam mit Artillerie das Gebäude und stürmte es dann, um die Besetzung durch Kommunisten zu beenden. Stampfer blieb, mit einer kurzen Unterbrechung aus Protest gegen die Unterzeichnung des Versailler Vertrages, Chefredakteur bis 1933 und auch in der anschließenden Emigrationsphase in Karlsbad.

Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Vorwärts wie zahlreiche andere Zeitungen verboten. Die vorerst letzte Ausgabe erschien am 28. Februar 1933 mit dem Aufmacher Riesenbrand im Reichstag.

Bereits am 18. Juni 1933 gab der ins Prager Exil geflüchtete Parteivorstand unter dem Titel Neuer Vorwärts wieder eine wöchentlich erscheinende Zeitung heraus. Wegen des wachsenden Drucks der Nationalsozialisten auf die tschechoslowakische Regierung wurde der Sitz der Redaktion 1938 nach Paris verlegt, wo der Neue Vorwärts bis zum Einmarsch der deutschen Truppen im Mai 1940 erschien.

Am 11. September 1948 erschien die erste Ausgabe nach dem Krieg, jetzt als Neuer Vorwärts. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Hannover und Köln. Kurt Schumacher war mitverantwortlicher Redakteur. (Den bisherigen Titel Vorwärts. Berliner Volksblatt hatte seit 1946 eine Wochenzeitung des Organisationsausschusses Groß-Berlin der SPD und KPD, dann der Groß-Berliner SED-Bezirksleitung.)

Es gab dazu regionale SPD-Zeitungen, wie Das Volk in Ost-Berlin (1945–1946) und Der Sozialdemokrat in West-Berlin (1946–1949).

Seit dem 1. Januar 1955 hieß die Zeitung wieder Vorwärts, jetzt als Sozialdemokratische Wochenzeitung. Der Sitz der Redaktion wurde nach Bonn verlegt, Josef Felder wurde Chefredakteur.

An die Erfolge der Vorkriegs- und Exilzeit konnte der Vorwärts nicht mehr anknüpfen. Als Folge wurde immer wieder über eine Konzeptänderung oder sogar Einstellung diskutiert. 1976 stellte man auf ein neues Format um, 1986 erfolgte ein grundlegender Umbau des Vorwärts zum Magazin. Doch auch das geänderte redaktionelle Konzept und der Wechsel zum kleineren Format brachten keinen Aufschwung. Am 31. Januar 1989 entschied sich der SPD-Parteivorstand, den wöchentlich erscheinenden Vorwärts aus Kostengründen einzustellen. Doch dessen Redakteure und Mitarbeiter wollten weitermachen. 1989, nachdem die Auflage längere Zeit unter 50.000 Exemplare gesunken war, kam das Ende der Wochenzeitschrift: Der Vorwärts wurde mit dem Sozialdemokrat Magazin zum Mitgliedermagazin verschmolzen und erschien nun monatlich unter dem Titel Vorwärts / Sozialdemokratisches Magazin.

1994 erfuhr der Vorwärts, der als Mitgliedermagazin eine Auflage von über 800.000 Exemplaren erreichte, erneut eine grundlegende Überarbeitung. Das Konzept des Verlagskaufmanns Jens Berendsen und des Journalisten Frank Suplie, beide aus Elmshorn, sah weiterhin eine monatliche Erscheinungsweise vor, jedoch wieder im Zeitungsformat und mit einer moderneren, farbigen Aufmachung. Das neue Konzept war erfolgreich. Die Zahl der Leser stieg innerhalb von drei Jahren von 0,8 auf 1,2 Millionen Leser pro Ausgabe, und auch das Anzeigengeschäft nahm zu. Frank Suplie leitete den Verlag bis kurz vor seinem tödlichen Unfall 2002. In seine Zeit fiel das 125-jährige Bestehen der Zeitung und er initiierte die Darstellung der Blattgeschichte in Form eines Sonderteils im Vorwärts.

Seit Januar 2007 war die Zeitung unter Uwe-Karsten Heye in neuer Form für 2,50 Euro wieder an ausgewählten Kiosken erhältlich. Neben inhaltlichen Erweiterungen insbesondere um einen großen Kulturteil wurde auch das Layout überarbeitet. So sollte die Zeitung von einem kostenlosen Mitgliedsblatt zu einem offenen Forum auch externer Autoren mit kontroversen Meinungen entwickelt werden. Im November 2006 lag die Auflage bei 515.000 Exemplaren. Ziel der neuen Strategie war es, über die Mitglieder hinaus neue Leser aus dem Kreis der Sympathisanten und Wähler zu gewinnen. Im Februar 2012 lag die Auflage des Vorwärts bei nur noch 455.436 Exemplaren.

Seit 2015 erscheint das Blatt nur noch sechsmal im Jahr. Mit der ersten Ausgabe 2020 ist die Zeitschrift auch als E-Paper mit zusätzlichen Informationen, Podcasts und Videos erhältlich.

Der Vorwärts hat in den vergangenen Jahren etwa die Hälfte der höchsten Auflage erreicht. Seit Ende 2019 wird die Auflage nicht mehr der IVW gemeldet. Die zuletzt dort registrierte Auflage erreichte 356.070 verkaufte Exemplare.

Entwicklung der verkauften Auflage

In der Zeit zwischen dem Tod Liebknechts und dem Eintritt Stampfers gab es offiziell keine persönliche, sondern kollektive Redaktionsleitung(en); genannt sind mit Eisner, Hilferding und Ströbel die de facto leitenden Redakteure.

Redakteurinnen und Redakteure beim Vorwärts waren unter vielen anderen Georg Gradnauer, Rosa Luxemburg (acht Wochen lang), Ernst Däumig, Rudolf Wissell, Franz Klühs, Erich Kuttner, Friedrich Ebert (jun.), Ernst Reuter, Victor Schiff, Paul Löbe, Paul Hertz, Erich Rinner, Michael Scholing und Hartmut Urban; als freier Mitarbeiter schrieb Kurt Tucholsky.

  • Volker Schulze: Vorwärts 1876–1933. In: Heinz-Dietrich Fischer (Hrsg.): Deutsche Zeitungen des 17. bis 20. Jahrhunderts. Verlag Dokumentation, Pullach 1972, ISBN 3-7940-3602-6, S. 329–348.
  • Hermann Schueler: Trotz alledem. Der Vorwärts – Chronist des anderen Deutschland. Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft, Berlin 2006, ISBN 3-86602-790-7.
  • Jens Scholten: Zwischen Markt und Parteiräson. Die Unternehmensgeschichte des „Vorwärts“ 1948–1989 (= Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen. Schriftenreihe A. Darstellungen. Band 40). Bochum 2008, ISBN 978-3-89861-863-2.
  • Axel Weipert: Das Rote Berlin. Eine Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung 1830–1934. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-8305-3242-2.
  • Andreas Karmers: Vorwärts komplette Vertonung der letzten freien Ausgabe des sozialdemokratischen Vorwärts vom 28. Februar 1933. Karmers Hamburg, ISBN 978-3-9817439-0-6 (Hörbuchausgabe).
  1. Franz Osterroth, Dieter Schuster: Chronik der deutschen Sozialdemokratie. J. H. W. Dietz Nachf., Hannover 1963, S. 50. fes.de (2., neu bearb. und erw. Aufl. 1975).
  2. Friedrich Engels: Herrn Eugen Dühring’s Umwälzung der Wissenschaft.
  3. Theo Stammen, Gisela Riescher, Wilhelm Hofmann (Hrsg.): Hauptwerke der politischen Theorie (= Kröners Taschenausgabe. Band 379). Kröner, Stuttgart 1997, ISBN 3-520-37901-5, S. 137–140.
  4. Franz Osterroth, Dieter Schuster: Chronik der deutschen Sozialdemokratie. J. H. W. Dietz Nachf., Hannover 1963, S. 76.
  5. Der Vorwärts vom 15. November 1902, Seite 3.
  6. Hermann Schueler: Trotz alledem. Der Vorwärts – Chronist des anderen Deutschland. Berlin 2006, S. 263 f.: „Die Skandalwellen erschütterten das Reich. Der Kaiser raste, denn Krupp spielte eine Hauptrolle in seinen Flottenplänen […] Mehring warf dem Zentralorgan vor, der Vorwärts habe durch seine ‚blöden Sensationen‘ à la Krupp und Kaiserinsel ‚die Partei aufs äußerste bloßgestellt‘.“ Siehe auch Friedrich Alfred Krupp.
  7. Franz Osterroth, Dieter Schuster: Chronik der deutschen Sozialdemokratie. J. H. W. Dietz Nachfahren, Hannover 1963, S. 103.
  8. William Smaldone: Rudolf Hilferding. Bonn 2000.
  9. Axel Weipert: Das Rote Berlin. Eine Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung 1830–1934. Berlin 2013, S. 128 f.
  10. Hörspiel ,Vorwärts‘ karmers-hamburg.com.
  11. Neuer Vorwärts Zeitschriftendatenbank
  12. „Vorwärts“ bis 1958. In: Neues Deutschland. 5. April 2016,S.18.
  13. Mediadaten (Memento vom 3. Februar 2013 im Internet Archive)
  14. Vorwärts.
  15. laut IVW, viertes Quartal 2019.
  16. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.de)
  17. J. R. Prüß u. a.: 1876–2001 Geschichte schreiben, Zukunft gestalten (125 Jahre vorwärts), Sonderteil im Vorwärts vom Oktober 2001. –
    Dies ist auch die Quelle für die aufgelisteten Namen und Zeiträume. Im Web ist der Beitrag nicht mehr zugängig.
  18. Hermann Schueler: Trotz alledem. Der Vorwärts – Chronist des anderen Deutschland. Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft, Berlin 2006, ISBN 3-86602-790-7, S. 270 f.
  19. Hermann Schueler: Trotz alledem. Der Vorwärts – Chronist des anderen Deutschland. Berlin 2006, S. 555.
  20. Hermann Schueler: Trotz alledem. Der Vorwärts – Chronist des anderen Deutschland. Berlin 2006, S. 556.
  21. Hermann Schueler: Trotz alledem. Der Vorwärts – Chronist des anderen Deutschland. Berlin 2006, S. 557 f.
  22. vorwaerts.de (Memento vom 19. Januar 2012 im Internet Archive)
  23. Hermann Schueler: Trotz alledem. Der Vorwärts – Chronist des anderen Deutschland. Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft, Berlin 2006, ISBN 3-86602-790-7, S. 271.

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Vorwarts Deutschland Parteizeitung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Sprache Beobachten Bearbeiten Der Vorwarts ist eine 1876 als Central Organ der Sozialdemokratie Deutschlands gegrundete Zeitung Bis in die Gegenwart ist der vorwarts Kleinschreibung seit 1994 Parteizeitung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Vorwarts Die Zeitung der Deutschen SozialdemokratieBeschreibung ParteizeitungSprache DeutschVerlag Berliner vorwarts Verlagsgesellschaft Deutschland Hauptsitz BerlinErstausgabe 1 Oktober 1876Grunder Wilhelm Liebknecht und Wilhelm HasencleverErscheinungsweise zweimonatlichVerbreitete Auflage 361 966 Exemplare Mediadaten Vorwarts Reichweite 0 8 Mio Leser Mediadaten Vorwarts Chefredakteure Karin Nink siehe Abschnitt ChefredakteureHerausgeber Lars KlingbeilWeblink vorwaerts deISSN Print 0042 8949 Inhaltsverzeichnis 1 Grundung und erste Ruckschlage 2 Erster Weltkrieg und Revolution 3 Der Vorwarts im Exil 4 Wiedergrundung 5 Wandel zur Mitgliederzeitung und zum Monatsblatt fur soziale Demokratie 6 Auflage 7 Chefredakteure 8 Literatur 9 Weblinks 10 EinzelnachweiseGrundung und erste Ruckschlage BearbeitenDie erste Ausgabe der in Leipzig als Zentralorgan der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands gegrundeten Zeitung erschien am 1 Oktober 1876 und ersetzte die bisherigen Parteizeitungen Der Volksstaat und Neuer Social Demokrat Der Vorwarts Untertitel Central Organ der Sozialdemokratie Deutschlands erschien unter der Leitung von Wilhelm Liebknecht und Wilhelm Hasenclever zunachst dreimal in der Woche 1 Vom 3 Januar 1877 bis 7 Juli 1878 publizierte die Zeitung eine Reihe von Artikeln Friedrich Engels die spater gesammelt als der Anti Duhring veroffentlicht wurden und als eines der bedeutendsten und bekanntesten Werke des Marxismus gelten 2 3 Als Folge des Sozialistengesetzes musste der Vorwarts am 26 Oktober 1878 sein Erscheinen einstellen er erschien 1879 illegal in Zurich unter dem Titel Der Sozialdemokrat weiter Am 1 Januar 1891 im Jahr nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes wurde die Zeitung unter dem Titel Vorwarts Berliner Volkszeitung Central Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlandsin Berlin erneut gegrundet und diente jetzt als Zentralorgan der SPD in die die Sozialistische Arbeiterpartei 1890 umbenannt worden war 4 Chefredakteur war erneut und bis zu seinem Tod 1900 Wilhelm Liebknecht Der Vorwarts erschien nun als Tageszeitung 1895 wurde im Vorwarts der private sogenannte Scheiterhaufenbrief vom 14 August 1888 des Hofpredigers Adolf Stoecker an den Chefredakteur der Kreuzzeitung Wilhelm Joachim von Hammerstein veroffentlicht in welchem gezielte Intrigen unterbreitet wurden um Bismarck zu sturzen 1902 denunzierte der Vorwarts Friedrich Alfred Krupp als homosexuell da der Fall auch vielleicht den Anstoss giebt endlich seinen 175 aus dem deutschen Strafgesetzbuch zu entfernen der das Laster nicht ausrottet aber das Ungluck zur furchtbaren Qual verscharft 5 Krupp wurde in dem Artikel vom 15 November 1902 als pervers veranlagt bezeichnet Diese Veroffentlichung trug der Redaktion um Kurt Eisner heftige Kritik auch aus den eigenen Reihen der Partei ein 6 Eisner war ab 1900 zuvor von Liebknecht selbst angeworben dessen Nachfolger bis er und andere Redakteure 1905 wegen ihrer Positionen im Revisionismusstreit in Konflikt mit der offiziellen Linie des Parteivorstandes und seiner Presskommission gerieten und den Vorwarts verliessen Im Oktober 1902 zog die Redaktion und der Verlag in das Gebaude Lindenstrasse 3 wo die Zentrale des Vorwarts bis 1933 ansassig war 7 Erster Weltkrieg und Revolution BearbeitenAb ungefahr 1910 leitete Rudolf Hilferding die Redaktion Er lehnte die seit Kriegsbeginn betriebene Burgfriedenspolitik des Parteivorstandes ab Der Vorwarts unternahm jetzt eine Gratwanderung zwischen unabhangiger Berichterstattung und Anpassung an die Zensurvorschriften 8 Als sich 20 Reichstagsabgeordnete der SPD im Dezember 1915 in einer Erklarung von der Kriegspolitik distanzierten machte sich das Parteiorgan diese Position zu eigen Damit stand es ahnlich wie zu Eisners Zeit in diesem Punkt in Opposition gegen die Mehrheit des Parteivorstands und der Reichstagsfraktion Dieser Zustand endete 1916 als der Parteivorstand Friedrich Stampfer der Redaktion als Kontrolleur zuordnete 9 Stampfer wurde kurz darauf am 9 November 1916 Chefredakteur Hilferding war 1915 zur osterreichisch ungarischen Armee eingezogen worden Diese direkte Einflussnahme des Parteivorstandes auf die inhaltliche Ausrichtung und personelle Zusammensetzung der Redaktion sorgte als Vorwarts Raub fur grosses Aufsehen weit uber Berlin hinaus Brisant war nicht nur dass eine Reihe von kritischen Redakteuren wie Ernst Daumig Ernst Meyer und Heinrich Strobel nun entlassen wurde Hinzu kam noch dass der Militarbefehlshaber von Berlin ebenfalls mitgewirkt hatte In der Folge verlor die Zeitung einen erheblichen Teil ihrer Berliner Leser Am 7 November 1918 gab es sechs Extra Ausgaben Nach Kriegsende vertrat Stampfer einen kampferisch pro parlamentarischen Kurs der Vorwarts unterstutzte die Wahl der verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung und bekampfte die Ziele und Methoden des Spartakusbundes dessen Januaraufstand im Jahr 1919 auch die Redaktions und Verlagsgebaude in der Lindenstrasse drei der jetzt mehrmals taglich erscheinenden Zeitung als Schauplatz hatte Am 10 Januar beschoss das Freikorps Potsdam mit Artillerie das Gebaude und sturmte es dann um die Besetzung durch Kommunisten zu beenden Stampfer blieb mit einer kurzen Unterbrechung aus Protest gegen die Unterzeichnung des Versailler Vertrages Chefredakteur bis 1933 und auch in der anschliessenden Emigrationsphase in Karlsbad Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Vorwarts wie zahlreiche andere Zeitungen verboten Die vorerst letzte Ausgabe erschien am 28 Februar 1933 mit dem Aufmacher Riesenbrand im Reichstag 10 Der Vorwarts im Exil BearbeitenBereits am 18 Juni 1933 gab der ins Prager Exil gefluchtete Parteivorstand unter dem Titel Neuer Vorwarts wieder eine wochentlich erscheinende Zeitung heraus Wegen des wachsenden Drucks der Nationalsozialisten auf die tschechoslowakische Regierung wurde der Sitz der Redaktion 1938 nach Paris verlegt wo der Neue Vorwarts bis zum Einmarsch der deutschen Truppen im Mai 1940 erschien Wiedergrundung BearbeitenAm 11 September 1948 erschien die erste Ausgabe nach dem Krieg jetzt als Neuer Vorwarts Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Hannover und Koln 11 Kurt Schumacher war mitverantwortlicher Redakteur Den bisherigen Titel Vorwarts Berliner Volksblatt hatte seit 1946 eine Wochenzeitung des Organisationsausschusses Gross Berlin der SPD und KPD dann der Gross Berliner SED Bezirksleitung 12 Es gab dazu regionale SPD Zeitungen wie Das Volk in Ost Berlin 1945 1946 und Der Sozialdemokrat in West Berlin 1946 1949 Seit dem 1 Januar 1955 hiess die Zeitung wieder Vorwarts jetzt als Sozialdemokratische Wochenzeitung Der Sitz der Redaktion wurde nach Bonn verlegt Josef Felder wurde Chefredakteur Wandel zur Mitgliederzeitung und zum Monatsblatt fur soziale Demokratie BearbeitenAn die Erfolge der Vorkriegs und Exilzeit konnte der Vorwarts nicht mehr anknupfen Als Folge wurde immer wieder uber eine Konzeptanderung oder sogar Einstellung diskutiert 1976 stellte man auf ein neues Format um 1986 erfolgte ein grundlegender Umbau des Vorwarts zum Magazin Doch auch das geanderte redaktionelle Konzept und der Wechsel zum kleineren Format brachten keinen Aufschwung Am 31 Januar 1989 entschied sich der SPD Parteivorstand den wochentlich erscheinenden Vorwarts aus Kostengrunden einzustellen Doch dessen Redakteure und Mitarbeiter wollten weitermachen 1989 nachdem die Auflage langere Zeit unter 50 000 Exemplare gesunken war kam das Ende der Wochenzeitschrift Der Vorwarts wurde mit dem Sozialdemokrat Magazin zum Mitgliedermagazin verschmolzen und erschien nun monatlich unter dem Titel Vorwarts Sozialdemokratisches Magazin 1994 erfuhr der Vorwarts der als Mitgliedermagazin eine Auflage von uber 800 000 Exemplaren erreichte erneut eine grundlegende Uberarbeitung Das Konzept des Verlagskaufmanns Jens Berendsen und des Journalisten Frank Suplie beide aus Elmshorn sah weiterhin eine monatliche Erscheinungsweise vor jedoch wieder im Zeitungsformat und mit einer moderneren farbigen Aufmachung Das neue Konzept war erfolgreich Die Zahl der Leser stieg innerhalb von drei Jahren von 0 8 auf 1 2 Millionen Leser pro Ausgabe und auch das Anzeigengeschaft nahm zu Frank Suplie leitete den Verlag bis kurz vor seinem todlichen Unfall 2002 In seine Zeit fiel das 125 jahrige Bestehen der Zeitung und er initiierte die Darstellung der Blattgeschichte in Form eines Sonderteils im Vorwarts Seit Januar 2007 war die Zeitung unter Uwe Karsten Heye in neuer Form fur 2 50 Euro wieder an ausgewahlten Kiosken erhaltlich Neben inhaltlichen Erweiterungen insbesondere um einen grossen Kulturteil wurde auch das Layout uberarbeitet So sollte die Zeitung von einem kostenlosen Mitgliedsblatt zu einem offenen Forum auch externer Autoren mit kontroversen Meinungen entwickelt werden Im November 2006 lag die Auflage bei 515 000 Exemplaren Ziel der neuen Strategie war es uber die Mitglieder hinaus neue Leser aus dem Kreis der Sympathisanten und Wahler zu gewinnen Im Februar 2012 lag die Auflage des Vorwarts bei nur noch 455 436 Exemplaren 13 Seit 2015 erscheint das Blatt nur noch sechsmal im Jahr Mit der ersten Ausgabe 2020 ist die Zeitschrift auch als E Paper mit zusatzlichen Informationen Podcasts und Videos erhaltlich 14 Auflage BearbeitenDer Vorwarts hat in den vergangenen Jahren etwa die Halfte der hochsten Auflage erreicht Seit Ende 2019 wird die Auflage nicht mehr der IVW gemeldet Die zuletzt dort registrierte Auflage erreichte 356 070 verkaufte Exemplare 15 Entwicklung der verkauften Auflage 16 Chefredakteure BearbeitenIn der Zeit zwischen dem Tod Liebknechts und dem Eintritt Stampfers gab es offiziell keine personliche sondern kollektive Redaktionsleitung en genannt sind mit Eisner Hilferding und Strobel die de facto leitenden Redakteure 17 Wilhelm Liebknecht 1876 1878 1891 1900 Wilhelm Hasenclever 1876 1878 mit Liebknecht Kurt Eisner 1900 1905 Heinrich Strobel ab 1905 18 Rudolf Hilferding 1907 oder spater 1915 Heinrich Strobel 1915 1916 Friedrich Stampfer 1916 1919 1920 1933 und nach 1933 im Exil Neuer Vorwarts Paul Bader 1919 1920 Curt Geyer 1938 1940 im Exil Neuer Vorwarts Gerhard Gleissberg 1948 1954 Neuer Vorwarts Josef Felder 1955 1957 Horst Flugge 1958 Jesco von Puttkamer 1959 1971 Gerhard E Grundler 1971 1976 Hermann Schueler 1976 kommissarisch 19 Friedhelm Merz 1976 1979 Gunter Walter kommissarisch Zeitraum unklar 20 Gerhard Hirschfeld 1981 1986 Gode Japs 1986 1987 kommissarisch 21 Gunter Verheugen 1987 1989 Ulla Lessmann 1989 1994 Vorwarts Sozialdemokrat Magazin Frank Suplie 1994 2002 Susanne Dohrn 2002 2006 bis 2004 kommissarisch Uwe Karsten Heye 2006 2010 Uwe Knupfer 1 Oktober 2010 bis 31 Dezember 2012 22 Karin Nink seit 1 Januar 2013 Redakteurinnen und Redakteure beim Vorwarts waren unter vielen anderen Georg Gradnauer Rosa Luxemburg acht Wochen lang 23 Ernst Daumig Rudolf Wissell Franz Kluhs Erich Kuttner Friedrich Ebert jun Ernst Reuter Victor Schiff Paul Lobe Paul Hertz Erich Rinner Michael Scholing und Hartmut Urban als freier Mitarbeiter schrieb Kurt Tucholsky Literatur BearbeitenVolker Schulze Vorwarts 1876 1933 In Heinz Dietrich Fischer Hrsg Deutsche Zeitungen des 17 bis 20 Jahrhunderts Verlag Dokumentation Pullach 1972 ISBN 3 7940 3602 6 S 329 348 Hermann Schueler Trotz alledem Der Vorwarts Chronist des anderen Deutschland Berliner vorwarts Verlagsgesellschaft Berlin 2006 ISBN 3 86602 790 7 Jens Scholten Zwischen Markt und Parteirason Die Unternehmensgeschichte des Vorwarts 1948 1989 Veroffentlichungen des Instituts fur soziale Bewegungen Schriftenreihe A Darstellungen Band 40 Bochum 2008 ISBN 978 3 89861 863 2 Axel Weipert Das Rote Berlin Eine Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung 1830 1934 Berliner Wissenschafts Verlag Berlin 2013 ISBN 978 3 8305 3242 2 Andreas Karmers Vorwarts komplette Vertonung der letzten freien Ausgabe des sozialdemokratischen Vorwarts vom 28 Februar 1933 Karmers Hamburg ISBN 978 3 9817439 0 6 Horbuchausgabe Weblinks BearbeitenWebseite des Vorwarts Vorwarts Blog Von der Friedrich Ebert Stiftung Der Vorwarts bis 1933 online Von der Friedrich Ebert Stiftung Vera Rosigkeit Martin Leibrock Vorwarts und nicht vergessen Geschichte des Vorwarts 29 September 2014 125 Jahre vorwarts Sonderteil 2001 Es konnten nur noch die Namensbeitrage von Michael Haller und Erhard Eppler sowie der Text zu Fritz Heine aufgerufen werden Auch das ist inzwischen Geschichte Meinungsfreiheit hat bei uns Hausmacht Memento vom 3 Juni 2006 im Internet Archive PDF Festvortrag von Carlo Schmid zum 90 jahrigen Jubilaum des VorwartsEinzelnachweise Bearbeiten Franz Osterroth Dieter Schuster Chronik der deutschen Sozialdemokratie J H W Dietz Nachf Hannover 1963 S 50 fes de 2 neu bearb und erw Aufl 1975 Friedrich Engels Herrn Eugen Duhring s Umwalzung der Wissenschaft Theo Stammen Gisela Riescher Wilhelm Hofmann Hrsg Hauptwerke der politischen Theorie Kroners Taschenausgabe Band 379 Kroner Stuttgart 1997 ISBN 3 520 37901 5 S 137 140 Franz Osterroth Dieter Schuster Chronik der deutschen Sozialdemokratie J H W Dietz Nachf Hannover 1963 S 76 Der Vorwarts vom 15 November 1902 Seite 3 Hermann Schueler Trotz alledem Der Vorwarts Chronist des anderen Deutschland Berlin 2006 S 263 f Die Skandalwellen erschutterten das Reich Der Kaiser raste denn Krupp spielte eine Hauptrolle in seinen Flottenplanen Mehring warf dem Zentralorgan vor der Vorwarts habe durch seine bloden Sensationen a la Krupp und Kaiserinsel die Partei aufs ausserste blossgestellt Siehe auch Friedrich Alfred Krupp Franz Osterroth Dieter Schuster Chronik der deutschen Sozialdemokratie J H W Dietz Nachfahren Hannover 1963 S 103 William Smaldone Rudolf Hilferding Bonn 2000 Axel Weipert Das Rote Berlin Eine Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung 1830 1934 Berlin 2013 S 128 f Horspiel Vorwarts karmers hamburg com Neuer Vorwarts Zeitschriftendatenbank Vorwarts bis 1958 In Neues Deutschland 5 April 2016 S 18 Mediadaten Memento vom 3 Februar 2013 im Internet Archive Vorwarts laut IVW viertes Quartal 2019 laut IVW jeweils viertes Quartal Details auf ivw de J R Pruss u a 1876 2001 Geschichte schreiben Zukunft gestalten 125 Jahre vorwarts Sonderteil im Vorwarts vom Oktober 2001 Dies ist auch die Quelle fur die aufgelisteten Namen und Zeitraume Im Web ist der Beitrag nicht mehr zugangig Hermann Schueler Trotz alledem Der Vorwarts Chronist des anderen Deutschland Berliner vorwarts Verlagsgesellschaft Berlin 2006 ISBN 3 86602 790 7 S 270 f Hermann Schueler Trotz alledem Der Vorwarts Chronist des anderen Deutschland Berlin 2006 S 555 Hermann Schueler Trotz alledem Der Vorwarts Chronist des anderen Deutschland Berlin 2006 S 556 Hermann Schueler Trotz alledem Der Vorwarts Chronist des anderen Deutschland Berlin 2006 S 557 f vorwaerts de Memento vom 19 Januar 2012 im Internet Archive Hermann Schueler Trotz alledem Der Vorwarts Chronist des anderen Deutschland Berliner vorwarts Verlagsgesellschaft Berlin 2006 ISBN 3 86602 790 7 S 271 Dieser Artikel ist als Audiodatei verfugbar source source Speichern 4 14 min 2 8 MB Text der gesprochenen Version 24 Juni 2005 Mehr Informationen zur gesprochenen Wikipedia Normdaten Werk GND 4188743 8 OGND AKS VIAF 177096105 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Vorwarts Deutschland amp oldid 218793116, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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