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Graf Vincent Benedetti (* 29. April 1817 in Bastia auf Korsika; † 28. März 1900 in Paris) war ein französischer Diplomat. Er wurde besonders bekannt durch die Vorgänge im Zusammenhang mit der Emser Audienz, die im Sommer 1870 zum Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs führten.

Vincent Benedetti
Vincent Benedetti

Inhaltsverzeichnis

Benedetti trat nach dem Studium der Rechte 1840 in den Dienst des französischen Außenministeriums und erhielt einen Posten unter dem Marquis de la Valette, der Generalkonsul in Kairo war. Er verbrachte dort acht Jahre (seit 1845 als Konsul), wurde 1848 Konsul in Palermo und folgte 1851 dem Marquis, der zum französischen Botschafter in Konstantinopel ernannt worden war, als Erster Sekretär.

Während des Krimkriegs war er fünfzehn Monate lang französischer Geschäftsträger. Im zweiten Band seiner Essais diplomatiques gibt er einige Erinnerungen seiner Tätigkeit im Osten wieder, darunter ein Porträt Mehmed Alis und eine (wenig vorteilhafte) Skizze Lord Stratford de Redcliffes, des britischen Botschafters bei der Hohen Pforte. Einen Posten als Gesandter in Teheran lehnte er ab, und so kehrte er 1855 ins Außenministerium nach Paris zurück, wo er als Sekretär 1856 am Pariser Kongress teilnahm. In den folgenden Jahren widmete er sich hauptsächlich italienischen Angelegenheiten, die ihn persönlich sehr interessierten – der italienische Staatsmann Cavour charakterisierte ihn als "Italiener im Geiste". 1861 wurde er erster Gesandter Frankreichs im neuentstandenen Königreich Italien, trat von diesem Posten aber im nächsten Jahr schon wieder zurück, nachdem sein Förderer Édouard Thouvenel in den Ruhestand gegangen war und die anti-italienische Partei in Paris an Einfluss gewonnen hatte. 1864 ging er als Botschafter nach Preußen.

Benedetti blieb bis zum Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 in Berlin. In diese Zeit fallen die Ereignisse, durch die er in die Geschichte der europäischen Diplomatie einging. Seine Stellung war schwierig, denn die eigene Regierung unterrichtete ihn nicht ausreichend über den Kurs der Politik Napoléons III. Als 1866 der Deutsche Krieg zwischen Preußen und dem österreichischen Kaiserreich ausbrach, folgte er dem preußischen Hauptquartier bei seinem Marsch gegen Wien. Er spielte eine entscheidende Rolle bei den Interventionsversuchen Frankreichs und beteiligte sich an der Vermittlung des Vorfriedens von Nikolsburg.

Nach dem Ende des Krieges erhielt er den Auftrag, dem preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck die französischen Forderungen nach einer „Vergütung“ für die Neutralität Frankreichs während des Krieges vorzubringen: das preußische Einverständnis mit der französischen Annexion Belgiens und Luxemburgs. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im August 1866 entwarf er einen Vertrag, in dem Preußen seine Duldung der französischen Machtausdehnung zusagte. Der Vertrag wurde nie geschlossen, aber der Entwurf, in Benedettis Handschrift, verblieb in Bismarcks Besitz und wurde wenige Tage nach dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs, am 25. Juli 1870, zum Schaden der französischen Diplomatie in der Londoner Zeitung The Times veröffentlicht.

Während des Jahres 1867 beschäftigte sich Benedetti ausführlich mit dem französischen Versuch, das Herzogtum Luxemburg von den Niederlanden zu erwerben. Dieser führte zur sogenannten Luxemburgkrise. Deutsche Nationalisten entrüsteten sich über diese Absicht, und Preußen schien geneigt, Frankreich darüber den Krieg zu erklären. Der Plan wurde aber durch den Londoner Vertrag von 1867 vereitelt, in dem Luxemburgs Unabhängigkeit von den europäischen Großmächten bestätigt und garantiert wurde.

Als im Juli 1870 die Kandidatur eines preußischen Prinzen für den spanischen Thron bekannt wurde, instruierte der französische Außenminister Gramont Benedetti, König Wilhelm I. von Preußen die Forderung Frankreichs nach einem immerwährenden Verzicht des Hauses Hohenzollern auf den spanischen Thron zu überbringen. Der König hielt sich in Bad Ems auf, und Benedetti suchte ihn am 13. Juli zu einem informellen Gespräch auf der Kurpromenade auf; der König weigerte sich aber, die geforderte Erklärung abzugeben. Die Ereignisse dieses Tages wurden Bismarck in der Emser Depesche mitgeteilt. Bismarck gab seine eigene Version der Vorgänge an die Öffentlichkeit, und die brüskierende Art der Darstellung wurde zum Stein des Anstoßes für den Deutsch-Französischen Krieg, der für Frankreich katastrophal endete. Benedettis Vorgehensweise als Botschafter war heftigen Angriffen ausgesetzt, und der Außenminister Gramont versuchte, ihm das Versagen der französischen Diplomatie anzulasten.

Benedetti reagierte auf diese Anschuldigungen mit seinem Buch Ma Mission en Prusse, das bis heute zu den maßgeblichen Studien der Bismarckschen Diplomatie gezählt werden darf. Er verteidigt sich darin erfolgreich und zeigt, dass er seine Regierung stets zureichend informierte; er hatte sogar ein Jahr im Voraus vor der Kandidatur der Hohenzollern gewarnt. Auch wenn Bismarck ihn in der Angelegenheit des Vertragsentwurfs von 1866 überlistete, ging die Politik, auf welcher der Vertrag beruhte, nicht auf Benedetti, sondern auf Édouard Drouyn de Lhuys zurück. Der Gedanke von der Aneignung Walloniens und Belgiens war ihm zuerst von Bismarck vorgeschlagen worden, und dass Bismarck den Vertragsentwurf letztlich zur Unterminierung des französischen Ansehens einsetzen würde, konnte er nicht voraussehen.

Nach dem Untergang des Kaiserreiches zog sich Benedetti nach Korsika zurück. Er erlebte noch, wie seine Darstellung von späteren Veröffentlichungen, die mehr Licht in die geheime Geschichte der Diplomatie brachten, bestätigt wurde. 1895 veröffentlichte er den ersten Band seiner Essais diplomatiques, der einen vollständigen Bericht über seine Reise nach Bad Ems enthält, den er bereits 1873 niedergeschrieben hatte; 1897 ließ er einen zweiten Band folgen, der die Folgen des Zerfalls des Osmanischen Reichs behandelt. Er starb am 28. März 1900 bei einem Besuch in Paris.

  • Vincent Benedetti: Ma mission en Prusse. 2. Ausgabe. Plon, Paris 1871. Internet Archive
Commons: Vincent Benedetti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Personendaten
NAME Benedetti, Vincent
KURZBESCHREIBUNG französischer Diplomat
GEBURTSDATUM 29. April 1817
GEBURTSORT Bastia auf Korsika
STERBEDATUM 28. März 1900
STERBEORT Paris

Vincent Benedetti franzosischer Diplomat Sprache Beobachten Bearbeiten Weitergeleitet von Vincent Graf Benedetti Graf Vincent Benedetti 29 April 1817 in Bastia auf Korsika 28 Marz 1900 in Paris war ein franzosischer Diplomat Er wurde besonders bekannt durch die Vorgange im Zusammenhang mit der Emser Audienz die im Sommer 1870 zum Ausbruch des Deutsch Franzosischen Kriegs fuhrten Vincent Benedetti Vincent Benedetti Inhaltsverzeichnis 1 Fruhe Karriere 2 Als Botschafter in Preussen 3 Weiteres Leben 4 Werke 5 WeblinksFruhe Karriere BearbeitenBenedetti trat nach dem Studium der Rechte 1840 in den Dienst des franzosischen Aussenministeriums und erhielt einen Posten unter dem Marquis de la Valette der Generalkonsul in Kairo war Er verbrachte dort acht Jahre seit 1845 als Konsul wurde 1848 Konsul in Palermo und folgte 1851 dem Marquis der zum franzosischen Botschafter in Konstantinopel ernannt worden war als Erster Sekretar Wahrend des Krimkriegs war er funfzehn Monate lang franzosischer Geschaftstrager Im zweiten Band seiner Essais diplomatiques gibt er einige Erinnerungen seiner Tatigkeit im Osten wieder darunter ein Portrat Mehmed Alis und eine wenig vorteilhafte Skizze Lord Stratford de Redcliffes des britischen Botschafters bei der Hohen Pforte Einen Posten als Gesandter in Teheran lehnte er ab und so kehrte er 1855 ins Aussenministerium nach Paris zuruck wo er als Sekretar 1856 am Pariser Kongress teilnahm In den folgenden Jahren widmete er sich hauptsachlich italienischen Angelegenheiten die ihn personlich sehr interessierten der italienische Staatsmann Cavour charakterisierte ihn als Italiener im Geiste 1861 wurde er erster Gesandter Frankreichs im neuentstandenen Konigreich Italien trat von diesem Posten aber im nachsten Jahr schon wieder zuruck nachdem sein Forderer Edouard Thouvenel in den Ruhestand gegangen war und die anti italienische Partei in Paris an Einfluss gewonnen hatte 1864 ging er als Botschafter nach Preussen Als Botschafter in Preussen BearbeitenBenedetti blieb bis zum Ausbruch des Deutsch Franzosischen Kriegs 1870 in Berlin In diese Zeit fallen die Ereignisse durch die er in die Geschichte der europaischen Diplomatie einging Seine Stellung war schwierig denn die eigene Regierung unterrichtete ihn nicht ausreichend uber den Kurs der Politik Napoleons III Als 1866 der Deutsche Krieg zwischen Preussen und dem osterreichischen Kaiserreich ausbrach folgte er dem preussischen Hauptquartier bei seinem Marsch gegen Wien Er spielte eine entscheidende Rolle bei den Interventionsversuchen Frankreichs und beteiligte sich an der Vermittlung des Vorfriedens von Nikolsburg Nach dem Ende des Krieges erhielt er den Auftrag dem preussischen Ministerprasidenten Otto von Bismarck die franzosischen Forderungen nach einer Vergutung fur die Neutralitat Frankreichs wahrend des Krieges vorzubringen das preussische Einverstandnis mit der franzosischen Annexion Belgiens und Luxemburgs Nach seiner Ruckkehr nach Berlin im August 1866 entwarf er einen Vertrag in dem Preussen seine Duldung der franzosischen Machtausdehnung zusagte Der Vertrag wurde nie geschlossen aber der Entwurf in Benedettis Handschrift verblieb in Bismarcks Besitz und wurde wenige Tage nach dem Ausbruch des Deutsch Franzosischen Kriegs am 25 Juli 1870 zum Schaden der franzosischen Diplomatie in der Londoner Zeitung The Times veroffentlicht Wahrend des Jahres 1867 beschaftigte sich Benedetti ausfuhrlich mit dem franzosischen Versuch das Herzogtum Luxemburg von den Niederlanden zu erwerben Dieser fuhrte zur sogenannten Luxemburgkrise Deutsche Nationalisten entrusteten sich uber diese Absicht und Preussen schien geneigt Frankreich daruber den Krieg zu erklaren Der Plan wurde aber durch den Londoner Vertrag von 1867 vereitelt in dem Luxemburgs Unabhangigkeit von den europaischen Grossmachten bestatigt und garantiert wurde Als im Juli 1870 die Kandidatur eines preussischen Prinzen fur den spanischen Thron bekannt wurde instruierte der franzosische Aussenminister Gramont Benedetti Konig Wilhelm I von Preussen die Forderung Frankreichs nach einem immerwahrenden Verzicht des Hauses Hohenzollern auf den spanischen Thron zu uberbringen Der Konig hielt sich in Bad Ems auf und Benedetti suchte ihn am 13 Juli zu einem informellen Gesprach auf der Kurpromenade auf der Konig weigerte sich aber die geforderte Erklarung abzugeben Die Ereignisse dieses Tages wurden Bismarck in der Emser Depesche mitgeteilt Bismarck gab seine eigene Version der Vorgange an die Offentlichkeit und die bruskierende Art der Darstellung wurde zum Stein des Anstosses fur den Deutsch Franzosischen Krieg der fur Frankreich katastrophal endete Benedettis Vorgehensweise als Botschafter war heftigen Angriffen ausgesetzt und der Aussenminister Gramont versuchte ihm das Versagen der franzosischen Diplomatie anzulasten Benedetti reagierte auf diese Anschuldigungen mit seinem Buch Ma Mission en Prusse das bis heute zu den massgeblichen Studien der Bismarckschen Diplomatie gezahlt werden darf Er verteidigt sich darin erfolgreich und zeigt dass er seine Regierung stets zureichend informierte er hatte sogar ein Jahr im Voraus vor der Kandidatur der Hohenzollern gewarnt Auch wenn Bismarck ihn in der Angelegenheit des Vertragsentwurfs von 1866 uberlistete ging die Politik auf welcher der Vertrag beruhte nicht auf Benedetti sondern auf Edouard Drouyn de Lhuys zuruck Der Gedanke von der Aneignung Walloniens und Belgiens war ihm zuerst von Bismarck vorgeschlagen worden und dass Bismarck den Vertragsentwurf letztlich zur Unterminierung des franzosischen Ansehens einsetzen wurde konnte er nicht voraussehen Weiteres Leben BearbeitenNach dem Untergang des Kaiserreiches zog sich Benedetti nach Korsika zuruck Er erlebte noch wie seine Darstellung von spateren Veroffentlichungen die mehr Licht in die geheime Geschichte der Diplomatie brachten bestatigt wurde 1895 veroffentlichte er den ersten Band seiner Essais diplomatiques der einen vollstandigen Bericht uber seine Reise nach Bad Ems enthalt den er bereits 1873 niedergeschrieben hatte 1897 liess er einen zweiten Band folgen der die Folgen des Zerfalls des Osmanischen Reichs behandelt Er starb am 28 Marz 1900 bei einem Besuch in Paris Werke BearbeitenVincent Benedetti Ma mission en Prusse 2 Ausgabe Plon Paris 1871 Internet ArchiveWeblinks Bearbeiten Commons Vincent Benedetti Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien VorgangerAmtNachfolger Franzosischer Gesandter in Turin 1861 1862 Charles de Talleyrand PerigordFranzosischer Gesandter in Berlin 1864 1870 siehe Deutsches ReichNormdaten Person GND 11865814X OGND AKS VIAF 10026659 Wikipedia Personensuche PersonendatenNAME Benedetti VincentKURZBESCHREIBUNG franzosischer DiplomatGEBURTSDATUM 29 April 1817GEBURTSORT Bastia auf KorsikaSTERBEDATUM 28 Marz 1900STERBEORT Paris Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Vincent Benedetti amp oldid 211543702, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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