fbpx
Wikipedia

Die Vierte Französische Republik (französischQuatrième République française) war die Staatsform Frankreichs zwischen dem 27. Oktober 1946 und dem 4. Oktober 1958 (dem Tag, an dem die im Auftrag von General Charles de Gaulle ausgearbeitete Verfassung der V. Republik in Kraft trat). Die IV. Republik entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Das vom nationalsozialistischen Deutschland abhängige Vichy-Regime war 1944 bedeutungslos geworden; de Gaulle hatte am 3. Juni 1944 die Provisorische Regierung der Französischen Republik gegründet und war am 13. November 1945 von der Nationalversammlung zum Ministerpräsidenten gewählt worden.

Herausragende Politiker der IV. Republik waren – neben den beiden Staatspräsidenten Vincent Auriol (1947–1954) und René Coty (1954–1959) – die Ministerpräsidenten Pierre Mendès France (1907–1982), Henri Queuille (1884–1970), Antoine Pinay (1891–1994), Guy Mollet (1905–1975), René Pleven (1901–1993), Robert Schuman (1886–1963) und Georges Bidault (1899–1983). Es war ein parlamentarisches Regierungssystem mit dominierender Stellung der Legislative, das infolge der Parteienzersplitterung durch extreme politische Instabilität gekennzeichnet war: In elf Jahren gab es 25 Regierungen. Obwohl auf wirtschaftlichem Gebiet durchaus erfolgreich, scheiterte die IV. Republik letztlich an den verlustreichen Dekolonialisierungskonflikten in Indochina und Nordafrika. Der Algerienkrieg und ein drohender Militärputsch besiegelten ihr Schicksal und ermöglichten die Rückkehr de Gaulles an die Macht.

Inhaltsverzeichnis

Im Zuge der Befreiung Frankreichs von der deutschen Besetzung hatte eine Provisorische Regierung unter General Charles de Gaulle mit Unterstützung der Alliierten die Macht übernommen, die bis zur Wiederherstellung einer demokratisch legitimierten politischen Ordnung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs amtieren sollte. Faktisch bezog diese Regierung (Gouvernement provisoire) ihre Legitimität aus der Einbeziehung aller nicht durch die Kollaboration kompromittierten politischen Kräfte, die im Exil oder in der Résistance gegen die Besatzung und das kollaborationistische Vichy-Regime von Marschall Philippe Pétain gekämpft hatten. In einem Plebiszit am 5. Mai 1946 entschied sich die Mehrheit der abstimmenden Franzosen, erstmals inklusive der Frauen, gegen die Wiederherstellung der Institutionen der Dritten Republik (1870–1940). General de Gaulle, der seine Vorstellungen hinsichtlich der staatlichen Neugestaltung nicht durchzusetzen vermochte, trat 1946 als provisorischer Staats- und Regierungschef zurück und sagte der „Parteienherrschaft“ den Kampf an. Die neue Verfassung – ein erster Entwurf wurde in einer Volksabstimmung verworfen, der zweite nur mit knapper Mehrheit gebilligt – basierte auf einem Kompromiss zwischen den drei stärksten Parteien, Kommunisten (PCF), Sozialisten (SFIO) und christlich-demokratischem MRP (Mouvement républicain populaire). Die Macht war beim Parlament bzw. dessen erster Kammer, der Nationalversammlung (Assemblée nationale), konzentriert. Die wechselnden Allianzen erschwerten die Bildung handlungsfähiger Regierungen. Die Kommunisten befanden sich nach ihrer Verdrängung aus der Regierung wegen des Kalten Kriegs 1947 in „Quarantäne“; die oppositionellen Gaullisten und die rechtspopulistischen Poujadisten bekämpften von Anfang an das Institutionengefüge als solches. General de Gaulle propagierte eine Stärkung der Exekutivgewalt unter einem mit umfangreichen Vollmachten ausgestatteten Staatsoberhaupt, wie dies in der V. Republik dann später realisiert wurde.

Die Entscheidung für eine neue Verfassung

Ergebnisse des Referendums vom 21. Oktober 1945
Wahlberechtigte 25.717.551
Enthaltungen 4.968.578 20,1 % der Stimmberechtigten
1. Frage
Abgegebene Stimmen 19.283.882 74,97 % der Wahlberechtigten
Ja 18.584.746 96,37 % der abgegebenen Stimmen
Nein 699.136 3,63 % der abgegebenen Stimmen
2. Frage
Abgegebene Stimmen 19.244.419 74,82 % der Wahlberechtigten
Ja 12.795.213 66,48 % der abgegebenen Stimmen
Nein 6.449.206 33,52 % der abgegebenen Stimmen

Zusammen mit den ersten Parlamentswahlen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde erstmals seit den Plebisziten des Zweiten Kaiserreichs ein Referendum über die zukünftige politische Ordnung durchgeführt. Dabei wurden den Wählern – darunter erstmals auch Frauen – zwei Fragen vorgelegt, nämlich erstens, ob die gewählte Versammlung eine neue Verfassung ausarbeiten sollte, und zweitens, ob das Mandat dieser Versammlung auf sieben Monate, die zur Ausarbeitung einer Verfassung für notwendig erachtet wurden, begrenzt werden sollte.

Mit Ausnahme der Führung der Radikalen Partei sprachen sich alle politischen Kräfte für eine neue Verfassung aus; das Abstimmungsergebnis drückt deutlich aus, wie stark auch in der Wählerschaft der Wunsch nach einer Neuordnung der politischen Institutionen war. Dies bedeutete zugleich eine eindeutige Ablehnung einer Rückkehr zur Verfassung der III. Republik, die übrigens auch von einer Mehrheit der Wählerschaft der Radikalen geteilt wurde.

Die erste Verfassunggebende Nationalversammlung und der erste Verfassungsentwurf

Ergebnisse der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung vom 21. Oktober 1945
Stimmen in % Mandate
Wahlberechtigte 24.680.981
Enthaltungen 4.965.256 20,1 %
PCF und Verbündete 5.024.174 26,12 % 159
SFIO und Verbündete 4.491.152 23,35 % 146
Radikale und UDSR 2.018.665 10,49 % Rad.: 29
UDSR: 31
MRP 4.580.222 23,81 % 150
Modérés
(Gemäßigte Rechte)
3.001.063 15,60 % 64
Sonstige 41.352 n. a. 7
  1. nur Métropole
  2. insgesamt 586, einschließlich 64 Abgeordneten der Überseegebiete
  3. in Prozent der Wahlberechtigten
  4. fraktionslose Abgeordnete

In der am 21. Oktober 1945 gewählten Nationalversammlung, die gemäß dem Ausgang des Referendums eine verfassunggebende Versammlung war, hatten Kommunisten (PCF) und Sozialisten (SFIO) eine Mehrheit. Die Versammlung bestätigte einstimmig die Provisorische Regierung von General de Gaulle im Amt.

Maßgeblich an der Diskussion über die Verfassung der IV. Republik beteiligt waren die großen Parteien sowie Charles de Gaulle. Zwischen den Parteien bestand Einigkeit über ein parlamentarisches Regierungssystem. Allerdings sprachen sich Kommunisten und Sozialisten für ein Einkammerparlament aus, von dem alle anderen Institutionen abhängig sein sollten, während der MRP ein Zweikammerparlament und eine stärkere Exekutive bevorzugte.

Die sich anhand der hierin übereinstimmenden Positionen von PCF, SFIO und MRP abzeichnende Entscheidung für ein parlamentarisches Regierungssystem (und damit gegen ein präsidentielles Regierungssystem) ist einer der Gründe für den Rücktritt de Gaulles vom Amt des Präsidenten der Provisorischen Regierung am 20. Januar 1946.

Der erste Verfassungsentwurf, der am 19. April 1946 mit den Stimmen der kommunistisch-sozialistischen Mehrheit von der Verfassunggebenden Nationalversammlung verabschiedet wurde, sah de facto ein Einkammerparlament vor, das die Regierung und auch den Staatspräsidenten wählen sollte. Daneben sollte ein Conseil de l’Union française mit ausschließlich beratender Funktion zur Vertretung der Überseegebiete eingerichtet werden. Den Bestimmungen über die Institutionen wurde ein Grundrechtekatalog mit 39 Artikeln vorangestellt, der bürgerliche, politische, wirtschaftliche und soziale Rechte umfasste.

Dieser Verfassungsentwurf wurde am 5. Mai 1946 in einem Referendum zur Abstimmung gestellt. Während insbesondere die Kommunisten und (weitaus verhaltener) die Sozialisten für die Zustimmung warben, sprach sich der MRP aufgrund der zu starken Stellung der Nationalversammlung und des Fehlens institutioneller Gegengewichte gegen den Entwurf aus. De Gaulle, dessen Ablehnung bekannt war, äußerte sich nicht öffentlich.

53 Prozent der Wähler lehnten den Entwurf ab (bei einer Wahlbeteiligung von 80,7 %), so dass eine zweite Verfassunggebende Nationalversammlung gewählt wurde, die erneut den Auftrag erhielt, innerhalb von sieben Monaten eine Verfassung auszuarbeiten, die wiederum zur Abstimmung gestellt werden sollte. Dies führte auch zur Verlängerung der vorläufigen politischen Ordnung der Provisorischen Regierung.

Die zweite Verfassunggebende Nationalversammlung und die Verfassung von 1946

Ergebnisse der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung vom 2. Juni 1946
Stimmen in % Mandate
Wahlberechtigte 24.696.949
Enthaltungen 4.481.749 18,1 %
Leere und ungültige 409.870 1,6 %
PCF und Verbündete 5.145.325 25,9 % 153
SFIO und Verbündete 4.187.747 21,1 % 128
RGR 2.299.963 11,6 % 52
MRP und Verbündete 5.589.213 28,2 % 166
Modérés
(Gemäßigte Rechte)
2.538.167 12,8 % 67
UDMA n. a. n. a. 11
Sonstige 44.915 0,1 % 7
  1. nur Métropole
  2. 586, einschließlich 64 Abgeordneten der Überseegebiete
  3. in Prozent der Wahlberechtigten
  4. RGR (Rassemblement des gauches républicaines) = Radikale und UDSR
  5. UDMA (Union démocratique du manifeste algérien) war eine Gruppierung um Ferhat Abbas, die sich für die Unabhängigkeit Algeriens einsetzte
  6. fraktionslose Abgeordnete

Am 2. Juni 1946 wurde eine neue Verfassunggebende Nationalversammlung gewählt, in der sich die Mehrheitsverhältnisse zugunsten des MRP verschoben. Die Provisorische Regierung wurde zwar weiterhin von MRP, PCF und SFIO getragen, allerdings unter der Führung von Georges Bidault (MRP).

Am 16. Juni 1946 hielt de Gaulle in Bayeux anlässlich des zweiten Jahrestages ihrer Befreiung (als erste Stadt Frankreichs) eine berühmte Rede, in der er seine Vorstellungen von einem zukünftigen politischen System Frankreichs darlegte, die er 1958 in der Verfassung der V. Republik verwirklichen sollte. Dabei handelte es sich um ein Präsidialsystem, bei dem die politische Macht der Regierung dem Zugriff der Parteien so weit wie möglich entzogen werden sollte.

Trotz der leicht veränderten Mehrheitsverhältnisse und der heftigen öffentlichen Kritik de Gaulles sah jedoch auch der zweite Verfassungsentwurf, den die Verfassunggebende Nationalversammlung am 29. September 1946 annahm, ein parlamentarisches Regierungssystem vor, in dem die Nationalversammlung klar die Vorrangstellung gegenüber der zweiten Kammer, dem Conseil de la République erhielt. Die Wahl zum Staatspräsidenten erfolgte jedoch durch beide Kammern gemeinsam.

Beiden Entwürfen gemeinsam war die schwache Position der Exekutive: Die Nationalversammlung wählte auf Vorschlag des Staatspräsidenten den Ministerpräsidenten, der sich dann mit seinem Kabinett und einem Regierungsprogramm erneut einer Vertrauensabstimmung stellen musste. Diese doppelte Investitur wurde 1954 durch eine Verfassungsänderung abgeschafft, nachdem mehrfach designierte Ministerpräsidenten bereits bei der zweiten Vertrauensabstimmung gescheitert waren.

Anstatt eines umfassenden Grundrechtekatalogs in Form verbindlicher Verfassungsartikel sah der zweite Verfassungsentwurf lediglich eine Präambel vor, in der die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 bekräftigt und um die Gleichberechtigung der Frau, das Asylrecht und wirtschaftliche und soziale Rechte ergänzt wurde. Diese Präambel von 1946 wurde jedoch durch die Präambel der Verfassung der V. Republik bekräftigt; infolge der Rechtsprechung des Conseil constitutionnel stellt sie heute geltendes Verfassungsrecht dar.

Mit der Einführung einer zweiten Kammer stellte die Verfassung einen Kompromiss zwischen PCF, SFIO und MRP dar. Während die Führungen der großen Parteien für die Zustimmung zu der Verfassung warben, sprach sich Charles de Gaulle klar dagegen aus („Franchement non!“), weil sie Frankreich weder einen Präsidenten noch eine Regierung gebe, die diesen Namen verdiene. Kernpunkt der Kritik de Gaulles war die fehlende Handlungsfähigkeit der Exekutive in der Außen- und Verteidigungspolitik.

Die Verfassung der IV. Republik wurde am 13. Oktober 1946 in einem Referendum mit 53,5 % der abgegebenen Stimmen angenommen. Jedoch blieben 31,2 % der Wahlberechtigten der Abstimmung fern, so dass de Gaulles Einschätzung nahezu zutrifft, dass ein Drittel der Franzosen die Verfassung abgelehnt habe, ein Drittel habe sich enthalten und nur ein Drittel habe zugestimmt.

Am 27. Oktober 1946 trat die Verfassung in Kraft. Am 10. November erfolgten die Wahlen zur Nationalversammlung; bei dieser erhielt wieder die kommunistische Partei Frankreichs die meisten Stimmen. Die Mitglieder des Conseil de la République wurden am 8. Dezember gewählt. Beide Kammern versammelten sich am 16. Januar 1947 in Versailles zur Wahl des Sozialisten Vincent Auriol zum ersten Präsidenten der IV. Republik. Erst danach konnte der Prozess der Regierungsbildung abgeschlossen werden, weil der Präsident den Ministerpräsidenten formell vorschlagen musste.

Aus diesem Grund amtierte vom 16. Dezember 1946 bis 16. Januar 1947 eine letzte Provisorische Regierung, ein rein sozialistisches Minderheitskabinett unter Léon Blum.

Der neu gewählte Präsident schlug als Ministerpräsidenten Paul Ramadier (SFIO) vor, der am 21. Januar 1947 gewählt wurde und eine (Fast-)Allparteienregierung aus SFIO, PCF, MRP, Radikalen, UDSR und gemäßigten Rechten bildete. Diese stellte sich am 28. Januar 1947 mit Erfolg der Vertrauensabstimmung in der Nationalversammlung; damit war der institutionelle Aufbau der IV. Republik abgeschlossen.

Schematische Darstellung der Verfassungsorgane der Vierten Republik

Ähnlich wie in der III. Republik, als deren konstitutioneller Nachfolger die IV. Republik gelten kann, war die Macht des Parlaments, von dessen Unterstützung die Regierung abhängig war, sehr stark. Der Präsident wurde vom Parlament in gemeinsamer Sitzung beider Kammern für sieben Jahre gewählt. Im Unterschied zur III. Republik hatte jedoch die erste Parlamentskammer, die Nationalversammlung, gegenüber der zweiten Kammer, dem Conseil de la République, eine klare Vorrangstellung. Im Gesetzgebungsverfahren kam Letzterer nur eine beratende Funktion zu, die Nationalversammlung war an ihr Votum nicht gebunden.

Krisen der IV. Republik

Durch ein breit gefächertes politisches Spektrum und tiefe ideologische Grenzen war es insbesondere unter Berücksichtigung des geltenden Verhältniswahlrechts schwer, zu stabilen Regierungsmehrheiten zu finden. Die Regierungen der Vierten Republik stützten sich in der Regel auf Koalitionen aus mehreren Parteien. Dabei war jedoch, ab 1947, die in allen Wahlen stärkste Partei, die PCF, an keiner Regierung mehr beteiligt. Unter diesen Umständen fanden sich leicht Mehrheiten für den Sturz einer Regierung, umso schwerer war dagegen die Regierungsbildung.

Tatsächlich war die Vierte Republik durch eine große Zahl von Regierungswechseln gekennzeichnet. Die durchschnittliche Amtszeit betrug nur rund sechs Monate.

Krisen, die die Schwäche der politischen Institutionen verdeutlichten, waren neben den häufigen Regierungskrisen insbesondere:

  • Politische Streiks im Herbst 1947, die sich aus Arbeitskämpfen für höhere Löhne entwickelt hatten. Die kommunistischen Gewerkschaft CGT rief zu massenhaften Arbeitsniederlegungen auf, um einen Beitritt Frankreichs zum Marshall-Plan und damit zum westlichen Lager unter Führung der USA zu verhindern. Die PCF schied daraufhin aus dem Regierungsbündnis aus, der Streik wurde gewaltsam niedergeschlagen.
  • die Auseinandersetzung um die Europäische Verteidigungsgemeinschaft, die die politische Debatte von 1952–1954 dominierte und zum Auseinanderbrechen mehrerer Regierungen führte;
  • die Wahl des Staatspräsidenten René Coty, zu der im Dezember 1953 13 Wahlgänge erforderlich waren;
  • die militärischen Herausforderungen zunächst im Indochinakrieg, der 1954 mit der Niederlage Frankreichs und der Unabhängigkeit von Vietnam (damals Nord- und Südvietnam), Laos und Kambodscha endete, dann im Algerienkrieg, der schließlich zum Scheitern der Vierten Republik führte.

Das Ende der IV. Republik

Angesichts der Vielzahl der Konfliktlinien und der Unlösbarkeit der Algerienkrise gelang es 1957/58 nicht mehr, stabile Regierungen zu bilden. Die aufeinanderfolgenden Regierungen von Maurice Bourgès-Maunoury und Félix Gaillard verloren zudem zunehmend die Kontrolle über die Armee. Ein Übergriff der Armee auf das seit 1956 unabhängige Tunesien führte zum Sturz der Regierung Gaillard am 15. April 1958, für den einen Monat lang kein Nachfolger gefunden werden konnte. Noch während am 13. Mai 1958 über die Wahl des Christdemokraten Pierre Pflimlin zum Ministerpräsidenten beraten wurde, übernahm in Algier ein „Wohlfahrtsausschuss“ des Militärs unter Führung von General Jacques Massu die Macht. Unter dem Eindruck des Putsch d’Alger (1958) und der Opération Résurrection gelang zwar die Einsetzung einer neuen Regierung in Paris; die politische Lage blieb jedoch instabil.

Am 15. Mai 1958 ließ Charles de Gaulle, der sich mehrere Jahre zuvor nach der Niederlage und Auflösung seiner Partei RPF (Rassemblement du Peuple francais) aus dem politischen Leben auf seinen Landsitz in Colombey-les-Deux-Églises zurückgezogen hatte, verlautbaren, er sei angesichts der Staatskrise „bereit, die Macht in der Republik zu übernehmen“. In einer Botschaft an die Nationalversammlung gab daraufhin Staatspräsident Coty bekannt, dass er sich an de Gaulle wende und ihn ersuche, eine neue Regierung zu bilden. Coty drohte zugleich mit seinem Rücktritt, sollte das Parlament diesen Plan zu Fall bringen. De Gaulle wurde am 1. Juni 1958 zum Ministerpräsidenten einer Regierung unter Beteiligung aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten gewählt. Drei Ex-Regierungschefs – Pinay, Mollet und Pflimlin – gehörten dem Kabinett an. Am 2. Juni wurden ihm durch ein Verfassungsgesetz außerordentliche Vollmachten in Exekutive und Legislative, einschließlich des Auftrags zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung innerhalb von sechs Monaten, übertragen. Die Nationalversammlung vertagte sich anschließend auf unbestimmte Zeit.

Die neue Verfassung wurde nach den Vorstellungen de Gaulles unter Beteiligung eines Beratenden Verfassungskomitees unter der Führung des de Gaulle-Vertrauten Michel Debré ausgearbeitet und am 28. September 1958 von 79,25 % der Wähler angenommen (bei einer Wahlbeteiligung von 83,3 %). Am 4. Oktober wurde die neue Verfassung verkündet. Damit war die IV. Republik auch offiziell beendet und die V. Republik gegründet.

Die IV. Republik stand vor mehreren Herausforderungen

  • Die Kriesgschäden reparieren
  • Die Wirtschaft in Gang bringen
  • Das politische System reformieren
  • Das Erbe von Vichy und der Collaboration verwalten

Viele Weichenstellungen erfolgten bereits 1945 und wurden unter der IV. Republik präzisiert und durchgeführt.

Wohnungsbau

Der Wohnungsbestand war schon vor dem Krieg veraltet: 1946 waren 48 % aller Wohnungen ohne fließend Wasser, 80 % hatten keine Innentoilette, 90 % hatten weder Dusche noch Bad. Der Wiederaufbau erfolgte oft durch eine moderne Neubebauung. Das vollständig zerstörte Le Havre wurde von Auguste Perret von 1945 bis 1964 als moderne Stadt wiederaufgebaut, heute Weltkulturerbe. St. Dié, welches auch vollständig zerstört war, wurde 1950 bis 1960 unter Mitwirkung von Le Corbusier von André Wogenscky wiederaufgebaut. Charles-Gustave Stoskopf baute mehrere Großsiedlungen: Strasbourg ab 1952, in Mont-Mesly-Viertel in Créteil ab 1955. Saint-Malo z. B. wurden im historischen Stil wiederaufgebaut (1945–1971).

Infrastruktur und Wirtschaft

Mehr als 1000 Brücken, 20.000 km Bahnstrecken und das gesamte Straßennetz waren zerstört. Die großen öffentlichen Unternehmen wie SNCF (Eisenbahn), EDF (Elektrizität) und GDF (Gas) spielten beim Wiederaufbau eine wichtige Rolle. Auch das Kanalnetz wurde schnell in Stand gesetzt, um die Kohleversorgung zu verbessern. Wichtige Betriebe wurde nationalisiert, z. B. die Kohle- und Eisenminen, oder Renault (1945), die Flugzeugindustrie SNECMA und Air France. Ebenso öffentliche Verkehrsmittel wie die RATP (Metro Paris). Schließlich wurden auch die großen Banken nationalisiert: Crédit Lyonnais, Société Générale und andere. Der Staat wurde zum Hauptakteur der Wirtschaft.

Die Automobilindustrie entwickelte neue Modelle für den Massenmarkt: Renault den 4 CV 1946, Citröen den 2 CV 1948. 1947/48 erschütterte eine Wirtschaftskrise das Land, Nahrungsmittel wurden knapp, die Inflation stieg, der Franc wurde abgewertet. In diesem Jahr begannen die Hilfen des Marshall-Plans zu fließen, die ab 1947 bis 1950 ca. 2,5 Milliarden Dollar betrugen und hauptsächlich in die Infrastruktur und die großen staatlichen Unternehmen investiert wurden. Moderne Technologien und Management Methoden wurden aus den USA übernommen. Diese „Amerikanisierung“ wurde nicht von allen begrüßt, die Nationalversammlung verbot 1950 Coca-Cola, das Verbot wurde von der zweiten Kammer (Conseil de la République) wieder aufgehoben. 1949 kamen liberal-konservative Regierungen ins Amt, die mit klassischen Mitteln die Krise bekämpften: Freigabe der Preise, Streichung von Subventionen, Abwertung des Franc. Diese Reformen waren erfolgreich, die Wirtschaftsleistung erreichte wieder Vorkriegsniveau, das Nationalprodukt wuchs um 22 % zwischen 1948 und 1950, die jährliche Steigerung danach betrug 4,5 %. In der französischen Presse erschienen neue Titel: Paris Match, Elle, L'Express, L'Observateur. Die Haute Couture, speziell Dior und Balmain, wurden wieder weltweit führend mit dem „New Look“. 1952 gelang es nicht, ein Budget zu verabschieden, Antoine Pinay wurde Regierungschef und versuchte über Anleihen das Defizit zu finanzieren und durch Appelle Preissenkungen zu erreichen, dies war teilweise erfolgreich. Nach dem Sturz der Regierung kam es 1952/53 zu einer Rezession. Ab 1954 begann ein Wirtschaftszyklus mit starkem Wachstum, der später den Namen Trente Glorieuses (Die dreißig Glorreichen) erhielt. Die französische Industrie war auf vielen Gebieten innovativ: das Düsenflugzeug Caravelle, Marcel Dassault entwickelte die Düsenjäger Mystère und Mirage, das Commissariat à l'Énergie Atomique forschte an der zivilen und militärischen Nutzung der Atomenergie. Menschen, die sich durch die schnellen Veränderungen überfordert fühlten, vereinten sich zur Poujadismus Bewegung. Der Staat beginnt mit der Dezentralisierung, die Konzentration auf Paris sollte abgelöst werden durch eine bessere Verteilung von Menschen und Industrie auf ganz Frankreich.

Sozialpolitik

Ab 1945 wurden Sozialversicherungen eingeführt: Krankheit, Alter, Invalidität und Berufsunfähigkeit. Man entschied sich für ein System, in dem Arbeiter und Arbeitgeber die Kassen durch Beiträge finanzieren, das englische Modell, in dem der Staat alle Kosten trägt, erschien in Anbetracht der öffentlichen Finanzen nicht durchführbar. Die Arbeitslosenversicherung wurde erst später eingeführt. Das Beamtentum wurde reformiert, die Beamten wurden unkündbar und durften streiken.

Vichy und die Collaboration

Die Verfolgung der Verantwortlichen des Vichy-Regimes und von Collaborateuren (Franzosen, die mit den deutschen Besatzern zusammengearbeitet haben) erfolgte hauptsächlich direkt nach der Befreiung 1944/45 und wird mit Épuration (Reinigung) bezeichnet. Von den 108 Hauptangeklagten wurden 13 zum Tode verurteilt, 3 wurden hingerichtet. Viele Mitläufer blieben unbehelligt, z. B. François Mitterrand. In der IV. Republik endete die Verfolgung. 1951 bis 1953 wurden verschiedene Amnestiegesetze erlassen.

Präsident Amtszeit
Vincent Auriol 1947–1954
René Coty 1954–1959
Ministerpräsident Amtsübernahme Partei
Paul Ramadier 22. Januar 1947 SFIO
Robert Schuman 24. November 1947 MRP
André Marie 26. Juli 1948 Radicaux
Robert Schuman 5. September 1948 MRP
Henri Queuille 11. September 1948 Radicaux
Georges Bidault 28. Oktober 1949 MRP
Henri Queuille 2. Juli 1950 Radicaux
René Pleven 12. Juli 1950 UDSR
Henri Queuille 10. März 1951 Radicaux
René Pleven 11. August 1951 UDSR
Edgar Faure 20. Januar 1952 Radicaux
Antoine Pinay 8. März 1952 CNIP
René Mayer 8. Januar 1953 Radicaux
Joseph Laniel 27. Juni 1953 CNIP
Pierre Mendès France 18. Juni 1954 Radicaux
Edgar Faure 23. Februar 1955 Radicaux
Guy Mollet 31. Januar 1956 SFIO
Maurice Bourgès-Maunoury 12. Juni 1957 Radicaux
Félix Gaillard 6. November 1957 Radicaux
Pierre Pflimlin 13. Mai 1958 MRP
Charles de Gaulle 1. Juni 1958 UNR
Ende der IV. Republik 4. Oktober 1958

In der kollektiven Erinnerung Frankreichs hat die Vierte Republik ein schlechtes Image: politische Instabilität, wirtschaftliche Schwierigkeiten, Kriege in Indochina und im Maghreb. Andererseits wurden hier die Grundlagen für die heute so verklärten Trente Glorieuses gelegt. Die Vierte Republik war eine Regierungsform, die in einem tief gespaltenen Land nicht erfolgreich war, Frankreich hatte aber auch den Mut, das Experiment zu beenden und hat sich für eine andere Regierungsform entschieden, die offensichtlich besser geeignet ist.

Commons: Vierte Französische Republik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Becker: Histoire politique de la France depuis 1945. 1996, S. 14.
  2. Becker: Histoire politique de la France depuis 1945. 1996, S. 25 f.
  3. Pascale Goetschel, Benedicte Toucheboeuf: La IVe République, Kapitel 3.
  4. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.117.
  5. Le Havre, the City Rebuilt by Auguste Perret. UNESCO, 2005, abgerufen am 25. April 2022 (englisch).
  6. Joseph Abram: La seconde reconstruction à Saint-Dié-des-Vosges. École National Supérieur de Nancy, 2020, abgerufen am 25. April 2022 (französisch).
  7. Quartier du Mont-Mesly. Ville de Créteil, 2022, abgerufen am 25. April 2022 (französisch).
  8. Mireille GUIGNARD: Saint-Malo intra muros, une reconstruction à l’identique ? In: Pierre d'Angle. Association nationale des architectes des bâtiments de France, 2018, abgerufen am 25. April 2022 (französisch).
  9. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.60.
  10. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.116.
  11. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.126.
  12. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.255.
  13. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.232ff.
  14. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.253.
  15. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.202ff.
  16. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.271.
  17. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.220ff.
  18. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.349.
  19. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.353.
  20. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.361.
  21. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.132.
  22. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.133.
  23. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.132.
  24. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.52f.
  25. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.80.
  26. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.81.
  27. Pascale Goetschel, Bénédicte Toucheboeuf: La IVe République.S.228.
Regierungssysteme und Vorgängerstaaten Frankreichs

Westfränkisches Reich/Königreich Frankreich (987–1791)/Zeit der konstitutionellen Monarchie (1791–1792) | Erste Republik (1792–1804) | Erstes Kaiserreich (1804–1814/15) | Königreich der Franzosen (1814/15–1830 Restauration & 1830–1848 Julimonarchie) | Zweite Republik (1848–1852) | Zweites Kaiserreich (1852–1870) | Dritte Republik (1871–1940) | Vichy-Regime (1940–1944) | Provisorische Regierung (1944–1946) | Vierte Republik (1946–1958) | Fünfte Republik (seit 1958)

Vierte Franzosische Republik historischer Staat 1946 1958 Sprache Beobachten Bearbeiten Republique francaise Franzosische Republik 1946 1958Flagge WappenWahlspruch Liberte egalite fraternite franzosisch fur Freiheit Gleichheit Bruderlichkeit Verfassung Die Verfassung der Franzosischen RepublikAmtssprache FranzosischHauptstadt ParisStaatsform Parlamentarische RepublikRegierungsform parlamentarische DemokratieStaatsoberhaupt Vincent Auriol 1947 1954 Rene Coty 1954 1959 Regierungschef siehe Abschnitt MinisterprasidentenFlache 674 843 km Einwohner 44 563 043 1958 Bevolkerungsdichte 66 Einwohner pro km Wahrung Franzosischer FrancBeginn 1946Ende 1958Nationalhymne MarseillaiseNationalfeiertag 14 JuliZeitzone UTC 1Kfz Kennzeichen FTelefonvorwahl 33Karte Die Vierte Franzosische Republik franzosisch Quatrieme Republique francaise war die Staatsform Frankreichs zwischen dem 27 Oktober 1946 und dem 4 Oktober 1958 dem Tag an dem die im Auftrag von General Charles de Gaulle ausgearbeitete Verfassung der V Republik in Kraft trat Die IV Republik entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Das vom nationalsozialistischen Deutschland abhangige Vichy Regime war 1944 bedeutungslos geworden de Gaulle hatte am 3 Juni 1944 die Provisorische Regierung der Franzosischen Republik gegrundet und war am 13 November 1945 von der Nationalversammlung zum Ministerprasidenten gewahlt worden Herausragende Politiker der IV Republik waren neben den beiden Staatsprasidenten Vincent Auriol 1947 1954 und Rene Coty 1954 1959 die Ministerprasidenten Pierre Mendes France 1907 1982 Henri Queuille 1884 1970 Antoine Pinay 1891 1994 Guy Mollet 1905 1975 Rene Pleven 1901 1993 Robert Schuman 1886 1963 und Georges Bidault 1899 1983 Es war ein parlamentarisches Regierungssystem mit dominierender Stellung der Legislative das infolge der Parteienzersplitterung durch extreme politische Instabilitat gekennzeichnet war In elf Jahren gab es 25 Regierungen Obwohl auf wirtschaftlichem Gebiet durchaus erfolgreich scheiterte die IV Republik letztlich an den verlustreichen Dekolonialisierungskonflikten in Indochina und Nordafrika Der Algerienkrieg und ein drohender Militarputsch besiegelten ihr Schicksal und ermoglichten die Ruckkehr de Gaulles an die Macht Inhaltsverzeichnis 1 Entstehung 1 1 Die Entscheidung fur eine neue Verfassung 1 2 Die erste Verfassunggebende Nationalversammlung und der erste Verfassungsentwurf 1 3 Die zweite Verfassunggebende Nationalversammlung und die Verfassung von 1946 2 Politisches System 2 1 Krisen der IV Republik 2 2 Das Ende der IV Republik 3 Herausforderungen und Leistungen 3 1 Wohnungsbau 3 2 Infrastruktur und Wirtschaft 3 3 Sozialpolitik 3 4 Vichy und die Collaboration 4 Prasidenten 5 Ministerprasidenten der IV Republik 6 Rezeption 7 Siehe auch 8 Literatur 9 Weblinks 10 EinzelnachweiseEntstehung BearbeitenIm Zuge der Befreiung Frankreichs von der deutschen Besetzung hatte eine Provisorische Regierung unter General Charles de Gaulle mit Unterstutzung der Alliierten die Macht ubernommen die bis zur Wiederherstellung einer demokratisch legitimierten politischen Ordnung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs amtieren sollte Faktisch bezog diese Regierung Gouvernement provisoire ihre Legitimitat aus der Einbeziehung aller nicht durch die Kollaboration kompromittierten politischen Krafte die im Exil oder in der Resistance gegen die Besatzung und das kollaborationistische Vichy Regime von Marschall Philippe Petain gekampft hatten In einem Plebiszit am 5 Mai 1946 entschied sich die Mehrheit der abstimmenden Franzosen erstmals inklusive der Frauen gegen die Wiederherstellung der Institutionen der Dritten Republik 1870 1940 General de Gaulle der seine Vorstellungen hinsichtlich der staatlichen Neugestaltung nicht durchzusetzen vermochte trat 1946 als provisorischer Staats und Regierungschef zuruck und sagte der Parteienherrschaft den Kampf an Die neue Verfassung ein erster Entwurf wurde in einer Volksabstimmung verworfen der zweite nur mit knapper Mehrheit gebilligt basierte auf einem Kompromiss zwischen den drei starksten Parteien Kommunisten PCF Sozialisten SFIO und christlich demokratischem MRP Mouvement republicain populaire Die Macht war beim Parlament bzw dessen erster Kammer der Nationalversammlung Assemblee nationale konzentriert Die wechselnden Allianzen erschwerten die Bildung handlungsfahiger Regierungen Die Kommunisten befanden sich nach ihrer Verdrangung aus der Regierung wegen des Kalten Kriegs 1947 in Quarantane die oppositionellen Gaullisten und die rechtspopulistischen Poujadisten bekampften von Anfang an das Institutionengefuge als solches General de Gaulle propagierte eine Starkung der Exekutivgewalt unter einem mit umfangreichen Vollmachten ausgestatteten Staatsoberhaupt wie dies in der V Republik dann spater realisiert wurde Die Entscheidung fur eine neue Verfassung Bearbeiten Ergebnisse des Referendums vom 21 Oktober 1945Wahlberechtigte 25 717 551Enthaltungen 4 968 578 20 1 der Stimmberechtigten1 FrageAbgegebene Stimmen 19 283 882 74 97 der WahlberechtigtenJa 18 584 746 96 37 der abgegebenen StimmenNein 699 136 3 63 der abgegebenen Stimmen2 FrageAbgegebene Stimmen 19 244 419 74 82 der WahlberechtigtenJa 12 795 213 66 48 der abgegebenen StimmenNein 6 449 206 33 52 der abgegebenen Stimmen Zusammen mit den ersten Parlamentswahlen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde erstmals seit den Plebisziten des Zweiten Kaiserreichs ein Referendum uber die zukunftige politische Ordnung durchgefuhrt Dabei wurden den Wahlern darunter erstmals auch Frauen zwei Fragen vorgelegt namlich erstens ob die gewahlte Versammlung eine neue Verfassung ausarbeiten sollte und zweitens ob das Mandat dieser Versammlung auf sieben Monate die zur Ausarbeitung einer Verfassung fur notwendig erachtet wurden begrenzt werden sollte Mit Ausnahme der Fuhrung der Radikalen Partei sprachen sich alle politischen Krafte fur eine neue Verfassung aus das Abstimmungsergebnis druckt deutlich aus wie stark auch in der Wahlerschaft der Wunsch nach einer Neuordnung der politischen Institutionen war Dies bedeutete zugleich eine eindeutige Ablehnung einer Ruckkehr zur Verfassung der III Republik die ubrigens auch von einer Mehrheit der Wahlerschaft der Radikalen geteilt wurde Die erste Verfassunggebende Nationalversammlung und der erste Verfassungsentwurf Bearbeiten Ergebnisse der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung vom 21 Oktober 1945 1 Stimmen a 1 in a 1 Mandate a 2 Wahlberechtigte 24 680 981Enthaltungen 4 965 256 20 1 a 3 PCF und Verbundete 5 024 174 26 12 159SFIO und Verbundete 4 491 152 23 35 146Radikale und UDSR 2 018 665 10 49 Rad 29 UDSR 31MRP 4 580 222 23 81 150Moderes Gemassigte Rechte 3 001 063 15 60 64Sonstige 41 352 n a 7 a 4 a b nur Metropole insgesamt 586 einschliesslich 64 Abgeordneten der Uberseegebiete in Prozent der Wahlberechtigten fraktionslose Abgeordnete In der am 21 Oktober 1945 gewahlten Nationalversammlung die gemass dem Ausgang des Referendums eine verfassunggebende Versammlung war hatten Kommunisten PCF und Sozialisten SFIO eine Mehrheit Die Versammlung bestatigte einstimmig die Provisorische Regierung von General de Gaulle im Amt Massgeblich an der Diskussion uber die Verfassung der IV Republik beteiligt waren die grossen Parteien sowie Charles de Gaulle Zwischen den Parteien bestand Einigkeit uber ein parlamentarisches Regierungssystem Allerdings sprachen sich Kommunisten und Sozialisten fur ein Einkammerparlament aus von dem alle anderen Institutionen abhangig sein sollten wahrend der MRP ein Zweikammerparlament und eine starkere Exekutive bevorzugte Die sich anhand der hierin ubereinstimmenden Positionen von PCF SFIO und MRP abzeichnende Entscheidung fur ein parlamentarisches Regierungssystem und damit gegen ein prasidentielles Regierungssystem ist einer der Grunde fur den Rucktritt de Gaulles vom Amt des Prasidenten der Provisorischen Regierung am 20 Januar 1946 Der erste Verfassungsentwurf der am 19 April 1946 mit den Stimmen der kommunistisch sozialistischen Mehrheit von der Verfassunggebenden Nationalversammlung verabschiedet wurde sah de facto ein Einkammerparlament vor das die Regierung und auch den Staatsprasidenten wahlen sollte Daneben sollte ein Conseil de l Union francaise mit ausschliesslich beratender Funktion zur Vertretung der Uberseegebiete eingerichtet werden Den Bestimmungen uber die Institutionen wurde ein Grundrechtekatalog mit 39 Artikeln vorangestellt der burgerliche politische wirtschaftliche und soziale Rechte umfasste Dieser Verfassungsentwurf wurde am 5 Mai 1946 in einem Referendum zur Abstimmung gestellt Wahrend insbesondere die Kommunisten und weitaus verhaltener die Sozialisten fur die Zustimmung warben sprach sich der MRP aufgrund der zu starken Stellung der Nationalversammlung und des Fehlens institutioneller Gegengewichte gegen den Entwurf aus De Gaulle dessen Ablehnung bekannt war ausserte sich nicht offentlich 53 Prozent der Wahler lehnten den Entwurf ab bei einer Wahlbeteiligung von 80 7 so dass eine zweite Verfassunggebende Nationalversammlung gewahlt wurde die erneut den Auftrag erhielt innerhalb von sieben Monaten eine Verfassung auszuarbeiten die wiederum zur Abstimmung gestellt werden sollte Dies fuhrte auch zur Verlangerung der vorlaufigen politischen Ordnung der Provisorischen Regierung Die zweite Verfassunggebende Nationalversammlung und die Verfassung von 1946 Bearbeiten Ergebnisse der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung vom 2 Juni 1946 2 Stimmen b 1 in b 1 Mandate b 2 Wahlberechtigte 24 696 949Enthaltungen 4 481 749 18 1 b 3 Leere und ungultige 409 870 1 6 b 3 PCF und Verbundete 5 145 325 25 9 153SFIO und Verbundete 4 187 747 21 1 128RGR b 4 2 299 963 11 6 52MRP und Verbundete 5 589 213 28 2 166Moderes Gemassigte Rechte 2 538 167 12 8 67UDMA b 5 n a n a 11Sonstige 44 915 0 1 7 b 6 a b nur Metropole 586 einschliesslich 64 Abgeordneten der Uberseegebiete a b in Prozent der Wahlberechtigten RGR Rassemblement des gauches republicaines Radikale und UDSR UDMA Union democratique du manifeste algerien war eine Gruppierung um Ferhat Abbas die sich fur die Unabhangigkeit Algeriens einsetzte fraktionslose Abgeordnete Am 2 Juni 1946 wurde eine neue Verfassunggebende Nationalversammlung gewahlt in der sich die Mehrheitsverhaltnisse zugunsten des MRP verschoben Die Provisorische Regierung wurde zwar weiterhin von MRP PCF und SFIO getragen allerdings unter der Fuhrung von Georges Bidault MRP Am 16 Juni 1946 hielt de Gaulle in Bayeux anlasslich des zweiten Jahrestages ihrer Befreiung als erste Stadt Frankreichs eine beruhmte Rede in der er seine Vorstellungen von einem zukunftigen politischen System Frankreichs darlegte die er 1958 in der Verfassung der V Republik verwirklichen sollte Dabei handelte es sich um ein Prasidialsystem bei dem die politische Macht der Regierung dem Zugriff der Parteien so weit wie moglich entzogen werden sollte Trotz der leicht veranderten Mehrheitsverhaltnisse und der heftigen offentlichen Kritik de Gaulles sah jedoch auch der zweite Verfassungsentwurf den die Verfassunggebende Nationalversammlung am 29 September 1946 annahm ein parlamentarisches Regierungssystem vor in dem die Nationalversammlung klar die Vorrangstellung gegenuber der zweiten Kammer dem Conseil de la Republique erhielt Die Wahl zum Staatsprasidenten erfolgte jedoch durch beide Kammern gemeinsam Beiden Entwurfen gemeinsam war die schwache Position der Exekutive Die Nationalversammlung wahlte auf Vorschlag des Staatsprasidenten den Ministerprasidenten der sich dann mit seinem Kabinett und einem Regierungsprogramm erneut einer Vertrauensabstimmung stellen musste Diese doppelte Investitur wurde 1954 durch eine Verfassungsanderung abgeschafft nachdem mehrfach designierte Ministerprasidenten bereits bei der zweiten Vertrauensabstimmung gescheitert waren Anstatt eines umfassenden Grundrechtekatalogs in Form verbindlicher Verfassungsartikel sah der zweite Verfassungsentwurf lediglich eine Praambel vor in der die Erklarung der Menschen und Burgerrechte von 1789 bekraftigt und um die Gleichberechtigung der Frau das Asylrecht und wirtschaftliche und soziale Rechte erganzt wurde Diese Praambel von 1946 wurde jedoch durch die Praambel der Verfassung der V Republik bekraftigt infolge der Rechtsprechung des Conseil constitutionnel stellt sie heute geltendes Verfassungsrecht dar Mit der Einfuhrung einer zweiten Kammer stellte die Verfassung einen Kompromiss zwischen PCF SFIO und MRP dar Wahrend die Fuhrungen der grossen Parteien fur die Zustimmung zu der Verfassung warben sprach sich Charles de Gaulle klar dagegen aus Franchement non weil sie Frankreich weder einen Prasidenten noch eine Regierung gebe die diesen Namen verdiene Kernpunkt der Kritik de Gaulles war die fehlende Handlungsfahigkeit der Exekutive in der Aussen und Verteidigungspolitik Die Verfassung der IV Republik wurde am 13 Oktober 1946 in einem Referendum mit 53 5 der abgegebenen Stimmen angenommen Jedoch blieben 31 2 der Wahlberechtigten der Abstimmung fern so dass de Gaulles Einschatzung nahezu zutrifft dass ein Drittel der Franzosen die Verfassung abgelehnt habe ein Drittel habe sich enthalten und nur ein Drittel habe zugestimmt Am 27 Oktober 1946 trat die Verfassung in Kraft Am 10 November erfolgten die Wahlen zur Nationalversammlung bei dieser erhielt wieder die kommunistische Partei Frankreichs die meisten Stimmen Die Mitglieder des Conseil de la Republique wurden am 8 Dezember gewahlt Beide Kammern versammelten sich am 16 Januar 1947 in Versailles zur Wahl des Sozialisten Vincent Auriol zum ersten Prasidenten der IV Republik Erst danach konnte der Prozess der Regierungsbildung abgeschlossen werden weil der Prasident den Ministerprasidenten formell vorschlagen musste Aus diesem Grund amtierte vom 16 Dezember 1946 bis 16 Januar 1947 eine letzte Provisorische Regierung ein rein sozialistisches Minderheitskabinett unter Leon Blum Der neu gewahlte Prasident schlug als Ministerprasidenten Paul Ramadier SFIO vor der am 21 Januar 1947 gewahlt wurde und eine Fast Allparteienregierung aus SFIO PCF MRP Radikalen UDSR und gemassigten Rechten bildete Diese stellte sich am 28 Januar 1947 mit Erfolg der Vertrauensabstimmung in der Nationalversammlung damit war der institutionelle Aufbau der IV Republik abgeschlossen Politisches System Bearbeiten Schematische Darstellung der Verfassungsorgane der Vierten Republik Ahnlich wie in der III Republik als deren konstitutioneller Nachfolger die IV Republik gelten kann war die Macht des Parlaments von dessen Unterstutzung die Regierung abhangig war sehr stark Der Prasident wurde vom Parlament in gemeinsamer Sitzung beider Kammern fur sieben Jahre gewahlt Im Unterschied zur III Republik hatte jedoch die erste Parlamentskammer die Nationalversammlung gegenuber der zweiten Kammer dem Conseil de la Republique eine klare Vorrangstellung Im Gesetzgebungsverfahren kam Letzterer nur eine beratende Funktion zu die Nationalversammlung war an ihr Votum nicht gebunden Krisen der IV Republik Bearbeiten Durch ein breit gefachertes politisches Spektrum und tiefe ideologische Grenzen war es insbesondere unter Berucksichtigung des geltenden Verhaltniswahlrechts schwer zu stabilen Regierungsmehrheiten zu finden Die Regierungen der Vierten Republik stutzten sich in der Regel auf Koalitionen aus mehreren Parteien Dabei war jedoch ab 1947 die in allen Wahlen starkste Partei die PCF an keiner Regierung mehr beteiligt Unter diesen Umstanden fanden sich leicht Mehrheiten fur den Sturz einer Regierung umso schwerer war dagegen die Regierungsbildung Tatsachlich war die Vierte Republik durch eine grosse Zahl von Regierungswechseln gekennzeichnet Die durchschnittliche Amtszeit betrug nur rund sechs Monate Krisen die die Schwache der politischen Institutionen verdeutlichten waren neben den haufigen Regierungskrisen insbesondere Politische Streiks im Herbst 1947 die sich aus Arbeitskampfen fur hohere Lohne entwickelt hatten Die kommunistischen Gewerkschaft CGT rief zu massenhaften Arbeitsniederlegungen auf um einen Beitritt Frankreichs zum Marshall Plan und damit zum westlichen Lager unter Fuhrung der USA zu verhindern Die PCF schied daraufhin aus dem Regierungsbundnis aus der Streik wurde gewaltsam niedergeschlagen 3 die Auseinandersetzung um die Europaische Verteidigungsgemeinschaft die die politische Debatte von 1952 1954 dominierte und zum Auseinanderbrechen mehrerer Regierungen fuhrte die Wahl des Staatsprasidenten Rene Coty zu der im Dezember 1953 13 Wahlgange erforderlich waren die militarischen Herausforderungen zunachst im Indochinakrieg der 1954 mit der Niederlage Frankreichs und der Unabhangigkeit von Vietnam damals Nord und Sudvietnam Laos und Kambodscha endete dann im Algerienkrieg der schliesslich zum Scheitern der Vierten Republik fuhrte Das Ende der IV Republik Bearbeiten Angesichts der Vielzahl der Konfliktlinien und der Unlosbarkeit der Algerienkrise gelang es 1957 58 nicht mehr stabile Regierungen zu bilden Die aufeinanderfolgenden Regierungen von Maurice Bourges Maunoury und Felix Gaillard verloren zudem zunehmend die Kontrolle uber die Armee Ein Ubergriff der Armee auf das seit 1956 unabhangige Tunesien fuhrte zum Sturz der Regierung Gaillard am 15 April 1958 fur den einen Monat lang kein Nachfolger gefunden werden konnte Noch wahrend am 13 Mai 1958 uber die Wahl des Christdemokraten Pierre Pflimlin zum Ministerprasidenten beraten wurde ubernahm in Algier ein Wohlfahrtsausschuss des Militars unter Fuhrung von General Jacques Massu die Macht Unter dem Eindruck des Putsch d Alger 1958 und der Operation Resurrection gelang zwar die Einsetzung einer neuen Regierung in Paris die politische Lage blieb jedoch instabil Am 15 Mai 1958 liess Charles de Gaulle der sich mehrere Jahre zuvor nach der Niederlage und Auflosung seiner Partei RPF Rassemblement du Peuple francais aus dem politischen Leben auf seinen Landsitz in Colombey les Deux Eglises zuruckgezogen hatte verlautbaren er sei angesichts der Staatskrise bereit die Macht in der Republik zu ubernehmen In einer Botschaft an die Nationalversammlung gab daraufhin Staatsprasident Coty bekannt dass er sich an de Gaulle wende und ihn ersuche eine neue Regierung zu bilden Coty drohte zugleich mit seinem Rucktritt sollte das Parlament diesen Plan zu Fall bringen De Gaulle wurde am 1 Juni 1958 zum Ministerprasidenten einer Regierung unter Beteiligung aller Parteien mit Ausnahme der Kommunisten gewahlt Drei Ex Regierungschefs Pinay Mollet und Pflimlin gehorten dem Kabinett an Am 2 Juni wurden ihm durch ein Verfassungsgesetz ausserordentliche Vollmachten in Exekutive und Legislative einschliesslich des Auftrags zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung innerhalb von sechs Monaten ubertragen Die Nationalversammlung vertagte sich anschliessend auf unbestimmte Zeit Die neue Verfassung wurde nach den Vorstellungen de Gaulles unter Beteiligung eines Beratenden Verfassungskomitees unter der Fuhrung des de Gaulle Vertrauten Michel Debre ausgearbeitet und am 28 September 1958 von 79 25 der Wahler angenommen bei einer Wahlbeteiligung von 83 3 Am 4 Oktober wurde die neue Verfassung verkundet Damit war die IV Republik auch offiziell beendet und die V Republik gegrundet Herausforderungen und Leistungen BearbeitenDie IV Republik stand vor mehreren Herausforderungen Die Kriesgschaden reparieren Die Wirtschaft in Gang bringen Das politische System reformieren Das Erbe von Vichy und der Collaboration verwalten Viele Weichenstellungen erfolgten bereits 1945 und wurden unter der IV Republik prazisiert und durchgefuhrt Wohnungsbau Bearbeiten Der Wohnungsbestand war schon vor dem Krieg veraltet 1946 waren 48 aller Wohnungen ohne fliessend Wasser 80 hatten keine Innentoilette 90 hatten weder Dusche noch Bad 4 Der Wiederaufbau erfolgte oft durch eine moderne Neubebauung Das vollstandig zerstorte Le Havre wurde von Auguste Perret von 1945 bis 1964 als moderne Stadt wiederaufgebaut heute Weltkulturerbe 5 St Die welches auch vollstandig zerstort war wurde 1950 bis 1960 unter Mitwirkung von Le Corbusier von Andre Wogenscky wiederaufgebaut 6 Charles Gustave Stoskopf baute mehrere Grosssiedlungen Strasbourg ab 1952 in Mont Mesly Viertel in Creteil ab 1955 7 Saint Malo z B wurden im historischen Stil wiederaufgebaut 1945 1971 8 Infrastruktur und Wirtschaft Bearbeiten Mehr als 1000 Brucken 20 000 km Bahnstrecken und das gesamte Strassennetz waren zerstort 9 Die grossen offentlichen Unternehmen wie SNCF Eisenbahn EDF Elektrizitat und GDF Gas spielten beim Wiederaufbau eine wichtige Rolle Auch das Kanalnetz wurde schnell in Stand gesetzt um die Kohleversorgung zu verbessern 10 Wichtige Betriebe wurde nationalisiert z B die Kohle und Eisenminen oder Renault 1945 die Flugzeugindustrie SNECMA und Air France Ebenso offentliche Verkehrsmittel wie die RATP Metro Paris 11 Schliesslich wurden auch die grossen Banken nationalisiert Credit Lyonnais Societe Generale und andere Der Staat wurde zum Hauptakteur der Wirtschaft Die Automobilindustrie entwickelte neue Modelle fur den Massenmarkt Renault den 4 CV 1946 Citroen den 2 CV 1948 12 1947 48 erschutterte eine Wirtschaftskrise das Land Nahrungsmittel wurden knapp die Inflation stieg der Franc wurde abgewertet In diesem Jahr begannen die Hilfen des Marshall Plans zu fliessen die ab 1947 bis 1950 ca 2 5 Milliarden Dollar betrugen und hauptsachlich in die Infrastruktur und die grossen staatlichen Unternehmen investiert wurden Moderne Technologien und Management Methoden wurden aus den USA ubernommen 13 Diese Amerikanisierung wurde nicht von allen begrusst die Nationalversammlung verbot 1950 Coca Cola das Verbot wurde von der zweiten Kammer Conseil de la Republique wieder aufgehoben 14 1949 kamen liberal konservative Regierungen ins Amt die mit klassischen Mitteln die Krise bekampften Freigabe der Preise Streichung von Subventionen Abwertung des Franc Diese Reformen waren erfolgreich die Wirtschaftsleistung erreichte wieder Vorkriegsniveau das Nationalprodukt wuchs um 22 zwischen 1948 und 1950 die jahrliche Steigerung danach betrug 4 5 15 In der franzosischen Presse erschienen neue Titel Paris Match Elle L Express L Observateur Die Haute Couture speziell Dior und Balmain wurden wieder weltweit fuhrend mit dem New Look 16 1952 gelang es nicht ein Budget zu verabschieden Antoine Pinay wurde Regierungschef und versuchte uber Anleihen das Defizit zu finanzieren und durch Appelle Preissenkungen zu erreichen dies war teilweise erfolgreich Nach dem Sturz der Regierung kam es 1952 53 zu einer Rezession 17 Ab 1954 begann ein Wirtschaftszyklus mit starkem Wachstum der spater den Namen Trente Glorieuses Die dreissig Glorreichen erhielt 18 Die franzosische Industrie war auf vielen Gebieten innovativ das Dusenflugzeug Caravelle Marcel Dassault entwickelte die Dusenjager Mystere und Mirage das Commissariat a l Energie Atomique forschte an der zivilen und militarischen Nutzung der Atomenergie 19 Menschen die sich durch die schnellen Veranderungen uberfordert fuhlten vereinten sich zur Poujadismus Bewegung Der Staat beginnt mit der Dezentralisierung die Konzentration auf Paris sollte abgelost werden durch eine bessere Verteilung von Menschen und Industrie auf ganz Frankreich 20 Sozialpolitik Bearbeiten Ab 1945 wurden Sozialversicherungen eingefuhrt Krankheit Alter Invaliditat und Berufsunfahigkeit 21 Man entschied sich fur ein System in dem Arbeiter und Arbeitgeber die Kassen durch Beitrage finanzieren das englische Modell in dem der Staat alle Kosten tragt erschien in Anbetracht der offentlichen Finanzen nicht durchfuhrbar Die Arbeitslosenversicherung wurde erst spater eingefuhrt 22 Das Beamtentum wurde reformiert die Beamten wurden unkundbar und durften streiken 23 Vichy und die Collaboration Bearbeiten Die Verfolgung der Verantwortlichen des Vichy Regimes und von Collaborateuren Franzosen die mit den deutschen Besatzern zusammengearbeitet haben erfolgte hauptsachlich direkt nach der Befreiung 1944 45 und wird mit Epuration Reinigung bezeichnet 24 Von den 108 Hauptangeklagten wurden 13 zum Tode verurteilt 3 wurden hingerichtet 25 Viele Mitlaufer blieben unbehelligt z B Francois Mitterrand In der IV Republik endete die Verfolgung 26 1951 bis 1953 wurden verschiedene Amnestiegesetze erlassen 27 Prasidenten BearbeitenPrasident AmtszeitVincent Auriol 1947 1954Rene Coty 1954 1959Ministerprasidenten der IV Republik BearbeitenMinisterprasident Amtsubernahme ParteiPaul Ramadier 22 Januar 1947 SFIORobert Schuman 24 November 1947 MRPAndre Marie 26 Juli 1948 RadicauxRobert Schuman 5 September 1948 MRPHenri Queuille 11 September 1948 RadicauxGeorges Bidault 28 Oktober 1949 MRPHenri Queuille 2 Juli 1950 RadicauxRene Pleven 12 Juli 1950 UDSRHenri Queuille 10 Marz 1951 RadicauxRene Pleven 11 August 1951 UDSREdgar Faure 20 Januar 1952 RadicauxAntoine Pinay 8 Marz 1952 CNIPRene Mayer 8 Januar 1953 RadicauxJoseph Laniel 27 Juni 1953 CNIPPierre Mendes France 18 Juni 1954 RadicauxEdgar Faure 23 Februar 1955 RadicauxGuy Mollet 31 Januar 1956 SFIOMaurice Bourges Maunoury 12 Juni 1957 RadicauxFelix Gaillard 6 November 1957 RadicauxPierre Pflimlin 13 Mai 1958 MRPCharles de Gaulle 1 Juni 1958 UNREnde der IV Republik 4 Oktober 1958Rezeption BearbeitenIn der kollektiven Erinnerung Frankreichs hat die Vierte Republik ein schlechtes Image politische Instabilitat wirtschaftliche Schwierigkeiten Kriege in Indochina und im Maghreb Andererseits wurden hier die Grundlagen fur die heute so verklarten Trente Glorieuses gelegt Die Vierte Republik war eine Regierungsform die in einem tief gespaltenen Land nicht erfolgreich war Frankreich hatte aber auch den Mut das Experiment zu beenden und hat sich fur eine andere Regierungsform entschieden die offensichtlich besser geeignet ist Siehe auch BearbeitenVerfassung der Funften Franzosischen Republik Geschichte Frankreichs Politisches System FrankreichsLiteratur BearbeitenJean Jacques Becker Histoire politique de la France depuis 1945 5 aktual Auflage Armand Colin Paris 1996 ISBN 2 200 01396 5 Wilfried Loth Von der 4 zur 5 Republik In Adolf Kimmel Henrik Uterwedde Hrsg Landerbericht Frankreich Geschichte Politik Wirtschaft Gesellschaft 2 ub Auflage VS Verlag Wiesbaden 2005 ISBN 3 531 14631 9 S 63 84 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboef La IVe Republique La France de la Liberation a 1958 Le Livre De Poche 589 2e Edition 2001 ISBN 978 2 253 10823 8 Ernst Weisenfeld Frankreichs Geschichte seit dem Krieg Von de Gaulle bis Mitterrand 2 uberarb u erg Auflage Beck Munchen 1982 ISBN 3 406 08673 X Jacques Godechot Hrsg Les Constitutions de la France depuis 1789 Flammarion Paris 1995 ISBN 2 08 070228 9 David Thomson Democracy in France The Third and Fourth Republics Hesperides Press London 2006 ISBN 1 4067 1918 8 books google com partiell mit Suchfunktion Standardwerk Ausgabe 1952 Internet ArchiveWeblinks Bearbeiten Commons Vierte Franzosische Republik Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Schema der Verfassung franzosisch Einzelnachweise Bearbeiten Becker Histoire politique de la France depuis 1945 1996 S 14 Becker Histoire politique de la France depuis 1945 1996 S 25 f Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique Kapitel 3 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 117 Le Havre the City Rebuilt by Auguste Perret UNESCO 2005 abgerufen am 25 April 2022 englisch Joseph Abram La seconde reconstruction a Saint Die des Vosges Ecole National Superieur de Nancy 2020 abgerufen am 25 April 2022 franzosisch Quartier du Mont Mesly Ville de Creteil 2022 abgerufen am 25 April 2022 franzosisch Mireille GUIGNARD Saint Malo intra muros une reconstruction a l identique In Pierre d Angle Association nationale des architectes des batiments de France 2018 abgerufen am 25 April 2022 franzosisch Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 60 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 116 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 126 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 255 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 232 ff Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 253 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 202 ff Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 271 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 220 ff Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 349 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 353 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 361 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 132 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 133 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 132 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 52 f Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 80 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 81 Pascale Goetschel Benedicte Toucheboeuf La IVe Republique S 228 Regierungssysteme und Vorgangerstaaten Frankreichs Westfrankisches Reich Konigreich Frankreich 987 1791 Zeit der konstitutionellen Monarchie 1791 1792 Erste Republik 1792 1804 Erstes Kaiserreich 1804 1814 15 Konigreich der Franzosen 1814 15 1830 Restauration amp 1830 1848 Julimonarchie Zweite Republik 1848 1852 Zweites Kaiserreich 1852 1870 Dritte Republik 1871 1940 Vichy Regime 1940 1944 Provisorische Regierung 1944 1946 Vierte Republik 1946 1958 Funfte Republik seit 1958 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Vierte Franzosische Republik amp oldid 222971321, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

buch

, bücher, bibliothek,

artikel

, lesen, herunterladen, kostenlos, kostenloser herunterladen, MP3, Video, MP4, 3GP, JPG, JPEG, GIF, PNG, Bild, Musik, Lied, Film, Buch, Spiel, Spiele