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Der Verwaltung des ehemaligen Reichsbahnvermögens (VdeR) unterstanden ab 1953 alle Anlagen und Liegenschaften der Deutschen Reichsbahn in den Berliner Westsektoren die nicht dem unmittelbaren Betrieb der Eisenbahn und der Berliner S-Bahn dienten. Dazu gehörten Lagerflächen, Kleingartenkolonien (Eisenbahnlandwirtschaft), Gebäude und Wohnhäuser. Der Vorläufer der VdeR („Verwaltung des Finanzamtes für Liegenschaften des Senates“) wurde nach der Berliner Blockade und dem darauf folgenden Berliner S-Bahnstreik 1949 auf Anordnung der Westalliierten eingerichtet. Damit hatte die Reichsbahn nur noch die Betriebsrechte in West-Berlin inne.

Inhaltsverzeichnis

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im gesamten Deutschland das Sondervermögen des Reiches, Deutsche Reichsbahn, von den Alliierten in ihren jeweiligen Zonen beschlagnahmt. In der sowjetischen Besatzungszone wurde mit dem Befehl Nummer 8 der SMAD die Reichsbahn in deutsche Hände übergeben. Aus Praktikabilitätserwägungen erkannten die Westalliierten die Reichsbahn-Betriebsführung – aber nicht Eigentumsrechte – in West-Berlin an. Am 31. Mai 1949 verfügten die Westalliierten, dass Eigentümer von Grundstücken in den Westsektoren, die nicht dort wohnten oder dort ihren Sitz hatten, ein Konto bei einer Bank in den Westsektoren einzurichten hatten, über das sie nur mit der Zustimmung der neu geschaffenen Währungsüberwachungsstelle verfügen durften. Die Deutsche Reichsbahn ignorierte die Verordnung der Westalliierten, so dass im Oktober 1949 die Finanzabteilung für Liegenschaften des Senats mit der Verwaltung beauftragt wurde. Die Regierung der DDR ordnete an, dass die Reichsbahn auf die Zwangsverwaltung keine Reaktion zeigen solle. Nach Meinung der DDR-Regierung gehörte die Reichsbahn in West-Berlin zur DDR und unterlag den in DDR gültigen Rechtsnormen und Gesetzen.

Am 15. Oktober 1953 wurde die Verwaltung der neu gegründeten „Verwaltung des ehemaligen Reichbahnvermögens (Vorratsvermögen)“ übertragen. Die Anlagen standen aber weiterhin – soweit sie nicht dem Betrieb dienten – unter alliiertem Vorbehaltsrecht. In den Grundbüchern war bis zur deutschen Wiedervereinigung als Eigentümer „Deutsches Reich, Sondervermögen Deutsche Reichsbahn“ eingetragen.

Die Dienststelle am Halleschen Ufer (gegenüber dem von der Reichsbahn genutzten Dienstgebäude der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin) war formal dem Berliner Finanzsenator als Abteilung E unterstellt, de facto war sie ein Außenposten der Deutschen Bundesbahn, die auch das Personal stellte. Alle Pacht- und Mieteinnahmen aus dem Reichsbahnvermögen flossen der VdeR zu. Allerdings waren der VdeR dort Grenzen gesetzt, wo Mieter und Pächter von Grundflächen auf Strom- und Wasserlieferungen der DR angewiesen waren und mit ihr darüber einen Vertrag schließen mussten. Anderenfalls wurde die Lieferung aus „technischen Gründen“ eingestellt. Dies musste die VdeR dann stillschweigend hinnehmen.

In der Anfangszeit konnten VdeR-Mitarbeiter nur unter West-Berliner Polizeischutz auf die Bahnanlagen der Reichsbahn, weil die DDR immer wieder versuchte, in West-Berlin Hoheitsrechte durchzusetzen. Nach deren Auffassung sollten die Bahnanlagen in West-Berlin Territorium der DDR gewesen sein. Diesem Anspruch ist stets von alliierter und West-Seite entgegengetreten worden, teilweise sogar unter Anwendung von Gewalt. Erst 1984 mit der Übernahme der S-Bahn-Betriebsrechte in West-Berlin durch den Senat entspannte sich das Verhältnis zwischen VdeR und DR merklich.

Nach Schätzungen des DDR-Verkehrsministeriums beliefen sich die Einnahmen aus dem VdeR-Vermögen in der Zeit von 1949 bis 1983 auf circa 400 Millionen DM bei gleichzeitig rund 125 Millionen DM Ausgaben. Dabei ging das Verkehrsministerium für die Mitte der 1980er Jahre von folgendem Umfang des Vermögens aus:

  • 798 Lagerplätze mit einer Nutzfläche von rund 1,2 Millionen Quadratmetern
  • 194 Lagerräume und Lagerrampen mit etwa 51.000 Quadratmetern Nutzfläche
  • 10 Güterhallen mit circa 80.000 Quadratmetern Nutzfläche
  • 233 Stadtbahnbögen mit 31.000 Quadratmetern Nutzfläche
  • Grundstücke mit einer Fläche von rund 170.000 Quadratmetern, die durch Anschlussbahnen genutzt wurden.
  • Kleingärten mit einer Fläche von etwa 930.000 Quadratmetern
  • 2.770 Dienstwohnungen mit circa 140.000 Quadratmetern
  • Umsatzpacht von 259 Nebenbetrieben wie Kiosken oder Gaststätten in Bahnhöfen sowie weitere Einnahmen aus der Vermietung von Werbeflächen oder der Gestattung von Automatenaufstellungen

Bei vielen Bahnhofsneubauten, wie 1960 am S-Bahnhof Halensee, beteiligte sich die VdeR als direkter Zuschussgeber oder gab selbst Anbauten im Auftrag, wie die Terrassen am Bahnhof Zoo in den 1950er Jahren. Auch nach der Übergabe der Betriebsrechte der West-Berliner S-Bahn von der Deutschen Reichsbahn auf den Senat und die BVG am 9. Januar 1984 engagierte sich die VdeR finanziell bei Bahnhofsrenovierungen und Neubauten.

Die VdeR wurde mit der deutschen Wiedervereinigung und dem damit einhergehenden Wegfall des alliierten Vorbehalts Sondervermögen des Bundes. Mit der Deutschen Reichsbahn wurde die VdeR zum Sondervermögen Deutsche Reichsbahn laut Einigungsvertrag 1990 zusammengefasst.

Das nicht betrieblichen Zwecken von BVG (S-Bahn) oder Deutscher Reichsbahn dienende ehemalige Reichsbahnvermögen (Vorratsvermögen) in Berlin (West) verwaltete die Verwaltungsstelle des ehemaligen Reichsbahnvermögens vorerst weiter.

Laut Eisenbahnneuordnungsgesetz wurden die Sondervermögen Bundesbahn und Reichsbahn am 1. Januar 1994 zum Bundeseisenbahnvermögen endgültig zusammengefasst. Durch Ausgliedern nur jener unternehmerischen Teile aus dem Bundeseisenbahnvermögen, die zum Erbringen von Eisenbahnverkehrsleistungen und zum Betreiben der Eisenbahninfrastruktur notwendig waren, entstand die Deutsche Bahn AG.

  1. https://www.stadtschnellbahn-berlin.de/lexikon/ausgabe.php?abf=v gesichtet am 20. Juni 2012
  2. Ciesla, Osten, S. 30f.
  3. Ciesla, Osten, S. 32.
  • Bernd Kuhlmann: Bahnknoten Berlin. Die Entwicklung des Berliner Eisenbahnnetzes seit 1838. Verlag GVE, Berlin 2006, ISBN 3-89218-099-7.
  • Burghard Ciesla: Als der Osten durch den Westen fuhr. Die Geschichte der Deutschen Reichsbahn in Westberlin. Böhlau, Köln 2006, ISBN 978-3-412-30505-5.

Verwaltung des ehemaligen Reichsbahnvermogens deutsche Organisation Sprache Beobachten Bearbeiten Der Verwaltung des ehemaligen Reichsbahnvermogens VdeR unterstanden ab 1953 alle Anlagen und Liegenschaften der Deutschen Reichsbahn in den Berliner Westsektoren die nicht dem unmittelbaren Betrieb der Eisenbahn und der Berliner S Bahn dienten Dazu gehorten Lagerflachen Kleingartenkolonien Eisenbahnlandwirtschaft Gebaude und Wohnhauser Der Vorlaufer der VdeR Verwaltung des Finanzamtes fur Liegenschaften des Senates 1 wurde nach der Berliner Blockade und dem darauf folgenden Berliner S Bahnstreik 1949 auf Anordnung der Westalliierten eingerichtet Damit hatte die Reichsbahn nur noch die Betriebsrechte in West Berlin inne Inhaltsverzeichnis 1 Vorgeschichte 2 Aufbau und Arbeit der VdeR 3 Auflosung 4 Siehe auch 5 Einzelnachweise 6 LiteraturVorgeschichte BearbeitenMit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im gesamten Deutschland das Sondervermogen des Reiches Deutsche Reichsbahn von den Alliierten in ihren jeweiligen Zonen beschlagnahmt In der sowjetischen Besatzungszone wurde mit dem Befehl Nummer 8 der SMAD die Reichsbahn in deutsche Hande ubergeben Aus Praktikabilitatserwagungen erkannten die Westalliierten die Reichsbahn Betriebsfuhrung aber nicht Eigentumsrechte in West Berlin an Am 31 Mai 1949 verfugten die Westalliierten dass Eigentumer von Grundstucken in den Westsektoren die nicht dort wohnten oder dort ihren Sitz hatten ein Konto bei einer Bank in den Westsektoren einzurichten hatten uber das sie nur mit der Zustimmung der neu geschaffenen Wahrungsuberwachungsstelle verfugen durften Die Deutsche Reichsbahn ignorierte die Verordnung der Westalliierten so dass im Oktober 1949 die Finanzabteilung fur Liegenschaften des Senats mit der Verwaltung beauftragt wurde Die Regierung der DDR ordnete an dass die Reichsbahn auf die Zwangsverwaltung keine Reaktion zeigen solle Nach Meinung der DDR Regierung gehorte die Reichsbahn in West Berlin zur DDR und unterlag den in DDR gultigen Rechtsnormen und Gesetzen Am 15 Oktober 1953 wurde die Verwaltung der neu gegrundeten Verwaltung des ehemaligen Reichbahnvermogens Vorratsvermogen ubertragen 2 Die Anlagen standen aber weiterhin soweit sie nicht dem Betrieb dienten unter alliiertem Vorbehaltsrecht In den Grundbuchern war bis zur deutschen Wiedervereinigung als Eigentumer Deutsches Reich Sondervermogen Deutsche Reichsbahn eingetragen Aufbau und Arbeit der VdeR BearbeitenDie Dienststelle am Halleschen Ufer gegenuber dem von der Reichsbahn genutzten Dienstgebaude der Koniglichen Eisenbahndirektion Berlin war formal dem Berliner Finanzsenator als Abteilung E unterstellt de facto war sie ein Aussenposten der Deutschen Bundesbahn die auch das Personal stellte Alle Pacht und Mieteinnahmen aus dem Reichsbahnvermogen flossen der VdeR zu Allerdings waren der VdeR dort Grenzen gesetzt wo Mieter und Pachter von Grundflachen auf Strom und Wasserlieferungen der DR angewiesen waren und mit ihr daruber einen Vertrag schliessen mussten Anderenfalls wurde die Lieferung aus technischen Grunden eingestellt Dies musste die VdeR dann stillschweigend hinnehmen In der Anfangszeit konnten VdeR Mitarbeiter nur unter West Berliner Polizeischutz auf die Bahnanlagen der Reichsbahn weil die DDR immer wieder versuchte in West Berlin Hoheitsrechte durchzusetzen Nach deren Auffassung sollten die Bahnanlagen in West Berlin Territorium der DDR gewesen sein Diesem Anspruch ist stets von alliierter und West Seite entgegengetreten worden teilweise sogar unter Anwendung von Gewalt Erst 1984 mit der Ubernahme der S Bahn Betriebsrechte in West Berlin durch den Senat entspannte sich das Verhaltnis zwischen VdeR und DR merklich Nach Schatzungen des DDR Verkehrsministeriums beliefen sich die Einnahmen aus dem VdeR Vermogen in der Zeit von 1949 bis 1983 auf circa 400 Millionen DM bei gleichzeitig rund 125 Millionen DM Ausgaben Dabei ging das Verkehrsministerium fur die Mitte der 1980er Jahre von folgendem Umfang des Vermogens aus 3 798 Lagerplatze mit einer Nutzflache von rund 1 2 Millionen Quadratmetern 194 Lagerraume und Lagerrampen mit etwa 51 000 Quadratmetern Nutzflache 10 Guterhallen mit circa 80 000 Quadratmetern Nutzflache 233 Stadtbahnbogen mit 31 000 Quadratmetern Nutzflache Grundstucke mit einer Flache von rund 170 000 Quadratmetern die durch Anschlussbahnen genutzt wurden Kleingarten mit einer Flache von etwa 930 000 Quadratmetern 2 770 Dienstwohnungen mit circa 140 000 Quadratmetern Umsatzpacht von 259 Nebenbetrieben wie Kiosken oder Gaststatten in Bahnhofen sowie weitere Einnahmen aus der Vermietung von Werbeflachen oder der Gestattung von Automatenaufstellungen Bei vielen Bahnhofsneubauten wie 1960 am S Bahnhof Halensee beteiligte sich die VdeR als direkter Zuschussgeber oder gab selbst Anbauten im Auftrag wie die Terrassen am Bahnhof Zoo in den 1950er Jahren Auch nach der Ubergabe der Betriebsrechte der West Berliner S Bahn von der Deutschen Reichsbahn auf den Senat und die BVG am 9 Januar 1984 engagierte sich die VdeR finanziell bei Bahnhofsrenovierungen und Neubauten Auflosung BearbeitenDie VdeR wurde mit der deutschen Wiedervereinigung und dem damit einhergehenden Wegfall des alliierten Vorbehalts Sondervermogen des Bundes Mit der Deutschen Reichsbahn wurde die VdeR zum Sondervermogen Deutsche Reichsbahn laut Einigungsvertrag 1990 zusammengefasst Das nicht betrieblichen Zwecken von BVG S Bahn oder Deutscher Reichsbahn dienende ehemalige Reichsbahnvermogen Vorratsvermogen in Berlin West verwaltete die Verwaltungsstelle des ehemaligen Reichsbahnvermogens vorerst weiter Laut Eisenbahnneuordnungsgesetz wurden die Sondervermogen Bundesbahn und Reichsbahn am 1 Januar 1994 zum Bundeseisenbahnvermogen endgultig zusammengefasst Durch Ausgliedern nur jener unternehmerischen Teile aus dem Bundeseisenbahnvermogen die zum Erbringen von Eisenbahnverkehrsleistungen und zum Betreiben der Eisenbahninfrastruktur notwendig waren entstand die Deutsche Bahn AG Siehe auch BearbeitenGeschichte der Berliner S BahnEinzelnachweise Bearbeiten https www stadtschnellbahn berlin de lexikon ausgabe php abf v gesichtet am 20 Juni 2012 Ciesla Osten S 30f Ciesla Osten S 32 Literatur BearbeitenBernd Kuhlmann Bahnknoten Berlin Die Entwicklung des Berliner Eisenbahnnetzes seit 1838 Verlag GVE Berlin 2006 ISBN 3 89218 099 7 Burghard Ciesla Als der Osten durch den Westen fuhr Die Geschichte der Deutschen Reichsbahn in Westberlin Bohlau Koln 2006 ISBN 978 3 412 30505 5 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Verwaltung des ehemaligen Reichsbahnvermogens amp oldid 208549586, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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