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Verhaltensbeobachtung ist eine systematische Beobachtung und Registrierung von Verhaltensweisen (in der empirischen Sozialforschung, psychologischen Diagnostik und/oder in der Erziehungspraxis) bei Einzelpersonen, Kleingruppen oder auch größeren sozialen Gebilden, wiewohl die Methodik bei letzteren an ihre Grenzen stößt.

Verhaltensbeobachtung muss methodisch gut geplant und durchdacht sein, damit der Nutzen entsprechend ist. Anfänger neigen dazu, beobachtetes Verhalten zu werten. Wenn Wertungen überhandnehmen, sind die möglichen Ergebnisse der Verhaltensbeobachtung faktisch nutzlos, da ihre Aussagen mehr oder weniger subjektiv verfälscht und damit ungenau sind.

Für die Praxis in der Vorschulerziehung sind Verhaltensbeobachtungen sehr wichtiges Material, das im Team der Erziehenden ausgewertet und für die Gestaltung von Erziehungsprozessen genutzt werden kann. Gleichwohl ist die Verhaltensbeobachtung das "ungeliebte Kind" in Erziehungssituationen: Sie gilt wohl als Grundlage der Planung von Erziehung; doch kaum ein Erziehender organisiert sie konsequent oder systematisch.

Inhaltsverzeichnis

Beobachtung bezeichnet eine besonders aufmerksame oder zielgerichtete Wahrnehmung einer Person oder eines definierten Objekts und ihre Aufzeichnung, um eine genaue Kenntnis von einem Ablauf oder Zustand zu erhalten. Im Bereich der Diagnostik wird die Verhaltensbeobachtung zusätzlich zu anderen Verfahren aber auch als eigenständige Methode eingesetzt.

Hasemann (1964) legt Wert darauf, dass Verhaltensbeobachtung zielgerichtet auf eine oder mehrere Personen ausgelegt ist, um etwas für die "Persönlichkeit Charakteristisches" herauszufinden.

Die Möglichkeiten der Verhaltensbeobachtung sind vielfältig und orientieren sich auch an den Anlässen, an den zu beobachtenden Situationen und an der Phantasie desjenigen, der Verhaltensbeobachtung organisiert.

  • Die einfachste und naheliegende Methode ist der Beobachtungsbogen (Blatt mit Datum und Name der beobachteten Person), der Verhalten in einem bestimmten Zeitraum in einfachen und nicht wertenden Worten beschreibt. Der Vorteil dieser Methode liegt in der Praktikabilität und Verständlichkeit. Das Ausmaß der technischen Vorbereitung ist zudem überschaubar.
  • Eine andere (anspruchsvollere) Variante ist der schematisierte Beobachtungsbogen, der allerdings schon auf das zu beobachtende Verhalten einer Person abgestimmt ist bzw. sein muss.
  • Eine weitere Möglichkeit sind Karteikarten bzw. ein Karteikartensystem, das auch mit elektronischen Möglichkeiten gespeichert werden kann. Auf Karteikarten können regelmäßig (z. B. täglich) Beobachtungen zu einem Verhaltensschwerpunkt notiert werden, die nach Datum geordnet sind. Auch andere Ordnungsgesichtspunkte sind möglich (Verhalten im Spiel, Verhalten in Konflikten, Verhalten bei Aufgaben usw.).
  • Heute gut möglich sind Filmaufnahmen, die allerdings der Auswertung bedürfen und mit Datenschutzbestimmungen sehr präzise abgestimmt sein müssen. So einfach Filmaufnahmen heutzutage organisierbar sind, so schwierig gestaltet sich meist die Auswertung (auch die Bewertung für die pädagogische Arbeit) und die Speicherung und Ordnung des Filmmaterials.

Eine abweichende Variante ist das Soziogramm, das als Möglichkeit der Verhaltensbeobachtung von Kleingruppen definiert und praktiziert werden kann. In der Regel wird das Soziogramm jedoch nicht unter Verhaltensbeobachtung subsumiert.

Verhaltensbeobachtung wird häufig praktiziert und gerechtfertigt, wenn es um die Begründung bestimmter pädagogischer Methoden und um Fördermaßnahmen geht.

  • Will man ein Kind gezielt fördern, ist es grundsätzlich von Vorteil bzw. notwendig, dass man weiß, in welchen Bereichen es förderungswürdig ist (s. auch Entwicklungspsychologie).
  • Will der Erzieher aggressives Verhalten eines Kindes abbauen, tut er gut daran, das Vorkommen dieses für die Gruppe störende Verhalten genau zu lokalisieren bzw. zu beschreiben. Das kann in einer Verhaltensbeobachtung geschehen.
  • Ist ein Kind auffallend zurückgezogen, helfen meist Verhaltensbeobachtungen, um herauszufinden, in welchen Bereichen das Kind angesprochen werden kann.

Im Grunde ist eine effektive Förderung des Kindes nur möglich, wenn definiert worden ist, was zu fördern ist. Die Informationen für die exakte Definition der derzeitigen Situation eines Kindes/Jugendlichen kann mit Hilfe der Verhaltensbeobachtung erfolgen bzw. mit deren Auswertung.

In der Praxis gibt es verschiedene Varianten der Verhaltensbeobachtung. Sie hängen in der Regel damit zusammen, welche Erfahrungen in der jeweiligen Institution damit gemacht worden sind. Danach richten sich auch die Maßstäbe für die Bewertung (Auswertung) der einen oder anderen Methodenvariante.

Ein größeres Problem ist in der Tat, dass Verhaltensbeobachtung in den meisten öffentlichen Erziehungseinrichtungen nicht ernst genommen wird. Somit ist das Ausmaß an fundiertem Wissen über die zu erziehenden Kinder/Jugendlichen beschränkt. Zeitmangel ist die gängige Entschuldigung. Effektive Erziehungsbemühungen sind aber nur mit Hilfe einer genauen Verhaltensbeobachtung des Kindes/Jugendlichen möglich.

Andererseits sind Verhaltensänderungen (z. B. bei effektiver Förderung des Kindes) auch wiederum über Verhaltensbeobachtung nachweisbar oder zu belegen.

In der Psychologie unterscheidet man zwischen Selbst- und Fremdbeobachtung. Die Selbstbeobachtung könnte man auch Selbstreflexion nennen. Die Zeiten der großen und heftigen Methodendiskussionen zur Selbstbeobachtung aber sind längst vorbei.

Natürlich sind bei der Fremdbeobachtung Beobachter und Beobachteter nicht identisch (was bei der Selbstbeobachtung der Fall ist). Nimmt der Beobachtende z. B. an Gruppenprozessen teil, spricht man von teilnehmender Beobachtung; diese Art der Beobachtung ist methodisch jedoch umstritten (weil z. B. die Aufmerksamkeit des Beobachters leichter abgelenkt oder befangen gegenüber einzelnen Personen ist); sie gilt als unzuverlässig. Nimmt der Beobachter nicht am Geschehen teil, spricht man von nicht teilnehmender Beobachtung.

Der Brockhaus Psychologie (Leipzig) spricht zudem vom Unterschied zwischen Alltagsbeobachtung und wissenschaftlicher (bzw. planmäßiger) Beobachtung; letztere ist systematisch und ihre Auswertung erfolgt nach exakten und nachvollziehbaren Methoden. Sie diene der wissenschaftlichen Erkenntnis.

  • K. Hasemann: Verhaltensbeobachtung und Verhaltensbeurteilung in der psychologischen Diagnostik. Hogrefe, Göttingen 1964,DNB 451852192.
  • Norbert Kühne, Peter Wenzel: Praxisbuch Pädagogik: Beobachten Planen Erziehen im Kindergarten. Stam Verlag, Köln 2000, ISBN 3-8237-5857-8.
  • Jakob Levy Moreno: Gruppenpsychotherapie und Psychodrama. Thieme, Stuttgart 1988, ISBN 3-13-378703-9.
  • R. Pauli, W. Arnold: Psychologisches Praktikum. 7. Auflage. Band 1, Fischer, Stuttgart 1972, ISBN 3-437-00119-1.
  1. Hermann-Josef Fisseni: Lehrbuch der psychologischen Diagnostik. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Hogrefe, Göttingen 2004, ISBN 3-8017-1756-9,S.120.
  2. Norbert Kühne u. a.: Psychologie für Fachschulen und Fachoberschulen. 8. Auflage. Bildungsverlag EINS, Troisdorf 2006, S. 26 ff.
  3. Norbert Kühne, Peter Wenzel: Praxisbuch Pädagogik: Beobachten, Planen, Erziehen. Stam Verlag, Köln 2000, S. 1–14, 27–38, 39–52.

Verhaltensbeobachtung Sprache Beobachten Bearbeiten Verhaltensbeobachtung ist eine systematische Beobachtung und Registrierung von Verhaltensweisen in der empirischen Sozialforschung psychologischen Diagnostik und oder in der Erziehungspraxis bei Einzelpersonen Kleingruppen oder auch grosseren sozialen Gebilden wiewohl die Methodik bei letzteren an ihre Grenzen stosst Verhaltensbeobachtung muss methodisch gut geplant und durchdacht sein damit der Nutzen entsprechend ist Anfanger neigen dazu beobachtetes Verhalten zu werten Wenn Wertungen uberhandnehmen sind die moglichen Ergebnisse der Verhaltensbeobachtung faktisch nutzlos da ihre Aussagen mehr oder weniger subjektiv verfalscht und damit ungenau sind Fur die Praxis in der Vorschulerziehung sind Verhaltensbeobachtungen sehr wichtiges Material das im Team der Erziehenden ausgewertet und fur die Gestaltung von Erziehungsprozessen genutzt werden kann Gleichwohl ist die Verhaltensbeobachtung das ungeliebte Kind in Erziehungssituationen Sie gilt wohl als Grundlage der Planung von Erziehung doch kaum ein Erziehender organisiert sie konsequent oder systematisch Inhaltsverzeichnis 1 Definition 2 Methodik 3 Praxis 4 Unterscheidungen 5 Siehe auch 6 Literatur 7 EinzelnachweiseDefinition BearbeitenBeobachtung bezeichnet eine besonders aufmerksame oder zielgerichtete Wahrnehmung einer Person oder eines definierten Objekts und ihre Aufzeichnung um eine genaue Kenntnis von einem Ablauf oder Zustand zu erhalten Im Bereich der Diagnostik wird die Verhaltensbeobachtung zusatzlich zu anderen Verfahren aber auch als eigenstandige Methode eingesetzt 1 Hasemann 1964 legt Wert darauf dass Verhaltensbeobachtung zielgerichtet auf eine oder mehrere Personen ausgelegt ist um etwas fur die Personlichkeit Charakteristisches herauszufinden Methodik BearbeitenDie Moglichkeiten der Verhaltensbeobachtung sind vielfaltig und orientieren sich auch an den Anlassen an den zu beobachtenden Situationen und an der Phantasie desjenigen der Verhaltensbeobachtung organisiert Die einfachste und naheliegende Methode ist der Beobachtungsbogen Blatt mit Datum und Name der beobachteten Person der Verhalten in einem bestimmten Zeitraum in einfachen und nicht wertenden Worten beschreibt Der Vorteil dieser Methode liegt in der Praktikabilitat und Verstandlichkeit Das Ausmass der technischen Vorbereitung ist zudem uberschaubar Eine andere anspruchsvollere Variante ist der schematisierte Beobachtungsbogen der allerdings schon auf das zu beobachtende Verhalten einer Person abgestimmt ist bzw sein muss Eine weitere Moglichkeit sind Karteikarten bzw ein Karteikartensystem das auch mit elektronischen Moglichkeiten gespeichert werden kann Auf Karteikarten konnen regelmassig z B taglich Beobachtungen zu einem Verhaltensschwerpunkt notiert werden die nach Datum geordnet sind Auch andere Ordnungsgesichtspunkte sind moglich Verhalten im Spiel Verhalten in Konflikten Verhalten bei Aufgaben usw Heute gut moglich sind Filmaufnahmen die allerdings der Auswertung bedurfen und mit Datenschutzbestimmungen sehr prazise abgestimmt sein mussen So einfach Filmaufnahmen heutzutage organisierbar sind so schwierig gestaltet sich meist die Auswertung auch die Bewertung fur die padagogische Arbeit und die Speicherung und Ordnung des Filmmaterials Eine abweichende Variante ist das Soziogramm das als Moglichkeit der Verhaltensbeobachtung von Kleingruppen definiert und praktiziert werden kann In der Regel wird das Soziogramm jedoch nicht unter Verhaltensbeobachtung subsumiert Praxis BearbeitenVerhaltensbeobachtung wird haufig praktiziert und gerechtfertigt wenn es um die Begrundung bestimmter padagogischer Methoden und um Fordermassnahmen geht 2 Will man ein Kind gezielt fordern ist es grundsatzlich von Vorteil bzw notwendig dass man weiss in welchen Bereichen es forderungswurdig ist s auch Entwicklungspsychologie Will der Erzieher aggressives Verhalten eines Kindes abbauen tut er gut daran das Vorkommen dieses fur die Gruppe storende Verhalten genau zu lokalisieren bzw zu beschreiben Das kann in einer Verhaltensbeobachtung geschehen 3 Ist ein Kind auffallend zuruckgezogen helfen meist Verhaltensbeobachtungen um herauszufinden in welchen Bereichen das Kind angesprochen werden kann Im Grunde ist eine effektive Forderung des Kindes nur moglich wenn definiert worden ist was zu fordern ist Die Informationen fur die exakte Definition der derzeitigen Situation eines Kindes Jugendlichen kann mit Hilfe der Verhaltensbeobachtung erfolgen bzw mit deren Auswertung In der Praxis gibt es verschiedene Varianten der Verhaltensbeobachtung Sie hangen in der Regel damit zusammen welche Erfahrungen in der jeweiligen Institution damit gemacht worden sind Danach richten sich auch die Massstabe fur die Bewertung Auswertung der einen oder anderen Methodenvariante Ein grosseres Problem ist in der Tat dass Verhaltensbeobachtung in den meisten offentlichen Erziehungseinrichtungen nicht ernst genommen wird Somit ist das Ausmass an fundiertem Wissen uber die zu erziehenden Kinder Jugendlichen beschrankt Zeitmangel ist die gangige Entschuldigung Effektive Erziehungsbemuhungen sind aber nur mit Hilfe einer genauen Verhaltensbeobachtung des Kindes Jugendlichen moglich Andererseits sind Verhaltensanderungen z B bei effektiver Forderung des Kindes auch wiederum uber Verhaltensbeobachtung nachweisbar oder zu belegen Unterscheidungen BearbeitenIn der Psychologie unterscheidet man zwischen Selbst und Fremdbeobachtung Die Selbstbeobachtung konnte man auch Selbstreflexion nennen Die Zeiten der grossen und heftigen Methodendiskussionen zur Selbstbeobachtung aber sind langst vorbei Naturlich sind bei der Fremdbeobachtung Beobachter und Beobachteter nicht identisch was bei der Selbstbeobachtung der Fall ist Nimmt der Beobachtende z B an Gruppenprozessen teil spricht man von teilnehmender Beobachtung diese Art der Beobachtung ist methodisch jedoch umstritten weil z B die Aufmerksamkeit des Beobachters leichter abgelenkt oder befangen gegenuber einzelnen Personen ist sie gilt als unzuverlassig Nimmt der Beobachter nicht am Geschehen teil spricht man von nicht teilnehmender Beobachtung Der Brockhaus Psychologie Leipzig spricht zudem vom Unterschied zwischen Alltagsbeobachtung und wissenschaftlicher bzw planmassiger Beobachtung letztere ist systematisch und ihre Auswertung erfolgt nach exakten und nachvollziehbaren Methoden Sie diene der wissenschaftlichen Erkenntnis Siehe auch BearbeitenPsychologische DiagnostikLiteratur BearbeitenK Hasemann Verhaltensbeobachtung und Verhaltensbeurteilung in der psychologischen Diagnostik Hogrefe Gottingen 1964 DNB 451852192 Norbert Kuhne Peter Wenzel Praxisbuch Padagogik Beobachten Planen Erziehen im Kindergarten Stam Verlag Koln 2000 ISBN 3 8237 5857 8 Jakob Levy Moreno Gruppenpsychotherapie und Psychodrama Thieme Stuttgart 1988 ISBN 3 13 378703 9 R Pauli W Arnold Psychologisches Praktikum 7 Auflage Band 1 Fischer Stuttgart 1972 ISBN 3 437 00119 1 Einzelnachweise Bearbeiten Hermann Josef Fisseni Lehrbuch der psychologischen Diagnostik 3 uberarbeitete und erweiterte Auflage Hogrefe Gottingen 2004 ISBN 3 8017 1756 9 S 120 Norbert Kuhne u a Psychologie fur Fachschulen und Fachoberschulen 8 Auflage Bildungsverlag EINS Troisdorf 2006 S 26 ff Norbert Kuhne Peter Wenzel Praxisbuch Padagogik Beobachten Planen Erziehen Stam Verlag Koln 2000 S 1 14 27 38 39 52 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Verhaltensbeobachtung amp oldid 212365230, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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