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Der Vene Rahvuslik Liit Eestis (russisch Русский национальный союз в Эстонии; zu deutsch Russischer Nationalverband in Estland) war eine Partei der russischen Bevölkerung im Estland der Zwischenkriegszeit.

Inhaltsverzeichnis

Am 24. Februar 1918 rief die Republik Estland ihre Loslösung von Russland und ihre staatliche Souveränität aus. Ab Ende 1918 versuchten sowjetrussische Truppen die gewaltsame Rückeroberung des Landes und die Errichtung einer bolschewistischen Herrschaft. Estland setzte sich im folgenden Estnischen Freiheitskrieg erfolgreich zur wehr. Im Friedensvertrag von Tartu vom 2. Februar 1920 erkannte Sowjetrussland die Unabhängigkeit Estlands „auf alle Zeiten“ an.

Anfang April 1919 wählte die Republik Estland eine verfassungsgebende Versammlung (Asutav Kogu). Sie arbeitete eine demokratische Verfassung aus, die die Grundlage einer rechtsstaatlichen Republik nach westlichem Muster bildete.

Die russischsprachige Bevölkerung stellte Anfang der 1920er Jahre mit 8,2 % mit Abstand die größte (nationale) Minderheit im Land, gefolgt von Deutsch-Balten (1,7 %), Estlandschweden (0,7 %), Juden (0,4 %), Letten und Roma. Mit der Gründung der Republik Estland stellte sich somit auch die Frage ihrer politischen Repräsentation in der jungen estnischen Demokratie.

Die (dritte) Provisorische Regierung unter Ministerpräsident Konstantin Päts ernannte je einen Minister für die russische, deutschbaltische und schwedische Minderheit. Sie amtierte vom 27. November 1918 bis zum 9. Mai 1919. Russischer Vertreter war der junge Tallinner Anwalt Aleksei Sorokin (1888–1933). Er blieb bis zu seinem Tod einer der bedeutendsten politischen Repräsentanten der Russen in Estland. Parteipolitisch gehörte er zunächst der kurzlebigen „Versammlung der russischen Staatsbürger“ (estnisch Vene Kodanikkude Kogu, russisch Собрание русских граждан) an.

Sorokin war 1920 einer der Gründer des Russischen Nationalverbands in Estland (Vene Rahvuslik Liit). Die Partei war als einzige russische Partei während des gesamten Bestehens der estnischen Demokratie im Parlament (Riigikogu) vertreten.

Bei der Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung (Asutav Kogu) der Republik Estland, die im April 1919 stattfand, wurde Sorokin als einziger Angehöriger der russischen Minderheit in die Konstituante gewählt. Er nahm dort an der Ausarbeitung der estnischen Verfassung teil. Allerdings gehörte Sorokin – gemeinsam mit den drei deutschbaltischen Abgeordneten – nicht zu den Unterzeichnern der estnischen Unabhängigkeitserklärung vom 19. Mai 1919; er enthielt sich der Stimme.

Bei der ersten Parlamentswahl der jungen Republik, die Ende November 1920 stattfand, gelang Sorokin als einzigem Russen der Einzug in die Legislative.

Der Russische Nationalverband in Estland war als Partei Mitte-rechts orientiert. Es gelang ihm während der Zwischenkriegszeit nicht, die durch große soziale Unterschiede fragmentierte Minderheit in einer Partei oder Vereinigung zu versammeln, wie dies etwa bei den Deutsch-Balten der Fall war. Zu stark waren die Interessengegensätze innerhalb der russischen Minderheit. Neben einer kleinen städtischen Elite gehörten zur russischen Minderheit auch weite Teile der Arbeiterschaft im Nordosten des Landes um die industrialisierte Doppelstadt Narva/Iwangorod (estnisch Jaanilinn) und die ländliche Bevölkerung im Südosten im Kreis Petserimaa. Hinzu kamen russische Emigranten, die nach der Machtübernahme der Bolschewiki in Russland ins estnische Exil geflohen waren. Am Peipussee lebten die Altgläubigen, die vor der religiösen Verfolgung im russischen Zarenreich geflohen waren, als Fischer und Bauern. Daneben gelang es den estnischen Parteien, auch für russische Wähler attraktiv zu sein.

Bei den Parlamentswahlen der Jahre 1923, 1926 und 1932 schloss der Russische Nationalverband meist kurzlebige Wahlbündnisse mit anderen russischen Parteien in Estland. Nach Mai 1919 war keine russische Partei mehr an einer Regierungskoalition beteiligt.

Wahl Legislaturperiode Stimmen Abgeordnete
(Asutav Kogu=120 Mandate)
(Riigikogu=100 Mandate)
Estnischer Name Deutsche Übersetzung
1919 Asutav Kogu 1,2 % 1 Vene Kodanikkude Kogu Versammlung der russischen Staatsbürger
1920 1. Riigikogu 1,8 % 1 Vene Rahvuslik Liit Eestis Russischer Nationalverband in Estland
1923 2. Riigikogu 4,1 % 4 Vene ühendatud parteid Vereinigte russische Parteien (Wahlbündnis)
1926 3. Riigikogu 3,3 % 3 Vene Rahva ühendatud nimekiri Vereinigte Liste des russischen Volkes (Wahlbündnis)
1929 4. Riigikogu 2,5 % 2 Vene Rahvuslik Liit Eestis Russischer Nationalverband in Estland
1932 5. Riigikogu 7,5 % 8 Vene Rahvuslik Liit Eestis; Vene Pahempoolsete Sotsialistide ja Talupidajate Koondus Russischer Nationalverband in Estland; Russische Vereinigung linksgerichteter Sozialisten und Bauern (Wahlbündnis)
  1. Sulev Vahtre (Hrsg.): Eesti Ajalugu. Band 6: Vabadussõjast Taasiseseisvumiseni. Ilmamaa, Tartu 2005, ISBN 9985-77-142-7, S. 68.

Vene Rahvuslik Liit Eestis Sprache Beobachten Bearbeiten Der Vene Rahvuslik Liit Eestis russisch Russkij nacionalnyj soyuz v Estonii zu deutsch Russischer Nationalverband in Estland war eine Partei der russischen Bevolkerung im Estland der Zwischenkriegszeit Inhaltsverzeichnis 1 Hintergrund 2 Partei 3 Wahlergebnisse 4 EinzelnachweiseHintergrund BearbeitenAm 24 Februar 1918 rief die Republik Estland ihre Loslosung von Russland und ihre staatliche Souveranitat aus Ab Ende 1918 versuchten sowjetrussische Truppen die gewaltsame Ruckeroberung des Landes und die Errichtung einer bolschewistischen Herrschaft Estland setzte sich im folgenden Estnischen Freiheitskrieg erfolgreich zur wehr Im Friedensvertrag von Tartu vom 2 Februar 1920 erkannte Sowjetrussland die Unabhangigkeit Estlands auf alle Zeiten an Anfang April 1919 wahlte die Republik Estland eine verfassungsgebende Versammlung Asutav Kogu Sie arbeitete eine demokratische Verfassung aus die die Grundlage einer rechtsstaatlichen Republik nach westlichem Muster bildete Die russischsprachige Bevolkerung stellte Anfang der 1920er Jahre mit 8 2 mit Abstand die grosste nationale Minderheit im Land gefolgt von Deutsch Balten 1 7 Estlandschweden 0 7 Juden 0 4 Letten und Roma Mit der Grundung der Republik Estland stellte sich somit auch die Frage ihrer politischen Reprasentation in der jungen estnischen Demokratie Partei BearbeitenDie dritte Provisorische Regierung unter Ministerprasident Konstantin Pats ernannte je einen Minister fur die russische deutschbaltische und schwedische Minderheit Sie amtierte vom 27 November 1918 bis zum 9 Mai 1919 Russischer Vertreter war der junge Tallinner Anwalt Aleksei Sorokin 1888 1933 Er blieb bis zu seinem Tod einer der bedeutendsten politischen Reprasentanten der Russen in Estland Parteipolitisch gehorte er zunachst der kurzlebigen Versammlung der russischen Staatsburger estnisch Vene Kodanikkude Kogu russisch Sobranie russkih grazhdan an Sorokin war 1920 einer der Grunder des Russischen Nationalverbands in Estland Vene Rahvuslik Liit Die Partei war als einzige russische Partei wahrend des gesamten Bestehens der estnischen Demokratie im Parlament Riigikogu vertreten Bei der Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung Asutav Kogu der Republik Estland die im April 1919 stattfand wurde Sorokin als einziger Angehoriger der russischen Minderheit in die Konstituante gewahlt Er nahm dort an der Ausarbeitung der estnischen Verfassung teil Allerdings gehorte Sorokin gemeinsam mit den drei deutschbaltischen Abgeordneten nicht zu den Unterzeichnern der estnischen Unabhangigkeitserklarung vom 19 Mai 1919 er enthielt sich der Stimme Bei der ersten Parlamentswahl der jungen Republik die Ende November 1920 stattfand gelang Sorokin als einzigem Russen der Einzug in die Legislative Der Russische Nationalverband in Estland war als Partei Mitte rechts orientiert Es gelang ihm wahrend der Zwischenkriegszeit nicht die durch grosse soziale Unterschiede fragmentierte Minderheit in einer Partei oder Vereinigung zu versammeln wie dies etwa bei den Deutsch Balten der Fall war 1 Zu stark waren die Interessengegensatze innerhalb der russischen Minderheit Neben einer kleinen stadtischen Elite gehorten zur russischen Minderheit auch weite Teile der Arbeiterschaft im Nordosten des Landes um die industrialisierte Doppelstadt Narva Iwangorod estnisch Jaanilinn und die landliche Bevolkerung im Sudosten im Kreis Petserimaa Hinzu kamen russische Emigranten die nach der Machtubernahme der Bolschewiki in Russland ins estnische Exil geflohen waren Am Peipussee lebten die Altglaubigen die vor der religiosen Verfolgung im russischen Zarenreich geflohen waren als Fischer und Bauern Daneben gelang es den estnischen Parteien auch fur russische Wahler attraktiv zu sein Bei den Parlamentswahlen der Jahre 1923 1926 und 1932 schloss der Russische Nationalverband meist kurzlebige Wahlbundnisse mit anderen russischen Parteien in Estland Nach Mai 1919 war keine russische Partei mehr an einer Regierungskoalition beteiligt Wahlergebnisse BearbeitenWahl Legislaturperiode Stimmen Abgeordnete Asutav Kogu 120 Mandate Riigikogu 100 Mandate Estnischer Name Deutsche Ubersetzung1919 Asutav Kogu 1 2 1 Vene Kodanikkude Kogu Versammlung der russischen Staatsburger1920 1 Riigikogu 1 8 1 Vene Rahvuslik Liit Eestis Russischer Nationalverband in Estland1923 2 Riigikogu 4 1 4 Vene uhendatud parteid Vereinigte russische Parteien Wahlbundnis 1926 3 Riigikogu 3 3 3 Vene Rahva uhendatud nimekiri Vereinigte Liste des russischen Volkes Wahlbundnis 1929 4 Riigikogu 2 5 2 Vene Rahvuslik Liit Eestis Russischer Nationalverband in Estland1932 5 Riigikogu 7 5 8 Vene Rahvuslik Liit Eestis Vene Pahempoolsete Sotsialistide ja Talupidajate Koondus Russischer Nationalverband in Estland Russische Vereinigung linksgerichteter Sozialisten und Bauern Wahlbundnis Einzelnachweise Bearbeiten Sulev Vahtre Hrsg Eesti Ajalugu Band 6 Vabadussojast Taasiseseisvumiseni Ilmamaa Tartu 2005 ISBN 9985 77 142 7 S 68 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Vene Rahvuslik Liit Eestis amp oldid 196899531, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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