fbpx
Wikipedia

Unregelmäßige Verben (auch irreguläre Verben genannt,lateinischVerba irregularia‚unregelmäßige Zeitwörter‘) sind Verben, deren Stammformen – im Gegensatz zu regelmäßigen Verben – nicht vollständig aufgrund von Regeln aus dem Infinitiv oder einer anderen Nennform abgeleitet werden können.

Inhaltsverzeichnis

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst undgute Belege einfügst.

Da die Unterscheidung zwischen regelmäßigen und unregelmäßigen Verben in der Sprachwissenschaft nicht einheitlich gehandhabt wird, können Verben aus folgenden Gruppen als unregelmäßig aufgefasst werden:

Starke Verben werden in der deutschen Sprache oft selbstverständlich als unregelmäßig angesehen; dabei ist es umstritten, ob sie unregelmäßig sind, denn das System der starken Verben war – genauso wie das der schwachen – ursprünglich völlig regelmäßig, aber die Zahl der Ausnahmen und die Spaltung der sieben Klassen in Untergruppen führt dazu, dass man der Einfachheit halber im Sprachunterricht alle starken Verben als unregelmäßig betrachtet. Eigentlich lassen sie sich aber auch heute noch von vier (in seltenen Fällen fünf) Stammformen ableiten. Beispielsweise hat das Verb werfen folgende fünf Stammformen, von denen sich alle weiteren Verbformen ableiten lassen: werfen, wirft, warf, würfe, geworfen. Die Konjunktivform (wie würfe) wird, bei einem Großteil der Verben, aus dem Präteritum (eventuell mittels Umlautung, wie es klänge aus es klang) gebildet und fällt daher in den meisten Fällen als zusätzliche Nennform weg.

In Bezug auf die germanischen Sprachen werden die Ausdrücke unregelmäßiges Verb und starkes Verb meist folgendermaßen unterschieden:

Ein starkes Verb ist ausschließlich durch den Ablaut (d. h. die Veränderung des Vokals im Wortstamm) in seinen Stammformen gekennzeichnet. Diese Veränderungen folgen gewissen Regelmäßigkeiten, weshalb diese Verben im Grunde irrtümlich „unregelmäßig“ genannt werden. So werden die beiden Stammformreihen reiten – reite – ritt – geritten und streiten – streite – stritt – gestritten nach den gleichen Regeln geformt. Auch leiden folgt diesem Muster. Wenn im Infinitiv also /ei/ als Stammvokal auftritt, folgt ein starkes Verb diesem Schema. (Vergleiche im Gegensatz dazu sein, das ein echtes unregelmäßiges Verb ist.) Insgesamt lassen sich nach Schmidt bei den starken Verben acht Arten der Bildung der Stammformreihen ausmachen, wobei die achte Reihe (in sich ebenfalls äußerst systematisch und auch aus sprachgeschichtlichen Gründen geeignet, an die Stelle des Systems der schwachen Verben zu treten) die sonst regelmäßige Systematik zerstört.

Beispiele für regelmäßige Verben in den Stammformreihen nach Schmidt (1996)
  1. reiten – reite – ritt – geritten und streiten – streite – stritt – gestritten
  2. biegen – biege – bog – gebogen und wiegen – wiege – wog – gewogen
  3. binden – binde – band – gebunden und finden – finde – fand – gefunden
  4. nehmen – nehme – nahm – genommen und treffen – treffe – traf – getroffen
  5. geben – gebe – gab – gegeben und sehen – sehe – sah – gesehen
  6. graben – grabe – grub – gegraben und fahren – fahre – fuhr – gefahren
  7. heben – hebe – hob – gehoben und weben – webe – wob – gewoben
  8. halten – halte – hielt – gehalten und heißen – heiße – hieß – geheißen

Im Übrigen eint diese Verben auch ein gemeinsames, in sich regelmäßiges Endungsschema des Präsens, Präteritum sowie des aus letzterem abgeleiteten Konjunktiv II, ebenso des Partizip II auf Endung -en und (wie bei allen Verben außer dem Verb sein) des Konjunktiv I. Auch gehen, stehen, werden (vgl. unten) folgen demselben Schema, und war – gewesen enden ebenfalls gleich. Das heute gebräuchliche Präteritum des Verbs werden weicht hier ab und ist dem Konjunktiv II angeglichen. Bei denken usw. (vgl. unten) kommt das Endungsschema der schwachen Verben zum tragen, ebenso beim Präteritum und Partizip II von dürfen etc. Ein übergestülptes Etikett "unregelmäßig" erscheint im Sprachunterricht in all diesen Fällen kontraproduktiv. Der Begriff "unregelmäßig", als ein auf die Bildungsweise der Stammformen bezogener, bleibt so der linguistischen Betrachtung vorbehalten.

Unregelmäßige Verben können nach obiger genauerer Unterscheidung nur Verben sein:

  • die ihre Stammformen nicht nach einer erkennbaren Systematik bilden,
  • bei denen bestimmte Formen fehlen und/oder
  • die von vorhandenen Systematiken durch Ausnahmeerscheinungen abweichen.

Unregelmäßige Verben folgen bei der Konjugation eigenen, individuellen Wegen. Keine Systematik ist etwa bei der Reihe sein – bin – war – gewesen zu erkennen. Genauso bei haben – habe – hatte – gehabt. Fehlende Formen treten bei den sechs Modalverben (können, wollen, sollen, dürfen, müssen, mögen) auf: Ihnen fehlen die Imperativformen (Singular und Plural; bei wollen sind die entsprechenden Formen immerhin vereinzelt anzutreffen). Mit Ausnahme von sollen, das der schwachen Konjugation folgt, bilden sie auch ihre Stammformen unregelmäßig. wollen geht auf ein Wurzelverb zurück, die restlichen sind Präteritopräsentien. Diese Präteritopräsentien haben eine alte Präteritumsform im Präsens und einen Dentalsuffix {-t(e)-} im Präteritum (können – kann – konnte – gekonnt). Bei den sogenannten rückumlautenden Verben wie denken, kennen, nennen, brennen usw. wird der Stammvokal geändert, und gleichzeitig werden auch hier die typischen Dentalsuffix-Endungen der schwachen Verben an den Wortstamm gehängt. Unregelmäßig sind ferner gehen, stehen (Wurzelverben mit Stammsuppletion), wissen (Präteritopräsens), werden. Einige Grammatiken, die die deutsche Gegenwartssprache überwiegend synchron betrachten, fassen sowohl starke als auch die hier aufgezählten Verben als unregelmäßige Verben zusammen.

Möglichkeiten für Unregelmäßigkeiten im tieferen Sinne, bilden in der deutschen Sprache also:

  • die Verwendung verschiedener Wortstämme oder Wurzeln für verschiedene Formen (b-ins-indwar/ge-wes-en) (Suppletion),
  • die Verwendung eines alten Präteritums als Präsens (Präteritopräsentien),
  • sowie der Rückumlaut.

Herkunft und Verteilung unregelmäßiger Verben

Historisch gesehen bildet die Gruppe der starken Verben den Grundbestand der germanischen Verben, die sich hauptsächlich von indogermanischen primären Verbbildungen herleiten. Die schwache Konjugation mithilfe von Dentalsuffixen entstand, um Verben, die in dieses primäre System nicht hineinpassten, flektieren zu können. Die ältesten Beispiele finden sich unter anderem bei den sogenannten Präteritopräsentien. Zu diesen Verben gehören außerdem Kausative mit dem Suffix germanisch *-ja und Wurzelablaut (zum Beispiel setzen < *satjana- zu sitzen), denominale Verben (Suffix *-ôja, zum Beispiel althochdeutsch salbôn) und Stative (Suffix *-ai, zum Beispiel althochdeutsch habên). Einige schwache Verben weisen verschiedene Besonderheiten auf und gehören daher auch zu den unregelmäßigen Verben. Während die meisten Verben in der deutschen Sprache regelmäßig sind, sind viele der am häufigsten gebrauchten Verben unregelmäßig. Umgekehrt sind fast alle seltenen Verben regelmäßig, und neue Verben werden ebenfalls regelmäßig gebildet.

Die Anzahl der unregelmäßigen Verben geht in der deutschen Sprache leicht zurück. Das Mittelhochdeutsche besaß weit mehr solcher Verben, so hieß es damals z. B. noch ball statt bellte, gedacht oder gedact statt gedeckt. Auch die Formen buk statt backte und gesotten statt gesiedet sind gegenwärtig wenig gebräuchlich. Die Zahl der unregelmäßigen Verben liegt heute zwischen 200 und 300 (ohne Derivationen).

Zwar werden meistens starke Formen schwach, doch „der umgekehrte Weg ist keineswegs verstellt“, wie der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg erläutert. Einige wenige ursprünglich schwache Verben schlossen sich erst später der starken Konjugation an, so etwa preisen (denominativ zu Preis), zu dem noch frühneuhochdeutsch das Präteritum preisete gebildet wurde. Ganz ähnlich entwickelten einige Verben, die ursprünglich ein regelmäßiges Partizip hatten, im Lauf der Zeit ein unregelmäßiges Partizip. Beispiele dafür sind scheinen (früher gescheint, heute geschienen) und verderben (früher verderbt, heute verdorben). Für winken existieren gegenwärtig zwei Partizipien: Zum einen findet man die ursprüngliche Form gewinkt, zum anderen die neuere Form gewunken.

Aufgrund von Analogie gibt es auch heute noch Neubildungen starker Verben, z. B. schweizerdeutsch tüüscht > tosche (getäuscht), gschtimmt > gschtumme (gestimmt), gmäldet > gmolde/gmulde (gemeldet), niederländisch gewuifd > gewoven (gewinkt/gewunken), gevrijd > gevreeën (miteinander geschlafen), gebreid > gebreeën (gestrickt), geërfd > georven (geerbt), englisch dragged > drug (schleppte, geschleppt), sneaked > snuck (schlich, geschlichen), schwedisch bytte > böt (wechselte), knyckte > knöck, lyste > lös (leuchtete), myste > mös (lächelte), pyste > pös, ryckte > röck (riss), tryckte > tröck (drückte), norwegisch spydde > spøy (spie, spuckte), mista/mistet > mast (verlor), muste (verloren) und einige weitere. Da aber die heutigen Standardsprachen präskriptiv ausgerichtet und sehr verfestigt sind, haben es diese Neuerungen schwer, auch in der geschriebenen Sprache anerkannt zu werden.

Die Formen unregelmäßiger Verben werden nach Steven Pinker und anderen Psycholinguisten einzeln im Gedächtnis abgespeichert, während für die regelmäßigen Verben entsprechende Regeln gespeichert werden. Unregelmäßige Verben werden heute nur in Ausnahmefällen noch neu gebildet. Beim Konjugieren der Verben werde zunächst gesucht, ob ein unregelmäßiges Verb vorhanden sei. Ist das nicht der Fall, so werde im Normalfall das Verb regelmäßig konjugiert. Wenn ein unregelmäßiges Verb lange nicht genutzt worden sei, so verschwinde es aus dem Gedächtnis und ein regelmäßiges Bildungsmuster trete an dessen Stelle. Andere Forscher nehmen an, dass unregelmäßige Verben in einem Musterassoziativspeicher gespeichert werden und nach Ähnlichkeit der Muster gebildet werden. Durch neue Verfahren, wie genaue Zeitmessungen und bildliche Echtzeitdarstellung der Arbeit des Gehirns ist zu erwarten, dass einige der Theorien falsifiziert werden können.

Kinder neigen in einem bestimmten Alter während des Spracherwerbs dazu, auch unregelmäßige Verben wie regelmäßige zu verwenden, obwohl sie zuvor schon die richtigen unregelmäßigen Formen benutzt hatten. Das tritt dann ein, wenn sie die Regeln entdecken.

Die heute unregelmäßigen Verben beruhen auf früher regelmäßigen Strukturen, bei denen die Verbformen durch regelmäßige Vokaländerungen gebildet wurden.

Die Anzahl an unregelmäßigen Verben in den jeweiligen Sprachen ist nur schwer bestimmbar, da sich der Begriff unregelmäßig unterschiedlich verstehen lässt. Im Deutschen kann man das anhand der starken Verben sehen, die eigentlich alle einem alten Schema folgen und sich von maximal fünf Nennformen ableiten lassen. Trotzdem werden sie heute auch oft als unregelmäßig bezeichnet.

Wenn man im Lateinischen von unregelmäßigen Verben spricht, sind entweder die acht unten aufgeführten Verben gemeint oder rund 900 Verben, die oft in Gruppen einem ähnlichen Schema folgen, wie das Dehnungsperfekt, unter welches beispielsweise das lateinische Verb vincere („gewinnen“) fällt.

Bei der Zählung unregelmäßiger Verben müssen auch Derivationen (wie etwa an-kommen) beachtet werden. Sie sollten im Normalfall nicht als weiteres unregelmäßiges Verb gezählt werden.

Die folgende Tabelle vergleicht die Anzahl der unregelmäßigen Verben in den verschiedenen Sprachen. Da sich der Begriff unregelmäßig unterschiedlich verstehen lässt, sind hier drei Spalten, für drei Typen von „unregelmäßig“ angelegt:

  • Verben des Typs 1 weisen keine direkt vergleichbaren Verben auf oder lassen sich nicht von regulären Nennformen ableiten
  • Verben des Typs 2 werden nicht nach den meistverbreiteten Flexionsarten gebeugt (z. B. im Deutschen starke Verben)
  • Verben des Typs 3 beinhaltet zusätzlich Derivationen (z. B. Präfixbildungen) von Verben des Typs 1 und 2, sie werden in regulären Zählungen meist nicht beachtet.
Sprache Anzahl (s. o.) Liste Typ 1-Verben Anmerkungen
Typ 1 Typ 2 Typ 3
Neugriechisch >500 [el] 235 Konjugationsschemata, näheres im Artikel
Italienisch 8 >400 1244 [it] essere, avere, andare, stare, dare, fare, bere, porre
Niederländisch 11 273 >500 [nl] zijn, hebben, kunnen, moeten, mogen, weten, willen, zullen, zeggen, houden, snijden → meist dieselben Verben wie im Deutschen
Englisch 114 223 562 [en] be, do, have, make, must, ought, can, may, will, shall jeweils Zählung aus Wikipedia (en) am 15. Februar 2014
Russisch 9-10 220 [ru] быть, дать, создать, есть, надоесть, ссать (alt. сцать), хотеть, бежать, брезжить (+чтить) nach Daum/Schenk oder 38 isolierte Verben plus 11 unproduktive Gruppen nach Kirschbaum
Deutsch 10 209 ~3000 [de] sein, haben, gehen, stehen, dürfen, können, mögen, müssen, wissen, wollen jeweils Zählung aus Liste starker Verben (deutsche Sprache)
Lateinisch 8 207 924 [la] esse, posse, ire, velle, nolle, malle, ferre, fieri, edere
Schwedisch ~180 [sv] Quelle: [1]
Dänisch 4 ~100 [da] være, ville, gå, stå Quelle: [2]
Polnisch 88 [pl]
Französisch 5 80 570 [fr] 3. Spalte: Zahl der Verben in der dritten Gruppe nach Le Nouveau Bescherelle
Spanisch 4 59 1530 [es] ser, ir, haber, estar Laut Langenscheidts Wörterbuch 59, plus jeweils weitere nach dem gleichen Muster zu konjugierende Verben
Ungarisch 17 Quelle: [3], Aufzählung in vorhergehenden Seiten
Färöisch ~15
Gälisch 11
Türkisch 7 ditmek, etmek, gitmek, gütmek, tatmak, demek, yemek
Lettisch 3
Japanisch 2 [ja] する ‚suru‘, くる ‚kuru
Quechua 0
Esperanto 0 wie die meisten Plansprachen
  • Manfred Faust: Morphologische Regularisierung in Sprachwandel und Spracherwerb. In: Folia Linguistica 14, 1980, S. 387–411. S. 400–404 wird der Übergang starker Verben in die Klasse der schwachen Verben dargestellt.
  • Helmut Glück, Wolfgang Werner Sauer: Gegenwartsdeutsch. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 1997, ISBN 3-476-12252-2.
  • Steven Pinker: Words and Rules. The Ingredients of Language. 1999 (dt.: Wörter und Regeln. Die Natur der Sprache. Heidelberg/Berlin 2000, ISBN 3-8274-0297-2.)
  • Wilhelm Schmidt: Geschichte der deutschen Sprache. 7., verbesserte Auflage. Hirzel, Stuttgart 1996, ISBN 3-7776-0720-7, S. 191–203 sowie S. 241–253 und S. 309–323.
Wiktionary: unregelmäßiges Verb – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Unregelmäßige Konjugation im Deutschen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  1. Vergleiche u. a. Duden. Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. 4. Auflage. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1984 (Duden Bd. 4), S. 123–143, insbesondere werden dort unter der „Liste aller unregelmäßigen Verben“ (S. 133–143) u. a. denken und brennen neben den starken Verben aufgeführt.
  2. Karl-Heinz Best: Spracherwerb, Sprachwandel und Wortschatzwachstum in Texten. Zur Reichweite des Piotrowski-Gesetzes. In: Glottometrics 2003, 6, 9–34. Der Beitrag stellt S. 12–14 dar, wie viele starke Verben je Jahrhundert in der Zeit zwischen dem 12. und 20. Jahrhundert schwach geworden sind und dass dieser Prozess gemäß dem sogenannten Piotrowski-Gesetz, also gesetzmäßig, verläuft.
  3. Eisenberg, Peter: Gesotten und gesiedet. Süddeutsche Zeitung, 11. November 2006.
Normdaten (Sachbegriff): GND:4186947-3(OGND, AKS)

Unregelmassiges Verb Verb dessen Konjugation nicht dem typischen Schema entspricht Sprache Beobachten Bearbeiten Unregelmassige Verben auch irregulare Verben genannt lateinisch Verba irregularia unregelmassige Zeitworter sind Verben deren Stammformen im Gegensatz zu regelmassigen Verben nicht vollstandig aufgrund von Regeln aus dem Infinitiv oder einer anderen Nennform abgeleitet werden konnen Inhaltsverzeichnis 1 Unregelmassige Verben im Deutschen 1 1 Herkunft und Verteilung unregelmassiger Verben 2 Psycholinguistische Betrachtung 3 Die Anzahl der unregelmassigen Verben in verschiedenen Sprachen 4 Siehe auch 5 Literatur 6 Weblinks 7 EinzelnachweiseUnregelmassige Verben im Deutschen BearbeitenDieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen beispielsweise Einzelnachweisen ausgestattet Angaben ohne ausreichenden Beleg konnten demnachst entfernt werden Bitte hilf Wikipedia indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfugst Da die Unterscheidung zwischen regelmassigen und unregelmassigen Verben in der Sprachwissenschaft nicht einheitlich gehandhabt wird konnen Verben aus folgenden Gruppen als unregelmassig aufgefasst werden suppletive Verben wie sein und gehen Prateritoprasentia wie mussen und durfen Ruckumlautverben wie brennen und kennen starke Verben wie schreiben und trinken Starke Verben werden in der deutschen Sprache oft selbstverstandlich als unregelmassig angesehen dabei ist es umstritten ob sie unregelmassig sind denn das System der starken Verben war genauso wie das der schwachen ursprunglich vollig regelmassig aber die Zahl der Ausnahmen und die Spaltung der sieben Klassen in Untergruppen fuhrt dazu dass man der Einfachheit halber im Sprachunterricht alle starken Verben als unregelmassig betrachtet Eigentlich lassen sie sich aber auch heute noch von vier in seltenen Fallen funf Stammformen ableiten Beispielsweise hat das Verb werfen folgende funf Stammformen von denen sich alle weiteren Verbformen ableiten lassen werfen wirft warf wurfe geworfen Die Konjunktivform wie wurfe wird bei einem Grossteil der Verben aus dem Prateritum eventuell mittels Umlautung wie es klange aus es klang gebildet und fallt daher in den meisten Fallen als zusatzliche Nennform weg In Bezug auf die germanischen Sprachen werden die Ausdrucke unregelmassiges Verb und starkes Verb meist folgendermassen unterschieden Ein starkes Verb ist ausschliesslich durch den Ablaut d h die Veranderung des Vokals im Wortstamm in seinen Stammformen gekennzeichnet Diese Veranderungen folgen gewissen Regelmassigkeiten weshalb diese Verben im Grunde irrtumlich unregelmassig genannt werden So werden die beiden Stammformreihen reiten reite ritt geritten und streiten streite stritt gestritten nach den gleichen Regeln geformt Auch leiden folgt diesem Muster Wenn im Infinitiv also ei als Stammvokal auftritt folgt ein starkes Verb diesem Schema Vergleiche im Gegensatz dazu sein das ein echtes unregelmassiges Verb ist Insgesamt lassen sich nach Schmidt bei den starken Verben acht Arten der Bildung der Stammformreihen ausmachen wobei die achte Reihe in sich ebenfalls ausserst systematisch und auch aus sprachgeschichtlichen Grunden geeignet an die Stelle des Systems der schwachen Verben zu treten die sonst regelmassige Systematik zerstort Beispiele fur regelmassige Verben in den Stammformreihen nach Schmidt 1996 reiten reite ritt geritten und streiten streite stritt gestritten biegen biege bog gebogen und wiegen wiege wog gewogen binden binde band gebunden und finden finde fand gefunden nehmen nehme nahm genommen und treffen treffe traf getroffen geben gebe gab gegeben und sehen sehe sah gesehen graben grabe grub gegraben und fahren fahre fuhr gefahren heben hebe hob gehoben und weben webe wob gewoben halten halte hielt gehalten und heissen heisse hiess geheissen Im Ubrigen eint diese Verben auch ein gemeinsames in sich regelmassiges Endungsschema des Prasens Prateritum sowie des aus letzterem abgeleiteten Konjunktiv II ebenso des Partizip II auf Endung en und wie bei allen Verben ausser dem Verb sein des Konjunktiv I Auch gehen stehen werden vgl unten folgen demselben Schema und war gewesen enden ebenfalls gleich Das heute gebrauchliche Prateritum des Verbs werden weicht hier ab und ist dem Konjunktiv II angeglichen Bei denken usw vgl unten kommt das Endungsschema der schwachen Verben zum tragen ebenso beim Prateritum und Partizip II von durfen etc Ein ubergestulptes Etikett unregelmassig erscheint im Sprachunterricht in all diesen Fallen kontraproduktiv Der Begriff unregelmassig als ein auf die Bildungsweise der Stammformen bezogener bleibt so der linguistischen Betrachtung vorbehalten Unregelmassige Verben konnen nach obiger genauerer Unterscheidung nur Verben sein die ihre Stammformen nicht nach einer erkennbaren Systematik bilden bei denen bestimmte Formen fehlen und oder die von vorhandenen Systematiken durch Ausnahmeerscheinungen abweichen Unregelmassige Verben folgen bei der Konjugation eigenen individuellen Wegen Keine Systematik ist etwa bei der Reihe sein bin war gewesen zu erkennen Genauso bei haben habe hatte gehabt Fehlende Formen treten bei den sechs Modalverben konnen wollen sollen durfen mussen mogen auf Ihnen fehlen die Imperativformen Singular und Plural bei wollen sind die entsprechenden Formen immerhin vereinzelt anzutreffen Mit Ausnahme von sollen das der schwachen Konjugation folgt bilden sie auch ihre Stammformen unregelmassig wollen geht auf ein Wurzelverb zuruck die restlichen sind Prateritoprasentien Diese Prateritoprasentien haben eine alte Prateritumsform im Prasens und einen Dentalsuffix t e im Prateritum konnen kann konnte gekonnt Bei den sogenannten ruckumlautenden Verben wie denken kennen nennen brennen usw wird der Stammvokal geandert und gleichzeitig werden auch hier die typischen Dentalsuffix Endungen der schwachen Verben an den Wortstamm gehangt Unregelmassig sind ferner gehen stehen Wurzelverben mit Stammsuppletion wissen Prateritoprasens werden Einige Grammatiken die die deutsche Gegenwartssprache uberwiegend synchron betrachten fassen sowohl starke als auch die hier aufgezahlten Verben als unregelmassige Verben zusammen 1 Moglichkeiten fur Unregelmassigkeiten im tieferen Sinne bilden in der deutschen Sprache also die Verwendung verschiedener Wortstamme oder Wurzeln fur verschiedene Formen b in s ind war ge wes en Suppletion die Verwendung eines alten Prateritums als Prasens Prateritoprasentien sowie der Ruckumlaut Herkunft und Verteilung unregelmassiger Verben Bearbeiten Historisch gesehen bildet die Gruppe der starken Verben den Grundbestand der germanischen Verben die sich hauptsachlich von indogermanischen primaren Verbbildungen herleiten Die schwache Konjugation mithilfe von Dentalsuffixen entstand um Verben die in dieses primare System nicht hineinpassten flektieren zu konnen Die altesten Beispiele finden sich unter anderem bei den sogenannten Prateritoprasentien Zu diesen Verben gehoren ausserdem Kausative mit dem Suffix germanisch ja und Wurzelablaut zum Beispiel setzen lt satjana zu sitzen denominale Verben Suffix oja zum Beispiel althochdeutsch salbon und Stative Suffix ai zum Beispiel althochdeutsch haben Einige schwache Verben weisen verschiedene Besonderheiten auf und gehoren daher auch zu den unregelmassigen Verben Wahrend die meisten Verben in der deutschen Sprache regelmassig sind sind viele der am haufigsten gebrauchten Verben unregelmassig Umgekehrt sind fast alle seltenen Verben regelmassig und neue Verben werden ebenfalls regelmassig gebildet Die Anzahl der unregelmassigen Verben geht in der deutschen Sprache leicht zuruck 2 Das Mittelhochdeutsche besass weit mehr solcher Verben so hiess es damals z B noch ball statt bellte gedacht oder gedact statt gedeckt Auch die Formen buk statt backte und gesotten statt gesiedet sind gegenwartig wenig gebrauchlich Die Zahl der unregelmassigen Verben liegt heute zwischen 200 und 300 ohne Derivationen Zwar werden meistens starke Formen schwach doch der umgekehrte Weg ist keineswegs verstellt wie der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg erlautert 3 Einige wenige ursprunglich schwache Verben schlossen sich erst spater der starken Konjugation an so etwa preisen denominativ zu Preis zu dem noch fruhneuhochdeutsch das Prateritum preisete gebildet wurde Ganz ahnlich entwickelten einige Verben die ursprunglich ein regelmassiges Partizip hatten im Lauf der Zeit ein unregelmassiges Partizip Beispiele dafur sind scheinen fruher gescheint heute geschienen und verderben fruher verderbt heute verdorben Fur winken existieren gegenwartig zwei Partizipien Zum einen findet man die ursprungliche Form gewinkt zum anderen die neuere Form gewunken Aufgrund von Analogie gibt es auch heute noch Neubildungen starker Verben z B schweizerdeutsch tuuscht gt tosche getauscht gschtimmt gt gschtumme gestimmt gmaldet gt gmolde gmulde gemeldet niederlandisch gewuifd gt gewoven gewinkt gewunken gevrijd gt gevreeen miteinander geschlafen gebreid gt gebreeen gestrickt geerfd gt georven geerbt englisch dragged gt drug schleppte geschleppt sneaked gt snuck schlich geschlichen schwedisch bytte gt bot wechselte knyckte gt knock lyste gt los leuchtete myste gt mos lachelte pyste gt pos ryckte gt rock riss tryckte gt trock druckte norwegisch spydde gt spoy spie spuckte mista mistet gt mast verlor muste verloren und einige weitere Da aber die heutigen Standardsprachen praskriptiv ausgerichtet und sehr verfestigt sind haben es diese Neuerungen schwer auch in der geschriebenen Sprache anerkannt zu werden Psycholinguistische Betrachtung BearbeitenDie Formen unregelmassiger Verben werden nach Steven Pinker und anderen Psycholinguisten einzeln im Gedachtnis abgespeichert wahrend fur die regelmassigen Verben entsprechende Regeln gespeichert werden Unregelmassige Verben werden heute nur in Ausnahmefallen noch neu gebildet Beim Konjugieren der Verben werde zunachst gesucht ob ein unregelmassiges Verb vorhanden sei Ist das nicht der Fall so werde im Normalfall das Verb regelmassig konjugiert Wenn ein unregelmassiges Verb lange nicht genutzt worden sei so verschwinde es aus dem Gedachtnis und ein regelmassiges Bildungsmuster trete an dessen Stelle Andere Forscher nehmen an dass unregelmassige Verben in einem Musterassoziativspeicher gespeichert werden und nach Ahnlichkeit der Muster gebildet werden Durch neue Verfahren wie genaue Zeitmessungen und bildliche Echtzeitdarstellung der Arbeit des Gehirns ist zu erwarten dass einige der Theorien falsifiziert werden konnen Kinder neigen in einem bestimmten Alter wahrend des Spracherwerbs dazu auch unregelmassige Verben wie regelmassige zu verwenden obwohl sie zuvor schon die richtigen unregelmassigen Formen benutzt hatten Das tritt dann ein wenn sie die Regeln entdecken Die heute unregelmassigen Verben beruhen auf fruher regelmassigen Strukturen bei denen die Verbformen durch regelmassige Vokalanderungen gebildet wurden Die Anzahl der unregelmassigen Verben in verschiedenen Sprachen BearbeitenDie Anzahl an unregelmassigen Verben in den jeweiligen Sprachen ist nur schwer bestimmbar da sich der Begriff unregelmassig unterschiedlich verstehen lasst Im Deutschen kann man das anhand der starken Verben sehen die eigentlich alle einem alten Schema folgen und sich von maximal funf Nennformen ableiten lassen Trotzdem werden sie heute auch oft als unregelmassig bezeichnet Wenn man im Lateinischen von unregelmassigen Verben spricht sind entweder die acht unten aufgefuhrten Verben gemeint oder rund 900 Verben die oft in Gruppen einem ahnlichen Schema folgen wie das Dehnungsperfekt unter welches beispielsweise das lateinische Verb vincere gewinnen fallt Bei der Zahlung unregelmassiger Verben mussen auch Derivationen wie etwa an kommen beachtet werden Sie sollten im Normalfall nicht als weiteres unregelmassiges Verb gezahlt werden Die folgende Tabelle vergleicht die Anzahl der unregelmassigen Verben in den verschiedenen Sprachen Da sich der Begriff unregelmassig unterschiedlich verstehen lasst sind hier drei Spalten fur drei Typen von unregelmassig angelegt Verben des Typs 1 weisen keine direkt vergleichbaren Verben auf oder lassen sich nicht von regularen Nennformen ableiten Verben des Typs 2 werden nicht nach den meistverbreiteten Flexionsarten gebeugt z B im Deutschen starke Verben Verben des Typs 3 beinhaltet zusatzlich Derivationen z B Prafixbildungen von Verben des Typs 1 und 2 sie werden in regularen Zahlungen meist nicht beachtet Sprache Anzahl s o Liste Typ 1 Verben AnmerkungenTyp 1 Typ 2 Typ 3Neugriechisch gt 500 el 235 Konjugationsschemata naheres im ArtikelItalienisch 8 gt 400 1244 it essere avere andare stare dare fare bere porreNiederlandisch 11 273 gt 500 nl zijn hebben kunnen moeten mogen weten willen zullen zeggen houden snijden meist dieselben Verben wie im DeutschenEnglisch 114 223 562 en be do have make must ought can may will shall jeweils Zahlung aus Wikipedia en am 15 Februar 2014Russisch 9 10 220 ru byt dat sozdat est nadoest ssat alt scat hotet bezhat brezzhit chtit nach Daum Schenk oder 38 isolierte Verben plus 11 unproduktive Gruppen nach KirschbaumDeutsch 10 209 3000 de sein haben gehen stehen durfen konnen mogen mussen wissen wollen jeweils Zahlung aus Liste starker Verben deutsche Sprache Lateinisch 8 207 924 la esse posse ire velle nolle malle ferre fieri edereSchwedisch 180 sv Quelle 1 Danisch 4 100 da vaere ville ga sta Quelle 2 Polnisch 88 pl Franzosisch 5 80 570 fr 3 Spalte Zahl der Verben in der dritten Gruppe nach Le Nouveau BescherelleSpanisch 4 59 1530 es ser ir haber estar Laut Langenscheidts Worterbuch 59 plus jeweils weitere nach dem gleichen Muster zu konjugierende VerbenUngarisch 17 Quelle 3 Aufzahlung in vorhergehenden SeitenFaroisch 15Galisch 11Turkisch 7 ditmek etmek gitmek gutmek tatmak demek yemekLettisch 3Japanisch 2 ja する suru くる kuru Quechua 0Esperanto 0 wie die meisten PlansprachenSiehe auch BearbeitenKonstruierte SpracheLiteratur BearbeitenManfred Faust Morphologische Regularisierung in Sprachwandel und Spracherwerb In Folia Linguistica 14 1980 S 387 411 S 400 404 wird der Ubergang starker Verben in die Klasse der schwachen Verben dargestellt Helmut Gluck Wolfgang Werner Sauer Gegenwartsdeutsch 2 uberarbeitete und erweiterte Auflage Metzler Stuttgart Weimar 1997 ISBN 3 476 12252 2 Steven Pinker Words and Rules The Ingredients of Language 1999 dt Worter und Regeln Die Natur der Sprache Heidelberg Berlin 2000 ISBN 3 8274 0297 2 Wilhelm Schmidt Geschichte der deutschen Sprache 7 verbesserte Auflage Hirzel Stuttgart 1996 ISBN 3 7776 0720 7 S 191 203 sowie S 241 253 und S 309 323 Weblinks Bearbeiten Wiktionary unregelmassiges Verb Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Wiktionary Unregelmassige Konjugation im Deutschen Bedeutungserklarungen Wortherkunft Synonyme Ubersetzungen Unregelmassige englische Verben Gesellschaft zur Starkung der VerbenEinzelnachweise Bearbeiten Vergleiche u a Duden Grammatik der deutschen Gegenwartssprache 4 Auflage Mannheim Leipzig Wien Zurich 1984 Duden Bd 4 S 123 143 insbesondere werden dort unter der Liste aller unregelmassigen Verben S 133 143 u a denken und brennen neben den starken Verben aufgefuhrt Karl Heinz Best Spracherwerb Sprachwandel und Wortschatzwachstum in Texten Zur Reichweite des Piotrowski Gesetzes In Glottometrics 2003 6 9 34 Der Beitrag stellt S 12 14 dar wie viele starke Verben je Jahrhundert in der Zeit zwischen dem 12 und 20 Jahrhundert schwach geworden sind und dass dieser Prozess gemass dem sogenannten Piotrowski Gesetz also gesetzmassig verlauft Eisenberg Peter Gesotten und gesiedet Suddeutsche Zeitung 11 November 2006 Normdaten Sachbegriff GND 4186947 3 OGND AKS Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Unregelmassiges Verb amp oldid 219919085, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

buch

, bücher, bibliothek,

artikel

, lesen, herunterladen, kostenlos, kostenloser herunterladen, MP3, Video, MP4, 3GP, JPG, JPEG, GIF, PNG, Bild, Musik, Lied, Film, Buch, Spiel, Spiele