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Der als Élysée-Vertrag bezeichnete deutsch-französische Freundschaftsvertrag sollte in Frankreich und Deutschland Konsultationen in allen wichtigen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik sicherstellen. Er wurde am 22. Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle im Pariser Élysée-Palast unterzeichnet und trat am 2. Juli 1963 in Kraft. Dem eigentlichen Vertragstext ist eine Gemeinsame Erklärung vorangestellt. Der deutsche Bundestag ratifizierte den Vertrag und stellte ihm eine Präambel voran. Sie bekräftigte die engen Bindungen Deutschlands an die USA, das Bemühen um eine Aufnahme Großbritanniens in die EWG und das Streben nach übernationalen Regeln.

Unterzeichnung des Vertrages im Pariser Élysée-Palast

Dieses Abkommen über die deutsch-französische Zusammenarbeit hat die beiden Nachbarn in Europa nach langer „Erbfeindschaft“ und verlustreichen Kriegen einander näher gebracht, aber zu keiner gemeinsamen Außenpolitik geführt.

Inhaltsverzeichnis

Der offizielle Titel lautet:

  • Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über die deutsch-französische Zusammenarbeit oder auch
  • Vertrag zwischen der Französischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland über die französisch-deutsche Zusammenarbeit

In der Regel werden diese kürzeren Bezeichnungen verwendet:

  • Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit (vgl. die abgebildeten Briefmarken)
  • deutsch-französischer Freundschaftsvertrag
  • Élysée-Vertrag (vgl. die abgebildete Münze)
  • Deutsch-Französischer Vertrag
Das Originaldokument des Vertrags im Élysée-Palast, letzte Seite mit den Unterschriften
Deutsche Briefmarke von 1973, Gemeinschaftsausgabe mit Frankreich:
10 Jahre Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit
Deutsche Briefmarke von 1988, Gemeinschaftsausgabe mit Frankreich:
25 Jahre Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit
Deutsche Briefmarke von 2003 (gestaltet von Tomi Ungerer), Gemeinschaftsausgabe mit Frankreich:
40 Jahre Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit
2-Euro-Gedenkmünze von 2013, Gemeinschaftsausgabe mit Frankreich: 50 Jahre Élysée-Vertrag

Im Vertrag von Luxemburg hatten die Regierungschefs Konrad Adenauer und Guy Mollet am 27. Oktober 1956 die Rückkehr des Saargebietes nach Deutschland als zusätzliches Bundesland vereinbart, nachdem die Saarländer ein Jahr zuvor eine „Europäisierung“ abgelehnt hatten. Als Gegenleistung wurde Frankreich die Kanalisierung der Mosel zugesagt, was der Stahlindustrie Lothringens einen verbilligten Zugang zum Nordatlantik ermöglichte. Damit war das größte Problem in den Beziehungen Frankreichs und Deutschlands gelöst. 1957 wurden die Römischen Verträge abgeschlossen, mit denen die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft möglich wurde. Frankreich führte Ende 1958 eine Währungsreform durch und bereitete sich damit für den Aufbau eines Gemeinsamen Marktes vor. General Charles de Gaulle vertrat die Überzeugung, Europa müsse auf eine deutsch-französische Säule gestützt werden, die ein Gegengewicht zur amerikanischen Macht im europäischen Westen darstellen sollte. Ursprünglich war vorgesehen, im Rahmen der im Januar 1963 in Paris stattfindenden deutsch-französischen Konsultationen lediglich ein gemeinsames Protokoll zu unterzeichnen; mit der Idee zum Abschluss eines völkerrechtlichen Vertrags überraschte Adenauer de Gaulle erst während der Pariser Gespräche.

Auf französischer Seite war François Seydoux de Clausonne, auf deutscher Seite Adenauers außenpolitischer Berater Horst Osterheld wesentlich am Zustandekommen des Vertrages beteiligt. Für zwischenzeitliche Verstimmung sorgte die Präambel, die dem Vertrag von deutscher Seite vor der Ratifizierung hinzugefügt wurde. Darin erklärten die Deutschen ihre enge Bindung an die USA und den Willen zur Aufnahme Großbritanniens in die EWG. De Gaulle hingegen verfolgte das Ziel, mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland die Position Europas gegenüber den USA zu stärken und auszubauen, also die Bedeutung der USA zu schwächen.

Der Vertrag trat nach Unterzeichnung am 2. Juli 1963 in Kraft. Ihm folgte am 5. Juli 1963 das Gründungsabkommen für das Deutsch-Französische Jugendwerk. In der Folgezeit entstanden zahlreiche Städtepartnerschaften sowie Partnerschaften zwischen Schulen und Vereinen.

De Gaulle war vom Grundmotiv französischer Deutschlandpolitik getrieben, das er schon 1943 in einem Nachkriegsplan ausarbeitete: Es musste auf jeden Fall verhindert werden, dass sich die angelsächsische Welt mit Deutschland zulasten Frankreichs verbündet. Seine Einstellung wurde in dem Satz deutlich: „Seit Jahrhunderten haben die Engländer versucht, die Annäherung der Gallier und Germanen zu verhindern. Heute sind es die Amerikaner.“

Zwei Wochen nach Vertragsabschluss übermittelte die Sowjetunion der deutschen und der französischen Regierung eine Protestnote. Die Bundesregierung beantwortete sie, die Sowjetunion protestierte jedoch nochmals nach der Ratifizierung des Vertrags durch den Bundestag, wobei sie die Argumente der ersten Protestnote wiederholte.

Zwei Monate nach Unterzeichnung kam es zu Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und Frankreich. De Gaulle hatte das Ziel mit dem Vertrag Westdeutschland dazu zu bewegen, von den USA abzurücken und schließlich zu trennen. Er hatte die Auffassung, Westdeutschland und andere Mitgliedsstaaten der Wirtschaftsgemeinschaft würden von den USA als Vasallenstaaten betrachtet. Es war auffällig, dass der Vertrag die USA, Großbritannien, die NATO und GATT (General Agreement on Tariffs and Trade; deutsch‚Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen‘) unerwähnt ließen.

Nachdem Präsident John F. Kennedy sein Unbehagen in dieser Angelegenheit gegenüber dem deutschen Botschafter in Washington ausgedrückt hatte, ratifizierte der Bundestag den Vertrag mit einer Präambel, die Frankreich und Westdeutschland zu enger Zusammenarbeit mit den USA, der Aufnahme Großbritanniens in die Wirtschaftsgemeinschaft, ein Freihandelsabkommen innerhalb von GATT und die Integration Westeuropas in die NATO unter Führung der USA aufrief. Dies entleerte den Vertrag nach Verständnis der Gaullisten jeglicher Bedeutung und setzte De Gaulles Hoffnungen ein Ende, die Wirtschaftsgemeinschaft zu einem Gegengewicht zu den USA und der UdSSR zu machen. „Die Deutschen benehmen sich wie Schweine. Sie unterwerfen sich völlig der Herrschaft der Angelsachsen. Sie verraten den Geist des Französisch-deutschen Abkommens. Und sie betrügen Europa.“ 1965 äußerte er gegenüber seinem engsten Vertrauten: „Die Deutschen waren meine größte Hoffnung, sie sind nun meine größte Enttäuschung.“

1988 setzten Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident François Mitterrand in Ergänzung des Vertrages Räte für die Abstimmung von Verteidigungsinteressen (Deutsch-französischer Verteidigungs- und Sicherheitsrat) und der Wirtschafts-, Finanz- und Währungspolitik ein. Seit 2001 finden darüber hinaus infolge des „Blaesheim-Abkommens“ die Treffen zwischen beiden Regierungschefs auf 6- bis 8-wöchentlicher Basis statt.

Am 22. Januar 2003, zur 40-Jahr-Feier der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags, fand das erste Treffen des Deutsch-Französischen Ministerrates statt. Es gab eine gemeinsame Sitzung der Assemblée nationale und des Deutschen Bundestags in Versailles und ein Beauftragter für die deutsch-französische Zusammenarbeit in beiden Ländern wurde erstmals ernannt. 2003 wurde von Deutschland und Frankreich auch der gemeinsam finanzierte Deutsch-Französischer Fonds für Kulturprogramme in Drittländern, der so genannte Élysée-Fonds, geschaffen. Dieser Fonds fördert jährlich deutsch-französische Kulturprojekte mit maximal 25.000 Euro. 2011 standen ihm 460.000 Euro zur Verfügung. Im Rahmen der Feierlichkeiten kam es dann zu einer Gemeinsamen Erklärung des französischen Präsidenten und des deutschen Bundeskanzlers, die aber nur als Absichtserklärung zu verstehen ist und als Ziele u. a. die Ermöglichung einer doppelten Staatsbürgerschaft für Deutsche und Franzosen, die dies wünschen, sowie die Harmonisierung des Familien- und Zivilrechtes enthält. Aufgrund der Gemeinsamen Erklärung wurde der 22. Januar als Deutsch-Französischer Tag eingerichtet.

Um den 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags zu feiern, riefen Frankreich und Deutschland ein Deutsch-Französisches Jahr aus. In dessen Rahmen fanden von September 2012 bis Juli 2013 zahlreiche Veranstaltungen auf offizieller und zivilgesellschaftlicher Ebene statt.

Am 50. Jahrestag der Vertragsunterzeichnung, also am 22. Januar 2013, kamen die französische Regierung, der Staatspräsident (François Hollande) und der Senat zu Feierlichkeiten nach Berlin. Auch die Abgeordneten beider Parlamente (Deutscher Bundestag und Nationalversammlung) erinnerten gemeinsam an das historische Ereignis; alle 577 Abgeordneten der Nationalversammlung waren nach Berlin eingeladen. Am 31. Januar 2013 veranstaltete der Stab des Eurokorps in Straßburg einen Festakt aus Anlass des 50. Jahrestages des Élysée-Vertrags und am 14. Juli, dem Nationalfeiertag Frankreichs nahm die Luftwaffe erstmals am „Flypass“ über Paris teil.

56 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrages wurde durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron am 22. Januar 2019 im Krönungssaal des Aachener Rathauses ein neuer deutsch-französischer Freundschaftsvertrag unterschrieben.

Das als „Vertrag von Aachen“ bezeichnete Dokument vereinbart vor allem eine stärkere Zusammenarbeit in der Europapolitik und in der Außen- und Sicherheitspolitik.

Hauptartikel: Vertrag von Aachen
  • Ansbert Baumann: Begegnung der Völker? Der Élysée-Vertrag und die Bundesrepublik Deutschland. Deutsch-französische Kulturpolitik von 1963 bis 1969 (= Moderne Geschichte und Politik 18). Peter Lang, Frankfurt 2003, ISBN 3-631-50539-6 (zugleich: Diss., Universität Tübingen, 2001).
  • Ansbert Baumann: Die organisierte Zusammenarbeit. Die deutsch-französischen Beziehungen am Vorabend des Élysée-Vertrags (1958–1962). DFI compact, 1ISSN 1619-8441. Deutsch-Französisches Institut, Ludwigsburg 2002.
  • Nicole Colin, Corine Defrance, Ulrich Pfeil, Joachim Umlauf (Hrsg.): Lexikon der deutsch-französischen Kulturbeziehungen nach 1945, Tübingen 2013, ISBN 978-3-8233-6693-5.
  • Corine Defrance, Ulrich Pfeil (Hrsg.): Der Élysée-Vertrag und die deutsch-französischen Beziehungen 1945–1963–2003 (= Pariser historische Studien 71). Oldenbourg, München 2005, ISBN 3-486-57678-X, Online perspectivia.net.
  • Corine Defrance, Ulrich Pfeil: Deutsch-Französische Geschichte. Band 10: Eine Nachkriegsgeschichte in Europa: 1945 bis 1963. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-14708-3.
  • Corine Defrance, Ulrich Pfeil (Hrsg.): La France, l’Allemagne et le traité de l’Élysée, 1963–2013, Paris 2012, ISBN 978-2-271-07488-1.
  • Corine Defrance, Ulrich Pfeil: 50 Jahre Deutsch-Französisches Jugendwerk / L’Office franco-allemand pour la jeunesse a 50 ans, hrsg. vom DFJW, Berlin, Paris 2013, ISBN 978-2-36924-000-6.
  • Dokumente-Documents. Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog - Revue du dialogue franco-allemand. Schwerpunkthefte: 50 Jahre Élysée-Vertrag. Bilingual (Hauptartikel in einer der beiden Sprachen, ein Resümée in der je anderen). Hrsg. Gesellschaft für übernationale Zusammenarbeit GÜZ. Verlag Dokumente, Bonn 2012, H. 2 bis 4ISSN 0012-5172
  • Ulrich Lappenküper: Deutsch-französische Wechselwirkungen. Entente élémentaire. Die Geschichte des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags vom 22. Januar 1963. Vortrag anlässlich des 40. Jahrestages der Unterzeichnung des E.V. am 22. Januar 2003. DVA-Stiftung, Stuttgart 2003 (nicht im Handel).
  • Ulrich Lappenküper: Die deutsch-französischen Beziehungen 1949–1963. Von der „Erbfeindschaft“ zur „Entente élémentaire“ (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 49). 2 Bände. Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-56522-2 (Zugleich: Bonn, Univ., Habil.-Schr., 1998).
  • Ulrich Pfeil: Die DDR und der Élysée-Vertrag vom 22. Januar 1963, in: Heiner Timmermann (Hrsg.): Die DDR in Deutschland. Ein Rückblick auf 50 Jahre (= Dokumente und Schriften der Europäischen Akademie Otzenhausen 93), Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-10418-8, S. 91–106.
  • Ulrich Pfeil: Die „anderen“ deutsch-französischen Beziehungen. Die DDR und Frankreich 1949–1990 (= Zeithistorische Studien des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Bd. 26), Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-04403-2.
  • Gilbert Ziebura: Die deutsch-französischen Beziehungen seit 1945. Mythen und Realitäten. Überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe. Neske Stuttgart 1997, ISBN 3-7885-0511-7.
Commons: Élysée-Vertrag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Élysée-Vertrag – Quellen und Volltexte

Videos zu den Jubiläen

  1. Wortlaut des Vertrags konrad-adenauer.de (ohne die vorgeschaltete Gemeinsame Erklärung)
  2. Faksimile des Vertrags in der Bayerischen Staatsbibliothek (mit der Gemeinsamen Erklärung)
  3. Beispiel: Faksimile des Vertrags (Beginn des Vertragstextes)
  4. Beispiel: Webseite der Konrad-Adenauer-Stiftung
  5. 2€-Münze bei Muenzen.eu
  6. Ansbert Baumann: Die organisierte Zusammenarbeit, S. 50–57.
  7. Gero von Randow: 50 Jahre Élysée-Vertrag: Ein Druckmittel gegen die Amerikaner. In: Die Zeit. 24. Januar 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 22. Januar 2019]).
  8. Michael Marek: Elysee - A treaty for friendship, Deutsche Welle. 22. Januar 2013. Abgerufen am 9. April 2018.
  9. 50 Jahre Elysée-Vertrag, Spiegel Online. 15. Januar 2013.
  10. Alain Peyrefitte: C'était de Gaulle - Tome II, S. 270
  11. Alain Peyrefitte: C'était de Gaulle - Tome II, S. 303–305
  12. Gero von Randow: 50 Jahre Élysée-Vertrag: "Wie die Schweine!" In: Die Zeit. 24. Januar 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 22. Januar 2019]).
  13. Gemeinsame Erklärung zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrags france-allemagne.fr
  14. Deutsch-Französischer Tag france-allemagne.fr
  15. „Vertrag von Aachen“: Merkel und Macron besiegeln neuen Freundschaftsvertrag. 21. Januar 2019, abgerufen am 22. Januar 2019.
Normdaten (Werk): GND:4149322-9(OGND, AKS) | VIAF:217224272

Elysee Vertrag deutsch franzosischer Freundschaftsvertrag Sprache Beobachten Bearbeiten Der als Elysee Vertrag bezeichnete deutsch franzosische Freundschaftsvertrag sollte in Frankreich und Deutschland Konsultationen in allen wichtigen Fragen der Aussen Sicherheits Jugend und Kulturpolitik sicherstellen Er wurde am 22 Januar 1963 von Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom franzosischen Staatsprasidenten Charles de Gaulle im Pariser Elysee Palast unterzeichnet und trat am 2 Juli 1963 in Kraft Dem eigentlichen Vertragstext ist eine Gemeinsame Erklarung vorangestellt 1 2 Der deutsche Bundestag ratifizierte den Vertrag und stellte ihm eine Praambel voran Sie bekraftigte die engen Bindungen Deutschlands an die USA das Bemuhen um eine Aufnahme Grossbritanniens in die EWG und das Streben nach ubernationalen Regeln Unterzeichnung des Vertrages im Pariser Elysee Palast Dieses Abkommen uber die deutsch franzosische Zusammenarbeit hat die beiden Nachbarn in Europa nach langer Erbfeindschaft und verlustreichen Kriegen einander naher gebracht aber zu keiner gemeinsamen Aussenpolitik gefuhrt Inhaltsverzeichnis 1 Bezeichnungen 2 Vorgeschichte 3 Motive 4 Kontroversen 5 Nachgeschichte 6 Folgevertrag 7 Siehe auch 8 Literatur 9 Weblinks 10 EinzelnachweiseBezeichnungen BearbeitenDer offizielle Titel lautet Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Franzosischen Republik uber die deutsch franzosische Zusammenarbeit 3 oder auch Vertrag zwischen der Franzosischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland uber die franzosisch deutsche Zusammenarbeit 4 In der Regel werden diese kurzeren Bezeichnungen verwendet Vertrag uber die deutsch franzosische Zusammenarbeit vgl die abgebildeten Briefmarken deutsch franzosischer Freundschaftsvertrag Elysee Vertrag vgl die abgebildete Munze 5 Deutsch Franzosischer VertragVorgeschichte Bearbeiten Das Originaldokument des Vertrags im Elysee Palast letzte Seite mit den Unterschriften Deutsche Briefmarke von 1973 Gemeinschaftsausgabe mit Frankreich 10 Jahre Vertrag uber die deutsch franzosische Zusammenarbeit Deutsche Briefmarke von 1988 Gemeinschaftsausgabe mit Frankreich 25 Jahre Vertrag uber die deutsch franzosische Zusammenarbeit Deutsche Briefmarke von 2003 gestaltet von Tomi Ungerer Gemeinschaftsausgabe mit Frankreich 40 Jahre Vertrag uber die deutsch franzosische Zusammenarbeit 2 Euro Gedenkmunze von 2013 Gemeinschaftsausgabe mit Frankreich 50 Jahre Elysee Vertrag Im Vertrag von Luxemburg hatten die Regierungschefs Konrad Adenauer und Guy Mollet am 27 Oktober 1956 die Ruckkehr des Saargebietes nach Deutschland als zusatzliches Bundesland vereinbart nachdem die Saarlander ein Jahr zuvor eine Europaisierung abgelehnt hatten Als Gegenleistung wurde Frankreich die Kanalisierung der Mosel zugesagt was der Stahlindustrie Lothringens einen verbilligten Zugang zum Nordatlantik ermoglichte Damit war das grosste Problem in den Beziehungen Frankreichs und Deutschlands gelost 1957 wurden die Romischen Vertrage abgeschlossen mit denen die Grundung der Europaischen Wirtschaftsgemeinschaft moglich wurde Frankreich fuhrte Ende 1958 eine Wahrungsreform durch und bereitete sich damit fur den Aufbau eines Gemeinsamen Marktes vor General Charles de Gaulle vertrat die Uberzeugung Europa musse auf eine deutsch franzosische Saule gestutzt werden die ein Gegengewicht zur amerikanischen Macht im europaischen Westen darstellen sollte Ursprunglich war vorgesehen im Rahmen der im Januar 1963 in Paris stattfindenden deutsch franzosischen Konsultationen lediglich ein gemeinsames Protokoll zu unterzeichnen mit der Idee zum Abschluss eines volkerrechtlichen Vertrags uberraschte Adenauer de Gaulle erst wahrend der Pariser Gesprache 6 Auf franzosischer Seite war Francois Seydoux de Clausonne auf deutscher Seite Adenauers aussenpolitischer Berater Horst Osterheld wesentlich am Zustandekommen des Vertrages beteiligt Fur zwischenzeitliche Verstimmung sorgte die Praambel die dem Vertrag von deutscher Seite vor der Ratifizierung hinzugefugt wurde Darin erklarten die Deutschen ihre enge Bindung an die USA und den Willen zur Aufnahme Grossbritanniens in die EWG De Gaulle hingegen verfolgte das Ziel mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland die Position Europas gegenuber den USA zu starken und auszubauen also die Bedeutung der USA zu schwachen Der Vertrag trat nach Unterzeichnung am 2 Juli 1963 in Kraft Ihm folgte am 5 Juli 1963 das Grundungsabkommen fur das Deutsch Franzosische Jugendwerk In der Folgezeit entstanden zahlreiche Stadtepartnerschaften sowie Partnerschaften zwischen Schulen und Vereinen Motive BearbeitenDe Gaulle war vom Grundmotiv franzosischer Deutschlandpolitik getrieben das er schon 1943 in einem Nachkriegsplan ausarbeitete Es musste auf jeden Fall verhindert werden dass sich die angelsachsische Welt mit Deutschland zulasten Frankreichs verbundet Seine Einstellung wurde in dem Satz deutlich Seit Jahrhunderten haben die Englander versucht die Annaherung der Gallier und Germanen zu verhindern Heute sind es die Amerikaner 7 Kontroversen BearbeitenZwei Wochen nach Vertragsabschluss ubermittelte die Sowjetunion der deutschen und der franzosischen Regierung eine Protestnote Die Bundesregierung beantwortete sie die Sowjetunion protestierte jedoch nochmals nach der Ratifizierung des Vertrags durch den Bundestag wobei sie die Argumente der ersten Protestnote wiederholte Zwei Monate nach Unterzeichnung kam es zu Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und Frankreich De Gaulle hatte das Ziel mit dem Vertrag Westdeutschland dazu zu bewegen von den USA abzurucken und schliesslich zu trennen Er hatte die Auffassung Westdeutschland und andere Mitgliedsstaaten der Wirtschaftsgemeinschaft wurden von den USA als Vasallenstaaten betrachtet Es war auffallig dass der Vertrag die USA Grossbritannien die NATO und GATT General Agreement on Tariffs and Trade deutsch Allgemeines Zoll und Handelsabkommen unerwahnt liessen 8 Nachdem Prasident John F Kennedy sein Unbehagen in dieser Angelegenheit gegenuber dem deutschen Botschafter in Washington ausgedruckt hatte ratifizierte der Bundestag den Vertrag mit einer Praambel die Frankreich und Westdeutschland zu enger Zusammenarbeit mit den USA der Aufnahme Grossbritanniens in die Wirtschaftsgemeinschaft ein Freihandelsabkommen innerhalb von GATT und die Integration Westeuropas in die NATO unter Fuhrung der USA aufrief 9 Dies entleerte den Vertrag nach Verstandnis der Gaullisten jeglicher Bedeutung und setzte De Gaulles Hoffnungen ein Ende die Wirtschaftsgemeinschaft zu einem Gegengewicht zu den USA und der UdSSR zu machen Die Deutschen benehmen sich wie Schweine Sie unterwerfen sich vollig der Herrschaft der Angelsachsen Sie verraten den Geist des Franzosisch deutschen Abkommens Und sie betrugen Europa 10 1965 ausserte er gegenuber seinem engsten Vertrauten Die Deutschen waren meine grosste Hoffnung sie sind nun meine grosste Enttauschung 11 12 Nachgeschichte Bearbeiten1988 setzten Bundeskanzler Helmut Kohl und der franzosische Staatsprasident Francois Mitterrand in Erganzung des Vertrages Rate fur die Abstimmung von Verteidigungsinteressen Deutsch franzosischer Verteidigungs und Sicherheitsrat und der Wirtschafts Finanz und Wahrungspolitik ein Seit 2001 finden daruber hinaus infolge des Blaesheim Abkommens die Treffen zwischen beiden Regierungschefs auf 6 bis 8 wochentlicher Basis statt Am 22 Januar 2003 zur 40 Jahr Feier der Unterzeichnung des Elysee Vertrags fand das erste Treffen des Deutsch Franzosischen Ministerrates statt Es gab eine gemeinsame Sitzung der Assemblee nationale und des Deutschen Bundestags in Versailles und ein Beauftragter fur die deutsch franzosische Zusammenarbeit in beiden Landern wurde erstmals ernannt 2003 wurde von Deutschland und Frankreich auch der gemeinsam finanzierte Deutsch Franzosischer Fonds fur Kulturprogramme in Drittlandern der so genannte Elysee Fonds geschaffen Dieser Fonds fordert jahrlich deutsch franzosische Kulturprojekte mit maximal 25 000 Euro 2011 standen ihm 460 000 Euro zur Verfugung Im Rahmen der Feierlichkeiten kam es dann zu einer Gemeinsamen Erklarung des franzosischen Prasidenten und des deutschen Bundeskanzlers die aber nur als Absichtserklarung zu verstehen ist und als Ziele u a die Ermoglichung einer doppelten Staatsburgerschaft fur Deutsche und Franzosen die dies wunschen sowie die Harmonisierung des Familien und Zivilrechtes enthalt 13 Aufgrund der Gemeinsamen Erklarung wurde der 22 Januar als Deutsch Franzosischer Tag eingerichtet 14 Um den 50 Jahrestag der Unterzeichnung des Elysee Vertrags zu feiern riefen Frankreich und Deutschland ein Deutsch Franzosisches Jahr aus In dessen Rahmen fanden von September 2012 bis Juli 2013 zahlreiche Veranstaltungen auf offizieller und zivilgesellschaftlicher Ebene statt Am 50 Jahrestag der Vertragsunterzeichnung also am 22 Januar 2013 kamen die franzosische Regierung der Staatsprasident Francois Hollande und der Senat zu Feierlichkeiten nach Berlin Auch die Abgeordneten beider Parlamente Deutscher Bundestag und Nationalversammlung erinnerten gemeinsam an das historische Ereignis alle 577 Abgeordneten der Nationalversammlung waren nach Berlin eingeladen 9 Am 31 Januar 2013 veranstaltete der Stab des Eurokorps in Strassburg einen Festakt aus Anlass des 50 Jahrestages des Elysee Vertrags und am 14 Juli dem Nationalfeiertag Frankreichs nahm die Luftwaffe erstmals am Flypass uber Paris teil Folgevertrag Bearbeiten56 Jahre nach Unterzeichnung des Elysee Vertrages wurde durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatsprasident Emmanuel Macron am 22 Januar 2019 im Kronungssaal des Aachener Rathauses ein neuer deutsch franzosischer Freundschaftsvertrag unterschrieben Das als Vertrag von Aachen bezeichnete Dokument vereinbart vor allem eine starkere Zusammenarbeit in der Europapolitik und in der Aussen und Sicherheitspolitik 15 Hauptartikel Vertrag von AachenSiehe auch BearbeitenFouchetplaneLiteratur BearbeitenAnsbert Baumann Begegnung der Volker Der Elysee Vertrag und die Bundesrepublik Deutschland Deutsch franzosische Kulturpolitik von 1963 bis 1969 Moderne Geschichte und Politik 18 Peter Lang Frankfurt 2003 ISBN 3 631 50539 6 zugleich Diss Universitat Tubingen 2001 Ansbert Baumann Die organisierte Zusammenarbeit Die deutsch franzosischen Beziehungen am Vorabend des Elysee Vertrags 1958 1962 DFI compact 1 ISSN 1619 8441 Deutsch Franzosisches Institut Ludwigsburg 2002 Nicole Colin Corine Defrance Ulrich Pfeil Joachim Umlauf Hrsg Lexikon der deutsch franzosischen Kulturbeziehungen nach 1945 Tubingen 2013 ISBN 978 3 8233 6693 5 Corine Defrance Ulrich Pfeil Hrsg Der Elysee Vertrag und die deutsch franzosischen Beziehungen 1945 1963 2003 Pariser historische Studien 71 Oldenbourg Munchen 2005 ISBN 3 486 57678 X Online perspectivia net Corine Defrance Ulrich Pfeil Deutsch Franzosische Geschichte Band 10 Eine Nachkriegsgeschichte in Europa 1945 bis 1963 Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2011 ISBN 978 3 534 14708 3 Corine Defrance Ulrich Pfeil Hrsg La France l Allemagne et le traite de l Elysee 1963 2013 Paris 2012 ISBN 978 2 271 07488 1 Corine Defrance Ulrich Pfeil 50 Jahre Deutsch Franzosisches Jugendwerk L Office franco allemand pour la jeunesse a 50 ans hrsg vom DFJW Berlin Paris 2013 ISBN 978 2 36924 000 6 Dokumente Documents Zeitschrift fur den deutsch franzosischen Dialog Revue du dialogue franco allemand Schwerpunkthefte 50 Jahre Elysee Vertrag Bilingual Hauptartikel in einer der beiden Sprachen ein Resumee in der je anderen Hrsg Gesellschaft fur ubernationale Zusammenarbeit GUZ Verlag Dokumente Bonn 2012 H 2 bis 4 ISSN 0012 5172 Ulrich Lappenkuper Deutsch franzosische Wechselwirkungen Entente elementaire Die Geschichte des deutsch franzosischen Freundschaftsvertrags vom 22 Januar 1963 Vortrag anlasslich des 40 Jahrestages der Unterzeichnung des E V am 22 Januar 2003 DVA Stiftung Stuttgart 2003 nicht im Handel Ulrich Lappenkuper Die deutsch franzosischen Beziehungen 1949 1963 Von der Erbfeindschaft zur Entente elementaire Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 49 2 Bande Oldenbourg Munchen 2001 ISBN 3 486 56522 2 Zugleich Bonn Univ Habil Schr 1998 Ulrich Pfeil Die DDR und der Elysee Vertrag vom 22 Januar 1963 in Heiner Timmermann Hrsg Die DDR in Deutschland Ein Ruckblick auf 50 Jahre Dokumente und Schriften der Europaischen Akademie Otzenhausen 93 Duncker amp Humblot Berlin 2001 ISBN 3 428 10418 8 S 91 106 Ulrich Pfeil Die anderen deutsch franzosischen Beziehungen Die DDR und Frankreich 1949 1990 Zeithistorische Studien des Zentrums fur Zeithistorische Forschung Potsdam Bd 26 Bohlau Koln u a 2004 ISBN 3 412 04403 2 Gilbert Ziebura Die deutsch franzosischen Beziehungen seit 1945 Mythen und Realitaten Uberarbeitete und aktualisierte Neuausgabe Neske Stuttgart 1997 ISBN 3 7885 0511 7 Weblinks Bearbeiten Commons Elysee Vertrag Sammlung von Bildern Videos und Audiodateien Wikisource Elysee Vertrag Quellen und Volltexte Historische Radioreportage von der Vertrags Unterzeichnung 1963 SWR Almut Finck 22 01 1963 Deutsch franzosischer Freundschaftsvertrag WDR ZeitZeichen vom 22 Januar 2013 Podcast Videos zu den Jubilaen 40 Jahre Pressekonferenz mit Gerhard Schroder und Jacques Chirac mit englischer Simultanubersetzung Video bei C SPAN 29 22 Min 50 Jahre Eine Freundschaft macht Schule 2 41 Min Unterwegs mit dem Chef des Protokolls 5 50 Min 55 Jahre Erklarung von Kanzlerin Angela Merkel und Prasident Emmanuel Macron 2 20 Min Einzelnachweise Bearbeiten Wortlaut des Vertrags konrad adenauer de ohne die vorgeschaltete Gemeinsame Erklarung Faksimile des Vertrags in der Bayerischen Staatsbibliothek mit der Gemeinsamen Erklarung Beispiel Faksimile des Vertrags Beginn des Vertragstextes Beispiel Webseite der Konrad Adenauer Stiftung 2 Munze bei Muenzen eu Ansbert Baumann Die organisierte Zusammenarbeit S 50 57 Gero von Randow 50 Jahre Elysee Vertrag Ein Druckmittel gegen die Amerikaner In Die Zeit 24 Januar 2013 ISSN 0044 2070 zeit de abgerufen am 22 Januar 2019 Michael Marek Elysee A treaty for friendship Deutsche Welle 22 Januar 2013 Abgerufen am 9 April 2018 a b 50 Jahre Elysee Vertrag Spiegel Online 15 Januar 2013 Alain Peyrefitte C etait de Gaulle Tome II S 270 Alain Peyrefitte C etait de Gaulle Tome II S 303 305 Gero von Randow 50 Jahre Elysee Vertrag Wie die Schweine In Die Zeit 24 Januar 2013 ISSN 0044 2070 zeit de abgerufen am 22 Januar 2019 Gemeinsame Erklarung zum 40 Jahrestag des Elysee Vertrags france allemagne fr Deutsch Franzosischer Tag france allemagne fr Vertrag von Aachen Merkel und Macron besiegeln neuen Freundschaftsvertrag 21 Januar 2019 abgerufen am 22 Januar 2019 Normdaten Werk GND 4149322 9 OGND AKS VIAF 217224272 Abgerufen von https de wikipedia org w index php title Elysee Vertrag amp oldid 221234187, wikipedia, wiki, deutsches, deutschland,

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